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Der Rattenfänger als Metapher

Französiche Metal-Band veröffentlicht ein Album Namens „Hameln“

HAMELN. Für sie verkörpert der Rattenfänger von Hameln die Rache der Natur. Rache an der Menschheit, die sie schon viel zu lange ausgebeutet hat: Die französische Band „Death of a Dryad“ hat auf ihrem Album „Hameln“, das im Frühjahr erschienen ist, eine ganz eigene Interpretation der heimischen Sage vertont.

veröffentlicht am 25.10.2021 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2021 um 11:00 Uhr

vasco

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Reporter zur Autorenseite

Musikalisch bietet das Duo aus Lyon alles andere als Einheitsbrei. Ihren düsteren Heavy Metal Sound unterlegen sie mit klassischen Instrumenten wie Flöte, Laute und Cello. Dazu kommen aggressiver Gesang und ruhige, gesprochene Passagen. Doch wieso widmet eine Band aus Frankreich dieser Sage ein ganzes Album?

„Die Geschichte ist in Frankreich sehr bekannt“, berichtet Sänger Nogh. Er sieht in ihr ein gutes Beispiel für das kulturelle Erbe, das sich beide Länder teilen. Carol, die Zweite im Bunde, die eine ganze Reihe von Instrumenten spielt, hat zudem einen Teil ihrer Kindheit im Schwarzwald verbracht. Sie war schon früh vom Rattenfänger fasziniert.

Wenig Hoffnung für die Menschheit

Ein besonders spannender Aspekt an der Sage sei, dass sie zeige, wie die Gier und die Sorglosigkeit der Menschen eine komplette Gesellschaft an den Rand ihrer Existenz bringen können. „Du musst immer die Konsequenzen deiner Handlungen tragen und für sie bezahlen“, erklärt Nogh. In den Augen der Band verkörpert der Rattenfänger einen Boten der Natur. „Erst versucht er den Menschen beim Überleben zu helfen, dann bestraft er ihre Gier und entzieht ihnen die Zukunft, indem er ihre Kinder tötet“, berichtet Nogh.

Beide sehen in der Geschichte eine Metapher für die großen Probleme der heutigen Zeit und in dem Protagonisten alles andere als einen Schurken. Schließlich beute die Menschheit die natürlichen Ressourcen aus und denke dabei kaum an andere Lebensformen, wie Pflanzen und Tiere. „Wenn wir die Natur zerstören, zerstören wir unsere eigene Zukunft“, ist sich Nogh sicher.

Der Rattenfänger ist, so die Interpretation der Band, durch seine schreckliche Tat innerlich zerrissen und am Rande des Wahnsinns. Letztlich sei sein Handeln aber die unvermeidliche Konsequenz, die aus dem Verhalten der Menschen resultiert. „Man kann die Toten nicht wieder zum Leben erwecken. Auch nicht die Tausenden von Arten, die der Mensch durch seine blinde Selbstsucht ausgelöscht hat“, erklärt der Sänger.

Für die Zukunft sieht die Band nur wenig Hoffnung. Zwar sollte sich die Menschheit daran erinnern, dass ihr Überleben vom guten Willen der Natur abhänge, doch sei es für diese Erkenntnis bereits zu spät. „Leider geht auch von den jüngeren Generationen zu wenig Hoffnung aus“, behauptet der Musiker.

Musikalisch vielseitig

Die beiden Multiinstrumentalisten sind musikalisch vielseitig aktiv. In den letzten 20 Jahren spielten beide in verschiedenen Metalbands. Mit der Band „Mind Imperium“ treten sie regelmäßig auf.

Beide haben schon früh begonnen ihre Instrumente zu spielen. Nogh ist bereits seit seinem zehnten Lebensjahr Gitarrist. Neben Bass, Gitarre und Flöte spielt Carol seit ihrem zehnten Lebensjahr Orgel.

Beim komponieren nmmt sich das Duo viel Zeit. „Wir haben mit dem Schreiben von „Hameln“ im Jahr 2018 begonnen und waren im Februar 2020 mit allem fertig“, berichtet Nogh. Die Umsetzung im Studio schafften sie noch vor dem coronabedingten Lockdown.

Auch auf der Bühne?

Musikalische Grenzen setzten sich die beiden Musiker nicht. Die Komposition eines Albums vergleichen sie mit dem Malen eines Bildes, das sich aus Hauptelementen und den Details im Hintergrund zusammensetzt. Dies sei ein kathartischer Prozess, der nicht überstürzt werden sollte.

Hameln besucht haben die Musiker bisher noch nicht: „Wir hoffen, dass das eines Tages möglich sein wird“, berichtet Nogh. Die Band ist als reine Studioband konzipiert. Die Überlegung, die Musik einmal auf die Bühne zu bringen, steht trotzdem im Raum.



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