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Mitarbeiter des städtischen Betriebshofs mussten für den Winterdienst andere Arbeiten liegen lassen

Für 495 000 Euro gestreut und geschoben

Mitten im Frühling ist das Salzlager am Hamelner Betriebshof gut gefüllt, weil verzögert doch noch Lieferungen reinkamen. Der lange Winter hatte zuvor zu erheblichen Engpässen beim Streusalz geführt.

veröffentlicht am 09.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 13:21 Uhr

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Foto: Wal

Hameln (ni). Sie mussten Kritik einstecken, konnten sich am Lob anderer wieder aufrichten und haben in 100 Tagen Winter vor allem eines gelernt: Man kann es nicht allen recht machen. Die Mitarbeiter des städtischen Betriebshofes haben ihren Einsatz im Kampf gegen verschneite Straßen und vereiste Fahrbahnen längst abgehakt. Die Bilanz ihrer Arbeit zog jetzt ihr Chef Uwe Depping: „Es war kein Katastrophenwinter“, aber ein teurer.

Schneeschieben und Salzstreuen von Dezember bis März – auf seine Kosten reduziert, liefert der lange Winter ein beachtliches Ergebnis: Er hat die Stadt zehnmal soviel gekostet wie der Winter 2007/2008, nämlich 495 000 statt vergleichsweise bescheidener 40 000 Euro. Den dicksten Brocken davon machen die Personalkosten aus, Streusalz und Material schlagen nur mit zehn Prozent zu Buche. Trotzdem reißen die 495 000 Euro kein neues Loch in den ohnehin schon defizitären Haushalt der Stadt, denn der Winterdienst wurde von den Mitarbeitern des Betriebshofes geleistet. Ohne Schnee und Eis hätten sie andere Arbeiten – etwa im Bereich der Grünpflege – erledigt, die sie für ihre Stunden im Streudienst liegen lassen mussten.

170 Straßenkilometer hatten die Männer zu betreuen, dazu 13 „Steilstrecken“, Rad- und Fuß- und Überwege, kritische Straßenkreuzungen und zahllose Bushaltestellen. Anfangs ging alles nach „Streuplan“, später mussten sie mit dem Salz haushalten. Das Streugut war knapp geworden, „wir konnten unseren Streuplan nicht mehr einhalten“, so Depping. Bereits im Dezember zeichnete sich ab, dass die im Sommer eingelagerten 400 Tonnen Salz nicht ausreichen würden. Die Lieferung für die erste Nachbestellung erfolgt noch pünktlich „und fast zu den gleichen Preiskonditionen wie im Sommer“. Danach stieg der Preis für jede neue Fuhre, sofern überhaupt eine zu ergattern war. Depping: „Unsere Lieferanten haben uns trotz Zusagen teilweise hängenlassen.“ Je länger der Engpass anhielt, umso dubiosere Angebote flatterten dem Betriebsleiter auf den Schreibtisch. Sogar Firmen aus Ägypten und dem Baltikum boten sich an, der Stadt aus der Klemme zu helfen – „mit Salz zu Wahnsinnspreisen“ und Zertifikaten in der jeweiligen Landessprache. Depping lehnte dankend ab.

Ab 7. Januar läutete der Betriebshof sein Sparprogramm und reduzierte das Salzstreuen auf Straßen mit Steigungen und Gefälle, vielbefahrene Kreuzungen, Hauptverkehrsadern und problematische Buslinien. Auf Bitten von Anwohnern räumte der Winterdienst auch Wohnstraßen, obwohl die im offiziellen Streuplan nicht vorkommen. Die Reaktion auf diesen Service war geteilt, sagt Depping: „Die eine Hälfte der Anlieger hat uns dazu aufgefordert, die andere Hälfte beschwerte sich anschließend, weil wir ihre freigeschaufelten Parkbuchten wieder zugeschüttet haben.“ Mit den engen Straßen gab es solche Schwierigkeiten nicht. Depping: „Wenn da links und rechts noch Autos parken, kommen wir mit unseren großen Fahrzeugen gar nicht durch.“

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