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Medien-Echo auf Rattenfängersuche ist riesig / TV-Sender bringt Casting-Show ins Spiel

Flöten vor Fernsehpublikum?

Hameln. „Die Welt“, die „Süddeutsche“, „Bild“, NDR und n-tv, T-Online – im Medienland verbreitete sich die Nachricht, Hameln suche neue Rattenfänger, wie ein Lauffeuer. Die Hameln Marketing und Tourismus GmbH (HMT) schickte das Stellenangebot in der vergangenen Woche in einer simplen Pressemitteilung hinaus. „Das ging an die üblichen Medienhäuser in 30 Kilometer Umkreis“, sagt Frank Lücke, Teamleiter im Bereich Tourismus. Blitzschnell drang die Neuigkeit bis weit über die Landesgrenzen hinaus. „Heute Morgen haben sich britische Medien gemeldet“, erzählt Michael Boyer, der hauptberuflich den Rattenfänger mimt und eine Entlastung braucht. „Einige Soldaten, die vielleicht nicht wieder nach Großbritannien zurück wollen, können sich ja überlegen, ob sie die Sagenfigur spielen wollen“, sagt der gebürtige US-Amerikaner. Das Interesse ausländischer Medien halte sich derzeit noch in Grenzen, aber Boyer hofft auf einen zweiten Medienansturm, „wenn die Nachricht auch übersetzt im Internet auftaucht“. Zunächst müsse die Sprachbarriere überwunden werden. Gut möglich, dass das Telefon bei ihm und seinen Kollegen dann noch einmal heiß läuft, schließlich ist die Sage vom Rattenfänger weltweit bekannt.

veröffentlicht am 21.01.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 05:41 Uhr

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Autor:

von Julia Rau
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Laut Harald Wanger, dem HMT-Geschäftsführer, ist die Resonanz aus dem Inland bereits riesig. „Dass das Thema medienaffin ist, wissen wir. Aber dass es solche Wellen schlagen würde, hätten wir nicht gedacht“, betont er. Dabei sollte die Bekanntmachung gezielt einen Domino-Effekt nach sich ziehen, wie Wanger sagt. Zudem könnte die medienwirksame Suche weitere Touristen auf die Stadt aufmerksam machen. Auch die vermittelte Dringlichkeit gehört zur Vermarktung. „Wir machen es dringend“, verrät der HMT-Chef, „eigentlich sind wir noch ganz entspannt.“ Schließlich beginne die Saison erst im Mai. Die Idee geht auf, „die Raketen wurden richtig gezündet“, wie Profi-Pfeifer Boyer sagt. Vom ersten Rattenfänger erhoffen sich potenzielle Bewerber brauchbare Tipps. „Viele fragen, was man können muss und ob ich ein gutes Wort beim Chef einlegen kann.“ Der wiederum wird „aus allen Ecken Deutschlands angesprochen“.

Erste Bewerbungen für die Stelle sind bereits eingegangen. Nach Fristende am 14. Februar gibt es Auswahlgespräche. „Die offensichtlich nicht ernst gemeinten Einsendungen kann man vorab aussortieren, der Rest absolviert zunächst ein klassisches Einstellungsgespräch und wird natürlich nicht gleich in Strumpfhosen gesteckt“, erklärt Wanger. Beweggründe, Ortskenntnis und Referenzen wolle er anfangs begutachten. „Im zweiten Schritt geht es daran, die Musikalität und das schauspielerische Können unter Beweis zu stellen.“ Eine Findungsgruppe soll entscheiden, wer sich am besten eignet. „Man muss ihm oder ihr die Rolle einfach abnehmen“, sagt der Tourismusexperte. Ansonsten sind die Kriterien recht vage. Schauspielerisches Talent und das Beherrschen eines „Flöteninstruments“ sind die grundlegenden. „Wir brauchen keinen Konzertmusiker, aber die sechs Stücke, die der Pfeifer bei uns spielt, sollten schon sitzen.“ Auch das unbekannte Aussehen gehöre zur Mystik der Sage. In der ist kein Wort über besondere körperliche Merkmale zu finden. Ob Mann oder Frau, jung oder alt ist Wanger egal. Auch einen dunkelhäutigen Pfeifer schließt der HMT-Chef nicht aus, denn im Sagentext nach Grimm war er „auf jeden Fall ein Fremder“. Aber einen kugelrunden Rattenfänger „wird es nicht geben“, ergänzt Wanger.

Ein Fernsehsender hat sich mit einer besonderen Idee in Hameln gemeldet. „Uns wurde angeboten, eine Castingshow dazu zu machen“, sagt Wanger. Er sieht die Sache aber skeptisch, möchte die Fäden lieber in der Hand behalten. Auch Boyer ist von dieser Variante nicht begeistert: „Ich denke, das schraubt die Hemmschwelle nach oben und verschreckt Bewerber.“ Als er sich selbst vor 20 Jahren auf die Stelle bewarb, überzeugte er mit Vielseitigkeit, wie er sagt.



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