weather-image
13°
Trauer um früheren Rattenfängerspiel-Chef und Schulleiter

Friedrich Flügge – ein Leben für die anderen

Hameln (HW/ni). Friedrich Flügge, der Vater des Hamelner Freilichtspiels, ist tot. Der Ehrenleiter der Rattenfänger-Spielschar starb am Mittwoch vergangener Woche im Alter von 89 Jahren in seiner Wahlheimat Wetzlar.

veröffentlicht am 07.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 13:41 Uhr

Friedrich Flügge, wie ihn viele Hamelner kannten: Ein seriöser S
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Mitte der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hatte Flügge – der beruflich als Oberstudiendirektor zunächst am Schiller- und dann am III. Gymnasium, welches erst später Albert-Einstein-Gymnasium genannt wurde, tätig war – das Rattenfängerspiel in Hameln neu belebt. Ein halbes Jahrhundert lang inszenierte und prägte er ehrenamtlich die Aufführungen auf der Hochzeitshaus-Terrasse, spielte in der von Mai bis September dauernden Saison Sonntag für Sonntag im lilafarbenen Gewand die Rolle des Bürgermeisters. Generationen von Mitwirkenden wurden durch den engagierten Pädagogen geprägt – und Generationen von Zuschauern erlebten Flügge in seiner Rolle des Lebens.

Nach seiner 50. Spielzeit trat Flügge im Jahr 2005 von der Laienspielbühne ab, legte sein Amt in jüngere Hände. „Wenn die Kraft nicht mehr reicht, soll man aufhören“, begründete „der Chef“ damals seinen Entschluss. Bein und Hüfte spielten nicht mehr mit. Ministerpräsident Christian Wulff würdigte seinerzeit die Hamelner Rattenfängerspiele als das Lebenswerk Flügges. Für sein außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement wurde Flügge mit dem Bundesverdienstkreuz und dem niedersächsischen Verdienstorden ausgezeichnet. Die Anerkennung für unendlich viel Mühe und Geduld, die „Fritze“ Flügge und seine verstorbene erste Ehefrau Charlotte über fünf Jahrzehnte ehrenamtlich und unentgeltlich in ihr gemeinsames Hobby investiert hatten.

Häufig waren Haus und Garten der Familie in Klein Berkel die Bühne für Proben. Unzählige Fernsehauftritte und drei große Tourneen, die die Spielschar bis nach Japan führten, machten die Hamelner Rattenfänger-Spiele, einst von Flügge als Stück für das Schultheater konzipiert, zu einem internationalen Exportschlager, der den Bekanntheitsgrad Hamelns deutlich steigerte.

Auch politisch engagierte sich der Verstorbene für seine Heimat. Für die Sozialdemokraten war er von 1964 bis 1972 Ratsherr der selbstständigen Gemeinde Klein Berkel, seinem Geburtsort. Von 1973 bis 1976 gehörte er dem Rat der Stadt Hameln an. Dabei engagierte er sich insbesondere für die Kultur- und die Schulpolitik.

Sowieso, die Schule, seine Schule... Flügge war als Lehrer und als Rektor bei seinen Schülern über die vielen Jahre äußerst beliebt, hatte er doch Verständnis „für die jungen Leute, die man machen lassen sollte“. Flügge war Gründungsrektor des Albert-Einstein-Gymnasiums – am Anfang hieß es zunächst schlicht „das Dritte“. Von 1972 bis 1983 war er dort Schulleiter – immer mit dem Blick für jene Schüler, die Unterstützung brauchten, Hilfe, Zuspruch und Verständnis. Sie waren immer willkommen bei ihrem „Fritze“.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare