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Mildes Urteil nach Bluttat / 31-jährige Hamelnerin muss 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten

Frau sticht Mann nieder – Verfahren eingestellt

Hameln (ube). Es geschah am 16. April um 8.46 Uhr: Auf der Gertrudenstraße sticht eine Frau (31) mehrfach auf ihren Lebensgefährten (44) ein. Die Klinge dringt in den Brustkorb des Mannes ein. Das Opfer sackt bewusstlos zusammen, ist dem Tod offenbar sehr nahe. Ärzten gelingt es, den Verletzten zu retten. Gut fünf Monate nach der Bluttat muss sich die Hamelnerin vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Das Urteil fällt milde aus – denn: Das Verfahren wird gegen eine Auflage vorläufig eingestellt. Die 31-Jährige, verkündet Richter Wolfgang Schöpe, der Vorsitzende des Schöffengerichts, müsse 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Tut sie das, ist die Angelegenheit für sie aus juristischer Sicht erledigt.

veröffentlicht am 05.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 04:41 Uhr

16. April: Kriminaltechniker untersuchen den Tatort, fotografier
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Keine einfache Beziehung

Täter und Opfer soll eine Hass-Liebe verbunden haben, sagen Nachbarn. Die Beziehung kann nicht einfach gewesen sein. Die Polizei war mehrfach zur gemeinsamen Wohnung des Paares gerufen worden. Stets soll es um häusliche Gewalt gegangen sein. Am Abend vor der Messerattacke bat die Frau abermals um Hilfe. Polizisten fuhren zur Karlstraße und erteilten dem Mann einen Platzverweis für die Wohnung.

Auf der Gertrudenstraße eskalierte der Streit

Vier Stunden später sahen die Beamten noch einmal nach dem Rechten und stellten fest, dass sich der Hamelner trotz des ausgesprochenen Verbots wieder in der Wohnung aufhielt. Da der 44-Jährige völlig betrunken war (sein Atemalkoholwert betrug 3,3 Promille) nahmen sie ihn mit zur Wache und sperrten ihn in eine Arrestzelle. Auch die Frau, die daheimblieb, war stark alkoholisiert. Ihr Atemwert betrug 1,1 Promille.

Am frühen Morgen des Tattages, es war 5.50 Uhr, wurde der Mann aus dem Gewahrsam entlassen. Um 8.45 Uhr, also nur eine Minute vor der Messerattacke, meldete er sich telefonisch bei der Polizei und bat „um Unterstützung“. Er wolle sich nur rasch ein paar persönliche Dinge aus der Wohnung holen. „Ich bin doch weggewiesen worden“, sagte er. „Kommen Sie bitte mit, damit es keinen Stress gibt.“ Dann legte der Mann auf. Zwei Streifenwagen fuhren sofort los, warteten auf der Karlstraße auf den Hamelner. Vergeblich. Kurz bevor er die Wohnung erreichte, muss der 44-Jährige an der Gertrudenstraße/Ecke Sedemünder Straße zufällig seine Lebensgefährtin getroffen haben. Es soll zu einem heftigen Streit gekommen sein.

Opfer hegt offenbar keinen Groll

An die Messerattacke kann sich der Hamelner kaum noch erinnern. Vor Gericht sagte er, er sei seinerzeit betrunken gewesen. Der Mann hegt offenbar keinen Groll gegen die Täterin. „Er hat gesagt, dass ihm nichts an einer Bestrafung der Frau liegt“, berichtet der Direktor des Amtsgerichts, Dr. Herbert Seutemann. Die Gewalttat sei eben „sehr stark durch die Beziehung der beiden Parteien geprägt gewesen“, so der Richter.

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