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Angelika Ballhausen betreut acht Kinder

Frühstück bei Geli: Zu Besuch bei einer Tagesmutter

HAMELN. Angelika Ballhausen ist eine von 48 Tagesmüttern, die in Hameln auf selbstständiger Basis Kinder betreuen. „Über Nacht“ sei der Wunsch für die berufliche Neuorientierung entstanden, erzählt die gelernte Zahntechnikerin. Wir haben sie und vier „ihrer“ Kinder besucht.

veröffentlicht am 09.05.2019 um 15:05 Uhr
aktualisiert am 09.05.2019 um 17:30 Uhr

Tagesmutter Angelika Ballhausen hat Ella auf dem Schoß, davor lässt Leonard sich seinen Joghurt schmecken, gegenüber sitzen Lina und Mads. Foto: bha
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Treppe hoch, noch eine, zwei Gitter schützen vorm unfreiwilligen Abgang, dann ist man mitten drin bei „Gelis lütt matten“, so der Name der Gruppe, in der sich an diesem Vormittag vier kleine Kinder tummeln. Angelika Ballhausen ist eine von 48 Tagesmüttern, die in Hameln auf selbstständiger Basis Kinder betreuen. Eltern, die keinen Krippenplatz bekommen (haben), Eltern mit Kleinstkindern und Eltern, die ihren Nachwuchs eben lieber in die Obhut einer Tagesmutter als in eine größere Einrichtung geben möchten, greifen auf Tagespflege zurück. Für acht Kinder hat Angelika Ballhausen, kurz „Geli“, zurzeit Verträge – fünf davon darf sie gleichzeitig betreuen.

Die meisten sind vormittags da, andere nur an einem Nachmittag in der Woche. „Ich versuche, den Eltern die Zeiten anzubieten, die sie benötigen“, sagt sie. Das kann der Start um 7 Uhr morgens sein oder das Ende gegen 19 Uhr. Damit sie alle und alles gut unter einen Hut bekommt, achtet sie genau auf die Zusammensetzung ihrer Gruppe. Was auch bedeutet: Nur, weil jemand schon frühzeitig Bedarf angemeldet hat, heißt nicht zwingend, dass er einen Platz bekommt. „Es muss passen“, sagt Geli. Bald wird ein drei Monate altes Baby zu ihrer Gruppe gehören – das gehe natürlich nur, wenn andere Kinder schon größer seien und Verständnis zeigten. „Größer“ bedeutet maximal drei Jahre.

„Über Nacht“ sei der Wunsch entstanden, Tagesmutter zu werden, erzählt die gelernte Zahntechnikerin. Sie hatte zunächst auf Pharmazeutisch-Technische Assistentin umgeschult, „um näher an dem Menschen zu sein“ und zehn Jahre in dem Beruf gearbeitet. „Dann musste ich mich aus gesundheitlichen Gründen beruflich verändern“ – und über Nacht sei klar geworden: „Ich werde Tagesmutter und kann somit für ganz besondere Menschen, unsere großartigen Kleinen da zu sein.“

Die ersten Schritte als Tagesmutter machte sie 2014 im Haus des FiZ an der Osterstraße, wo sie zusammen mit einer Kollegin die erste Großtagespflege der Stadt betrieb. Vor zwei Jahren hat sie die obere Etage ihres eigenen Hauses im Klütviertel zu einem Kleinod für Kleinkinder umgestaltet. Mit der Qualifizierung bei Impuls, die ihrer Berufung vorausging, sei sie sehr zufrieden gewesen, erzählt sie. „Sehr kompetente Dozenten, die mir viel Sicherheit für diese Berufswahl mitgegeben haben.“ 300 Unterrichtsstunden umfasst die Schulung, dazu kommen 125 Stunden in zwei Praktika. Inhalte sind unter anderem pädagogische und psychologische Grundlagen, Rechtsgrundlagen der Tagespflege, auch zur Möglichkeit der eigenen Selbstständigkeit, Entwicklungspsychologie, alltagsorientierte Pädagogik, Spiel- und Medienpädagogik, Soziologie, Ethik und Kultur und Erste-Hilfe.

Fällt in einer Kindertagesstätte eine Erzieherin aus, springen die Kollegen ein – aber was passiert, wenn die Tagesmutter krank wird? „Tagesmütter werden so gut wie nie krank“, sagt die Fachberaterin beim FiZ, Anja Franke, und lacht – meint es aber ernst. Angelika Ballhausen kann das bestätigen: „In den fünf Jahren war ich bisher kaum krank.“ Und wenn, dann informiere sie die Eltern so schnell wie möglich, „damit sie sich gut organisieren können“. Auch Franke und ihre Kollegen vom Kindertagespflegebüro im FiZ versuchen dann, weiterzuhelfen. „Einige Tagesmütter kennen sich aber auch untereinander“ und würden sich im Notfall gegenseitig vertreten.

Morgens Frühstück, dann gemeinsam raus, entweder in den eigenen Garten oder auf einen nahegelegenen Spielplatz, Ausflüge in den Zoo, zu Pferden oder in die Stadt zur Entdeckerbude im FiZ, Mittagessen, Windeln wechseln, Mittagsschlaf – nachdem sie zum Einschlafen vorgelesen hat, legt auch „Geli“ sich 20 Minuten mit hin und gönnt sich eine Pause, bevor es weitergeht. Auf 40 Stunden reine Betreuungszeit kommt sie derzeit; am meisten gefällt ihr am Tagesmutter-Dasein, dass die Kinder und auch die Eltern ihr so viel Vertrauen entgegenbringen. „Wenn die Kinder mir morgens mit offenen Armen entgegenkommen oder sich eine Kuscheleinheit abholen, …“ – alles Momente, über die sich Angelika Ballhausen freut und für die sie sehr dankbar ist.

Info: Tag der offenen Tür bei „Geli“ im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche zur Kindertagespflege: 10. Mai, 15 bis 18 Uhr, Am Roseplatz 7.

Information

Kosten für die Betreuung

Werausschließlich von der Arbeit als Tagesmutter leben wolle, hat es nach Angelika Ballhausens Einschätzung schwer. Als Zubrot, ja, als einzige Einnahmequelle wird es knapp, je nachdem, wie viele Kinder wie lange betreut werden. 4,50 Euro übernimmt der Landkreis pro Kind pro Stunde. Liegen Tagesmütter über diesem Satz, müssen die Eltern die Differenz selbst zahlen. Für Nachtzeiten von 22 bis 5 Uhr zahlt der Landkreis 2,25 Euro pro Kind/Stunde. Insgesamt hat der Landkreis 2018 gut 2 Millionen Euro für die 95 in Hameln-Pyrmont tätigen Tagesmütter gezahlt. Für dieses Jahr sind rund 2,18 Millionen Euro eingeplant. Die Stadt Hameln kommt den Eltern finanziell entgegen: Wer eine Tagesmutter bucht und dafür mehr bezahlen muss als für einen Kita-Platz, erhält die Differenz. Die Ausgaben dafür sind kontinuierlich gestiegen: von 3700 Euro im Jahr 2017 über 13 500 Euro für 2018, auf voraussichtlich 40 000 Euro im laufendenJahr.bha



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