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Wirtschaftsstrafkammer macht aus einem Verfahren zwei / Es geht um einen Millionen-Skandal

„Firmenbestatter“ bekommt kurzen Prozess

Hameln/Hildesheim (ube). 13 Verhandlungstage waren ursprünglich angesetzt worden, doch: Der Prozess um einen Millionen-Skandal bei einer ehemaligen Hamelner Walzenfirma wird wohl nicht so lange dauern wie geplant. Zumindest für einen der beiden Angeklagten dürfte er schon am kommenden Dienstag zu Ende gehen. „Der 44-jährige Mann hat sich gestern zu den Vorwürfen geäußert“, sagt Richter Uwe Fischer, Sprecher des Landgerichts Hildesheim. Anders der Ex-Unternehmer (58). Er zog es vor, zu schweigen. Zwei Männer, eine Hauptverhandlung, zwei unterschiedliche Strategien. Die Strafkammer reagierte, sie machte aus einem Prozess zwei. „Das Verfahren gegen den jüngeren Angeklagten ist abgetrennt worden“, erklärt Richter Fischer. Die Beweisaufnahme im Fall des 44-Jährigen werde am 9. November fortgesetzt. Es heißt, an diesem Tag würden weitere Unterlagen eingebracht, die Plädoyers gehalten und das Urteil gesprochen.

veröffentlicht am 05.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 17:21 Uhr

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Was die Staatsanwaltschaft dem ehemaligen Hamelner Firmenchef (58) und dem angeblich von ihm beauftragten „Firmenbestatter“ (44) vorwirft, ist harter Tobak: Es geht um Unterschlagung, Bankrott und die Verletzung der Verlustanzeigepflicht in zwei Fällen. Seit gestern müssen sich die beiden Herren im weißen Kragen vor der 6. Großen Wirtschaftsstrafkammer verantworten.

Gegen den mutmaßlichen Drahtzieher und Ex-Firmenchef wird erst am 16. November weiterverhandelt. „Es ist eine Einlassung angekündigt worden“, sagt Fischer. Das heißt: Entweder gibt die Verteidigung dann eine Erklärung ab. Oder: Der Angeklagte sagt selbst aus. Er dürfte dann wissen, welche konkreten Angaben der „Firmenbestatter“ gemacht hat und wie das Urteil gegen ihn ausgefallen ist.

Darum geht’s: Der 58-jährige Sohn einer erfolgreichen Hamelner Unternehmerfamilie soll zunächst Geschäftsführer von zwei Gesellschaften mit beschränkter Haftung gewesen sein und deren Geschäfte noch weitergeführt haben, als der 44-Jährige formal bereits deren alleiniger Geschäftsführer geworden sein soll. Der Ältere soll in neun Fällen Darlehensverträge zur Finanzierung von Walzenzügen und einer Gummiradwalze für die Gesellschaften geschlossen, dabei die Maschinen als Sicherheit übereignet, diese jedoch ohne Wissen und Billigung der Sicherungsnehmer verkauft haben.

In drei Fällen soll der Angeklagte Walzen, die der Gesellschaft im Rahmen eines Mietkaufs zur Verfügung gestellt worden waren, ohne Kenntnis der Eigentümerin zu Geld gemacht haben.

Beide Angeschuldigten sollen es – obwohl sie von der Zahlungsunfähigkeit der beiden Gesellschaften wussten – unterlassen haben, beim Amtsgericht einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu stellen.

Der ehemalige Firmen-Boss soll zudem Handelsbücher und andere wichtige Unterlagen der Gesellschaften aus den Geschäftsräumen geholt und dadurch eine Übersicht über den Vermögensstand erheblich erschwert haben. Ferner soll er in drei Fällen Gegenstände aus der Insolvenzmasse so verkauft haben, dass der Gesellschaft kein Erlös zufloss. Schließlich – so die Anklageschrift – soll er einen Walzenzug weit unter Wert an eine Gesellschaft verscherbelt haben, die diesen dann für ein Vielfaches ins Ausland veräußert haben soll.

Ein trauriges Kapitel Hamelner Wirtschaftsgeschichte – die Walzenfirma gibt es nicht mehr (Foto aus dem Jahr 2004). Seit gestern müssen sich der ehemalige Chef und ein GmbH-Aufkäufer vor Gericht verantworten.

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