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Deutsche Stiftung Denkmalschutz hilft auch Privatleuten bei Restaurierungen mit Finanzspritzen

Fördergelder fließen nicht nur für Schlösser

Hameln. Das kleine Fachwerkhaus im Herzen der Altstadt ist fraglos ein Schmuckstück. Zumindest auf den ersten Blick. Dass der moderate Preis für die historische Immobilie auf „ein bisschen“ Renovierungsbedarf zurückzuführen ist, stört den Eigner zunächst nicht. Doch als Bauexperten das Haus etwas genauer unter die Lupe nehmen, entpuppt sich das „bisschen“ Renovierungsbedarf als ein bisschen viel. Zwar würde der neue Besitzer das alte Haus gern wieder in neuem Glanz erstrahlen lassen, doch so viel Geld, wie veranschlagt, kann er nicht aufbringen. „Er könnte aber einen Antrag auf Förderung bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz stellen“, sagt Dietrich Burkart, Leiter des Ortskuratoriums Hameln, der in diesem Fall der Ansprechpartner wäre. „Viele wissen gar nicht, dass dies möglich ist“, erklärt Burkart: „Dabei sind bislang ein Drittel aller bei der Stiftung eingegangenen Anträge bewilligt worden.“ Burkarts Tätigkeitsfeld als Ortskuratoriumsleiter umfasst einen Radius von 50 bis 70 Kilometern rund um Hameln. Mit Stiftungsgeldern gefördert wurden in den vergangenen Jahren unter anderem Schloss Schwöbber sowie die Malereien in den Stiftskirchen Fischbeck und Obernkirchen. Auch St. Aegidien in Hülsede oder die Stadtkirche in Einbeck profitierten von Finanzspritzen der Stiftung Denkmalschutz. „Aus Hameln liegen zurzeit keine Anträge vor“, bedauert Burkart. Dabei müsse man nicht Schlossbesitzer sein, um eine Chance auf Förderung zu haben, erklärt er und erinnert an den Fall eines Privatmannes, der eine alte Wassermühle im Solling erworben hat: „Da hat die Stiftung ihr Scherflein dazugegeben.“

veröffentlicht am 13.09.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 14:21 Uhr

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Autor:

Karin Rohr
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Unter die von der Stiftung Denkmalschutz als kulturhistorisch wichtig und damit als förderwürdig eingestuften Objekte fallen durchaus nicht nur Kirchen oder Schlösser, sondern auch Häuser von historischem Wert, Fabrikanlagen, Mühlen oder auch Parks. Das Jugendstildomizil kann da ebenso in die Wertung kommen wie das alte Fachwerkhaus. „Der Eigentümer ist normalerweise für die Restaurierung zuständig“, sagt Burkart: „Fehlt ihm aber das Geld, wendet er sich an uns.“ Zunächst muss er dann in einem festgelegten Zeitrahmen seinen Antrag stellen. „Inwieweit das Objekt schutzwürdig ist, entscheidet eine hochkarätig aus Kunsthistorikern und Architekten besetzte Kommission in Bonn“, so Burkart. Dort hat die Zentrale der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) seit ihrer Gründung 1985 ihren Sitz.

„Denkmalschutz und Denkmalpflege gehören untrennbar zusammen“, stellt Dr. Rosemarie Wilcken von der Stiftung fest. Viele Denkmaleigentümer könnten ihre Denkmale nur mit gesamtgesellschaftlicher Hilfe sowie staatlicher und privater Netzwerke schützen und pflegen: „Einer dieser wichtigen Partner für den Denkmalschutz und die Denkmalpflege ist in den vergangenen 25 Jahren die deutsche Stiftung Denkmalschutz geworden.“ Sie finanziert sich ausschließlich durch Stifter und Spender, hat seit ihrer Gründung schon knapp eine halbe Milliarde Euro an Fördergeldern ausgeschüttet und in vielen deutschen Städten Schlimmes verhindert. Denn zu Beginn der 1970er Jahre erlebte die Stadtentwicklung in Deutschland eine grundlegende Krise und die Situation des Denkmalschutzes war dramatisch schlecht. „Die gerade anlaufenden Altstadtsanierungen waren mit ihren Flächenabrissen keine Sanierung im Sinne des Wortes, sondern bedeuteten die Aufgabe ganzer historischer Altstadtquartiere, egal, ob mittelalterliche Altstadt oder Stadterweiterungen jüngerer Jahrhunderte“, meint Dr. Wilcken. Da zu dem Zeitpunkt oft nur berühmte und herausragende Gebäude – wie in Hameln beispielsweise die Architektur der Weserrenaissance – auf den offiziell geführten Denkmal-Listen stand, waren heruntergekommene Altstadtquartiere, aber auch Stadterweiterungen des Historismus akut gefährdet: Sie standen nicht unter Denkmalschutz. Den Denkmalgedanken vom Einzelfall auf die Gesamtstadt auszudehnen und ihn mit der Stadtplanung zu verknüpfen, war nur wenigen visionären Köpfen vergönnt. In Hameln bewies in den 70er Jahren CDU-Ratsherrin Elsa Buchwitz diese Weitsicht: Auf ihre Initiative nahm die Rats-Mehrheit von einer geplanten Flächensanierung Abstand und schwenkte auf Objektsanierung um.

Sich mit Radikallösungen vom „alten Krempel“ zu trennen, schmeckte nicht allen Bürgern im Wirtschaftswunderland: Es regte sich zunehmend Widerstand, der sich in Bürgerinitiativen formierte und schließlich auch zu der Idee einer Stiftung führte – gemeinnützig, privat und keinesfalls als Ersatz für Leistungen der öffentlichen Hand gedacht: „Die Stiftung leistet zusätzliche Hilfe“, sagt Burkart: „Und zwar überall dort, wo Eigentümer von sich aus nicht in der Lage sind, ihren Anteil bereitzustellen oder wo ein Eigentümer quasi nicht existiert.“ In der Stiftung wird dann über einen entsprechenden Zuschuss für den denkmalpflegerischen Mehraufwand entschieden. Der fällt je nach Objekt und dessen Begutachtung durch die Experten individuell aus. Längst aber ist die DSD über die von ihr geleisteten Finanzhilfen hinaus zu einer nicht zu unterschätzenden Stimme bei Denkmalschutzproblemen geworden. Und davon profitieren nicht zuletzt auch Privatleute, die sich für schutzwürdige Einzelobjekte starkmachen, zum Beispiel wenn ein altes Haus in neuem Glanz erstrahlen soll.

Was viele Eigner von Fachwerkhäusern nicht wissen: Sie können Fördergelder der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Anspruch nehmen, wenn diese grünes Licht gibt. Foto: Dana



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