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Weil weniger Asylbewerber untergebracht werden müssen, stehen vom Landkreis gemietete Wohnungen leer

Flüchtlinge ziehen aus

HAMELN. Eine frisch renovierte Wohnung stehe seit Monaten leer, obwohl in Hameln der Bedarf nach familientauglichen Wohnungen eigentlich vorhanden sei, so hieß es in einer Nachricht, die der Dewezet von einem Leser zugetragen wurde. Zuvor hätten Flüchtlinge darin gewohnt, nach deren Auszug sei die Wohnung aber nicht weitervermietet worden, denn der Landkreis halte das Mietverhältnis auch ohne Bewohner weiterhin aufrecht. Was hat es damit auf sich?

veröffentlicht am 10.10.2017 um 17:53 Uhr

Von der HWG bezieht der Landkreis viele Wohnungen für die Flüchtlingsunterbringung. Einige davon stehen nun leer. Foto: dana
Jens Spickermann

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Wer zurzeit in Hameln eine Wohnung sucht, der fragt sich natürlich, warum ein Leerstand nicht wieder zur Vermietung freigegeben wird. Schließlich könnten Familien die in der Nordstadt gelegene 90-Quadratmeter-Wohnung an der Rückertstraße 10, von der die Rede ist, gut gebrauchen. Zumal sie nach dem Auszug der Flüchtlingsfamilie grundlegend renoviert worden sei.

Tatsächlich steht die besagte Wohnung seit Mai leer, allerdings liege in diesem Fall keine Mietbeteiligung des Landkreises vor, teilt die Hamelner Wohnungsbau-Gesellschaft (HWG) mit, der die Immobilie gehört. Eine geflüchtete Familie hatte sie direkt bei der HWG gemietet und sei dann in eine andere HWG-Wohnung umgezogen, so die Wohnungsbaugesellschaft. Weitervermietet werde die Wohnung zum 1. Dezember 2017. Weil es mit dem neuen Mieter so vereinbart sei, würden Handwerker sie vorher renovieren.

Allerdings stehen zurzeit tatsächlich in Hameln-Pyrmont 58 Wohnungen leer, die vom Landkreis für die Unterbringung von schutzsuchenden Menschen angemietet worden waren. Das schreibt der Landkreis in einer Stellungnahme. Wohnungsleerstände nach dem Auszug von Flüchtlingen gibt es also wirklich. Bei 25 der 58 Immobilien sei der Mietvertrag bereits gekündigt worden, aber es laufe noch die dreimonatige Kündigungsfrist, so Pressesprecherin Sandra Lummitsch. Bei den übrigen Leerständen werde eine mögliche Kündigung geprüft, die beispielsweise bei der HWG nur mit der gesetzlichen dreimonatigen Kündigungsfrist möglich ist.

Insgesamt hält der Landkreis noch das Mietverhältnis für 400 Wohnungen aufrecht, ursprünglich waren es sogar 570, deren Anzahl aber kontinierlich abnehme. Der Grund: Im Jahr 2017 seien erheblich weniger Flüchtlinge im Landkreis aufgenommen worden, als zunächst angenommen, schreibt Lummitsch. „Dem gezielt eingeleiteten Abbau des Wohnungsleerstandes steht ein permanenter Zuwachs durch kurzfristige Auszüge von anerkannten Asylbewerbern gegenüber“, so der Landkreis.

Einen gewissen Leerstandsanteil wird es bei den vom Landkreis gemieteten Wohnungen wohl auch künftig geben. Es sei beabsichtigt, eine gewisse Reserve von Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge bereitzuhalten, so Lummitsch. Aufgrund der weiterhin schwierigen Lage in den Hauptherkunftsländern der Schutzsuchenden, sei das erforderlich.

Insgesamt bezahlt der Landkreis monatlich rund 31 600 Euro für die angemieteten Wohnungen. Die Quadratmeterpreise von 14 bei der HWG gemieteten Wohnungen bewegen sich zwischen 4,70 und 5,60 Euro.

Mein Standpunkt
Jens Spickermann
Von Jens Spickermann

Der Landkreis hält Wohnungen für die Flüchtlingsunterbringung bereit – das ist kein Skandal, sondern Weitsicht. Ein bundesweites Unterbringungschaos wie zu Beginn der Flüchtlingskrise sollte nämlich vermieden werden, auch wenn die eine oder andere Wohnung dadurch mal vorübergehend leersteht.

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