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Raus aus dem roten Bereich?

Für besseren Verkehrsfluss: Neue Ampelschaltungen in Hameln

HAMELN. Damit es im Hamelner Straßenverkehr besser rollt, will die Stadt die Ampelschaltungen verbessern. An der Deisterstraße werden bereits seit drei Wochen neue Ampelschaltungen erprobt, heißt es. Mit Infrarot-Kameras auf den Ampelanlagen sollen Verkehrströme schon von weiter her registriert und entsprechend auf Grün oder Rot geschaltet werden.

veröffentlicht am 16.08.2017 um 19:45 Uhr

Zu Stoßzeiten werden die Ampeln etwa auf der Deisterstraße zum Ärgernis Foto: Wal
Lars Lindhorst

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Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite
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Die Ampeln in der Stadt sind genau genommen nur „Mangelverteiler“. Sie regeln zwar Hamelns Verkehr, sind in erster Linie aber dazu da, „nicht vorhandene Kapazitäten“ zu steuern. Das sagt Ralf Wilde, Fachbereichsleiter im Rathaus, zuständig für Umwelt und technische Dienste, damit auch verantwortlich für die Ampeln und deren Schaltungen.

Autofahrer sind da schon mal zu Stoßzeiten genervt von diesen fehlenden Kapazitäten, wenn sie schnell an ihr Ziel kommen wollen. Denn dann ist offenbar für zu viele Auto zu wenig Platz auf den Straßen vorhanden. Es kommt zu Wartezeiten an den Ampeln und zu Staus.

Punktuell tut sich jetzt aber etwas in der städtischen Verkehrspolitik. Ein triftiger Grund ist das erneute Mahnschreiben aus dem Umweltministerium in Hannover an das Hamelner Rathaus. Die Verantwortlichen der Stadt müssen den sogenannten Luftreinhalteplan nachbessern, um insbesondere die an der Deisterstraße gemessenen Schadstoffausstöße zu reduzieren. Wie berichtet, werden die von der EU festgelegten Grenzwerte für Stickoxid an der Messstation Deisterstraße – zwar immer sehr knapp – aber seit Jahren regelmäßig gerissen. Ein verbesserter Verkehrsfluss und weniger Stop-an-Go-Phasen für Kraftfahrer können dazu beitragen, dass die Stickoxid-Grenzwerte gar nicht erst erreicht werden.

Seit knapp drei Wochen werden laut Wilde neue Ampelschaltungen an der Deisterstraße erprobt. Hier ist das Verkehrsaufkommen insbesondere zu Spitzenzeiten – im Berufsverkehr morgens zwischen 7 und 9 Uhr und am Nachmittag gegen 16 Uhr – sehr hoch. Hier gibt es auch häufig Staus zu beobachten, die sich von der Deisterallee bis hin zum Berliner Platz erstrecken. Die Verkehrsplaner im Rathaus sind an zwei Ampelanlagen an der Deisterstraße dabei, vom bisherigen System auf ein neues, bedarfsgerechteres umzustellen. „Wir wollen eine bessere Flexibilität erreichen“, erklärt Ralf Wilde.

Das Neue ist: Mit Infrarot-Kameras auf den Ampelanlagen werden Verkehrströme schon von weiter her registriert, noch bevor die Autos erst direkt vor den Ampeln zum Stehen kommen. „Die Ampeln erkennen, wie viele Autos auf sie zukommen“, versucht Wilde die komplexen Vorgänge möglichst einfach zu erklären. Diese verkehrsabhängigen Schaltungen kommen vorerst an der Deisterstraße/Falkestraße/Lohstraße sowie an der Deisterstraße/Bahnhofstraße zum Einsatz, so der Fachbereichsleiter. Heißt: Wenn die neue Technik erkennt, dass viele Autos auf der Hauptrichtung – in diesem Fall die Deisterstraße – unterwegs sind, dann sind die Grünphasen der Ampeln, die für die Hauptrichtung gelten, länger. Der Verkehr fließe flüssiger. So komme es zu geringeren Wartezeiten.

Bisher lief und läuft das an den anderen Hamelner Ampeln anders: Es wird nach einem bestimmten Muster geschaltet. Ralf Wilde nennt das „Umlaufzeiten“. In Hameln beträgt diese Umlaufzeit an vielen Ampeln 90 Sekunden. 90 Sekunden, so lange dauert es, bis alle Ampelphasen an einem Knotenpunkt einmal durchlaufen sind. „Generell“ seien diese 90 Sekunden „nicht schlecht“, sagt Wilde. Erfahrungswerte im Rathaus. Aber hierbei gebe es ein wesentliches Problem: „Schwache Verkehrsströme behindern starke.“ Denn auch dort, wo beispielsweise nur zwei Autos von einer Nebenstraße auf die Hauptverkehrsader einbiegen wollen, besteht die 90-Sekunden-Regel. Zig andere Autos warten also darauf, dass zwei andere im Strom mitfließen können.

Mit vekehrsabhängigen Schaltungen, wie sie jetzt an der Deisterstraße erprobt werden, soll die zeitlich festgelegten Muster aufgelöst werden. Dann kann es laut Wilde auch passieren, dass während der Stoßzeiten auf der Deisterstraße der Autofahrer, der von der Falkestraße aus einbiegen will, länger warten muss als bisher. Er müsste dem „straken Verkehrsstrom“ den Vorrang und etwas länger warten. Wilde stellt klar: Auch der Autofahrer auf der Falkestraße werde grünes Licht bekommen, nur könne das eben etwas länger als 90 Sekunden, wie bisher, dauern.

Die städtischen Verkehrsplaner sind an der Deisterstraße noch in der Erprobungsphase, macht der Fachbereichsleiter deutlich. Die Schaltungen auf den tatsächlichen Verkehr abzustimmen, „gelingt immer häufiger“. Wilde sagt: „Wir sehen gute Chancen für grüne Wellen an der Deisterstraße.“

Bewährt sich das neue System, kann Wilde sich auch vorstellen, es an weiteren Knackpunkten Hamelns einzusetzen: am Thiewall und am Mertensplatz.

Mein Standpunkt
Lars Lindhorst
Von Lars Lindhorst

Das Hamelner Stickoxid-Problem an der Deisterstraße wird sich in ein paar Jahren womöglich von selbst erledigt haben. Dann, wenn mehr und mehr modernere Autos auf den Straßen unterwegs sein werden. Staus auf den Hauptverkehrsadern lassen sich aber nicht durch abgasarme Autos verhindern. Dass Hameln nach vielen Jahren Debatten eine „intelligentere Ampelsteuerung“ anpackt, dafür wird es endlich Zeit.



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