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Nach der Kündigung erarbeitet Verein nun Finanzierungskonzept / „Wir wollen auf jeden Fall bleiben“

„Freiraum“ erwägt Kauf der Walkemühle

Hameln. Es gibt Gebäude in Hameln, die sind Beton gewordene Stadtgeschichte. Als Schmuckstück der Altstadt hat das Hamelner Hochzeitshaus beispielsweise über die Jahrhunderte unzählige Nutzungsveränderungen erfahren, sein Inneres wurde umgebaut, neu gestaltet und schließlich entkernt, sein Äußeres gehegt und gepflegt. Eine neue dauerhafte Nutzung des historischen Bauwerks scheitert trotz prominenter Lage auch deshalb immer wieder: Zu kostbar, zu einzigartig sind die geschichtsträchtigen Mauern, um sie einfach irgendeinem Zweck zuzuführen.

veröffentlicht am 02.05.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 14:37 Uhr

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Wiebke Kanz

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Wiebke  Kanz Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite
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Eine knappe Viertelstunde Fußmarsch entfernt ist das Bild ein anderes: Die Mauern der Walkemühle an der Hamel könnten besser als jedes Geschichtsbuch erzählen von der Produktion von Wollstoffen, Stühlen und Teppichen, von Heimabenden der Hitlerjugend und der Unterbringung von Zwangsarbeitern während des Zweiten Weltkrieges, von Waisenkindern und Obdachlosen sowie von Flüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien, die hier während des Balkankonflikts in den 1990er Jahren Zuflucht fanden. Im Dunst des Denkmalschutzes versauern muss das geschichtsträchtige Gebäude dennoch nicht: Seit Juni 2011 hat der Verein „Freiraum Hameln“ hier ein Zuhause. Knapp zwei Jahre lang waren die 220 von der Stadt Hameln gemieteten Quadratmeter Austragungsstätte für Punkkonzerte, vegane Frühstücksbrunche, Flohmärkte und mehr. Bis kurz vor dem zweiten Vereinsgeburtstag die Kündigung ins Haus flatterte.

„Die Stadt plant den Verkauf der Walkemühle zum Zweck der Haushaltskonsolidierung“, heißt es diesbezüglich aus dem Rathaus. Derzeit warte man auf ein Wertgutachten als Verhandlungsbasis für den Verkaufspreis. Anschließend stehe die „Walke“ zum Verkauf – an den Meistbietenden. Gerüchte, es interessiere sich ein Architekt für die Walkemühle, um hier Wohnungen einzurichten, oder dass das Gebäude gar abgerissen werden soll, bestätigt Stadtsprecher Thomas Wahmes nicht. Fest steht: Zum 31. Oktober müssen die Mieter raus.

„Wir wollen aber auf jeden Fall in der Walke bleiben“, machte „Freiraum“-Mitglied Sara Mummert gestern deutlich, nachdem sich ein bereits von weitem hörbarer Zug aus rund 50 Demonstranten der Mai-Kundgebung im Bürgergarten angeschlossen hatte. Volker Eggers, Regionssekretär des Deutschen Gewerkschaftsbundes, begrüßte den „Besuch“ und wies auf die Wichtigkeit von Räumen für alternative Gruppen in Hameln hin. „Deswegen sind wir heute hier, wir ziehen nicht einfach den Kopf ein“, stellte Mummert klar. Über ein Kaufangebot der Stadt werde ihr zufolge im „Freiraum“ ernsthaft nachgedacht: „Derzeit wird ein Konzept erarbeitet, wir sind mit dem Freiburger Mietshäusersyndikat im Gespräch, das dabei hilft, Kredite und Geldgeber zu organisieren – und private Investoren haben wir auch schon gewinnen können“, berichtet Mummert. Die aufzubringende Summe sei derzeit schwer zu beziffern, „und uns ist klar“, so Mummert, „dass wir mindestens das Doppelte des Kaufpreises in die Sanierung stecken müssen“. Dennoch lasse der „Freiraum“ nichts unversucht, die Räumung zu verhindern. „Wir haben bereits eine ganze Reihe von Ideen, wie das Gebäude genutzt werden könnte“, berichten die Vereinsmitglieder. Ganz vorn auf der Liste stünden ein Wohnprojekt und ein Hostel.



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