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Kinderklinik-Chefarzt Dr. Philipp von Blanckenburg zum Thema „Impfen“

Fieberkrampf als schwerste Nebenwirkung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt eindringlich vor den Gefahren, Kinder nicht impfen zu lassen. Impfgegner ficht das nicht an, auch nicht, dass eine Krankheit wie Masern wieder auf dem Vormarsch ist. In ihren Augen wiegen die Vorteile von Schutzimpfungen die Nachteile durch mögliche Nebenwirkungen nicht auf. Wir haben mit dem Chefarzt der Kinderklinik im Sana-Klinikum, Dr. Philipp von Blanckenburg, über das Thema „Impfen“ gesprochen.

veröffentlicht am 18.02.2019 um 20:24 Uhr

Dr. Philipp von Blanckenburg foto: pr
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Erhalten Säuglinge/Kinder im Sana-Klinikum überhaupt Schutzimpfungen und führen Sie demnach dort Aufklärungsgespräche mit Eltern?
Dr. Philipp von Blanckenburg: In der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin werden beispielsweise bei den Frühgeborenen, natürlich immer in Abstimmung mit den Eltern, Schutzimpfungen durchgeführt. Frühgeborene, die länger als acht Wochen bei uns stationär aufgenommen sind, bekommen in der neunten Woche die Grundimmunisierung, die vom Robert-Koch-Institut empfohlen wird. In diesem Rahmen finden selbstverständlich auch die erforderlichen Aufklärungsgespräche statt. Zusätzlich leite ich eine Ambulanz, wo ebenfalls Impfungen und entsprechende Aufklärungsgespräche durchgeführt werden.


Haben Sie es in diesem Zusammenhang mit Impfnebenwirkungen zu tun?
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Nebenwirkungen auftreten können; diese aber fast immer als harmlos einzustufen sind. Eine mögliche Nebenwirkung ist ein Temperaturanstieg, der durch die Botenstoffe im Impfstoff verursacht wird. Diese Botenstoffe sind jedoch für die Aktivierung des Immunsystems verantwortlich und daher unerlässlich. Das Fieber steigt in der Regel nicht über 39 Grad Celsius, hält maximal zwei Tage an und ist mit Paracetamol oder Ibuprofen gut zu beherrschen. In seltenen Fällen kann es auch einmal zu Reaktionen im Bereich der Impfstelle kommen. Wir impfen bei kleinen Kindern im Bereich der Oberschenkel, bei älteren Kindern und Erwachsenen wird in den Oberarm geimpft. Eine lokale Rötung oder Schwellung ist zwar unangenehm, aber nicht dramatisch, da sie in der Regel nach zwei bis drei Tagen wieder abklingt. Über die möglichen Nebenwirkungen klären wir die Eltern vor der Impfung auf.


Wie häufig in den vergangenen zehn oder mehr Jahren hatten Sie es mit Kindern, Jugendlichen zu tun, die mittelschwere bis schwere Impf-Nebenwirkungen aufwiesen und behandelt werden mussten?
Schwere Nebenwirkungen, die über leichtes Fieber und leichte Entzündungsreaktionen hinausgehen, treten nur in den seltensten Fällen auf. Ein Beispiel wären Fieberkrämpfe; die Wahrscheinlichkeit liegt allerdings bei 1:20 000. Wir haben in Hameln bislang erst einen einzigen derartigen Fieberkrampf behandeln müssen.
Lässt sich sagen, wann von leichten, mittelschweren und schweren Nebenwirkungen die Rede ist? Sprich: Fieber ist vielleicht noch üblich, ein über Tage angeschwollener und heißer Arm vielleicht schon nicht mehr…
Die Nebenwirkungen von Impfungen werden in „leicht“, „mittelschwer“ und „schwer“ graduiert. Leichte Schwellungen/Rötungen und Fieber sind als leichte Nebenwirkungen einzustufen. Eine mittelschwere Wirkung wäre beispielsweise, dass der Geimpfte nicht mehr in der Lage ist, zur Schule oder in den Kindergarten zu gehen. Eine stationäre Aufnahme im Krankenhaus ließe sich der Stufe „schwer“ zuordnen.

Was können Sie Eltern sagen, die Angst vor den Impfungen haben, und gibt es Möglichkeiten (zum Beispiel kein Sechsfach-Impfstoff?), um potenzielle Nebenwirkungen zu reduzieren?
Der Sechsfachimpfstoff stellt eine Grundimmunisierung gegen die Krankheiten Diphterie, Tetanus, Pertussis, HIB (Haemophilus influenzae Typ B), Polio und Hepatitis B im ersten Lebensjahr dar. Im zweiten Lebensjahr folgt dann eine Nachimpfung. Es besteht die Möglichkeit, bei der ersten Impfung auf Hepatitis B zu verzichten und diese im zweiten Lebensjahr nachzuholen. Meines Erachtens ist dies aus medizinischer Sicht nicht erforderlich, da sowohl der Fünffach- als auch der Sechsfach-Impfstoff gleich gut vertragen werden. Die genannte Option kann aber eine Brücke sein, um Eltern, denen sechs Impfungen zu viel sind, davon zu überzeugen, ihre Kinder überhaupt impfen zu lassen. Bereits die Frühgeborenen mit 1800 g Gewicht bekommen bei uns schon die Schutzimpfungen und vertragen diese hervorragend. Auch die Impfstoffe gegen Masern-Mumps-Röteln (MMR) und Windpocken können voneinander getrennt geimpft werden. Auch dies wird bei uns angeboten.

Der Sechsfachimpfstoff stellt eine Grundimmunisierung gegen die Krankheiten Diphterie, Tetanus, Pertussis, HIB (Haemophilus influenzae Typ B), Polio und Hepatitis B im ersten Lebensjahr dar. Foto: Owen Humphreys/PA Wire/dpa


Wie begegnen Sie Eltern, die Impfgegner sind und sich dagegen entscheiden?
In einem sachlichen Gespräch zeige ich allen Eltern die Vor- und Nachteile von Schutzimpfungen auf. Ich mache jedoch auch darauf aufmerksam, dass sich beispielsweise Tetanusbakterien in jeder schmutzigen Pfütze befinden können. Wenn man dann bedenkt, wie oft Kinder stürzen und sich offene Knie- oder Armwunden zuziehen, erkennen viele Eltern den Nutzen in den Impfungen.



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