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Briten feiern „Guy-Fawkes“-Nacht mit brennenden Puppen

Feuriges Spektakel für einen populären Attentäter

Hameln. Züngelnd greifen die Flammen nach den Hosenbeinen. Die Haare und der Oberkörper brennen bereits. Ganz oben auf dem Scheiterhaufen aus Holzpaletten thront Guy Fawkes – eine Puppe mit orange-farbenem Kopf und schwarzem Zylinder. Aus seinem Bauch voll Watte und Altpapier dringt grauer Qualm. Die Szene wirkt mystisch, fast bedrohlich und ist doch Bestandteil einer jahrhundertealten Tradition. Die „Guy-Fawkes“-Nacht am 5. November gehört zur britischen Kultur wie Fish&Chips. David, der von sich behauptet, die besten Fish&Chips in Deutschland zu machen, kommt seit Jahren mit seinem Imbisswagen nach Hameln. Für ihn ist die „Bonfire-Night“, die Nacht, in der die „Guys“ symbolisch verbrannt werden, ein ganz besonderes Spektakel. „Vor allem wegen des Feuerwerks“, sagt er. Er liebt den Lärm und die bunten Farben. Auch das typisch englische Wetter – anhaltender Nieselregen und kriechende Kälte, gehörten dazu. Die „Bonfire-Night“ erinnert an das vereitelte Attentat des englisch-katholischen Offiziers Guy Fawkes, der am 5. November 1605 mit zwei Tonnen Schwarzpulver König und Parlament im Westminster-Palast in die Luft jagen wollte. Selbst endete Fawkes damals am Galgen, die Puppen seither symbolisch in den Flammen.

veröffentlicht am 05.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 17:21 Uhr

Mystisch: Die Puppen im Widerschein des Feuers.  Fotos: tk
Tomas Krause

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Tomas Krause Onlineredakteur zur Autorenseite
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Seit Jahren wetteifern die Schüler der Weser-School, der Pestalozzischule, der Theodor-Heuss-Schule, der Sertürner-Realschule und erstmalig der Wilhelm-Raabe-Realschule aus Hessisch Oldendorf darum, wer den ausgefallensten „Guy“ bastelt. Lebensecht sehen die circa 1, 60 Meter großen Figuren zwar nicht aus. Aber im verschlissenen Hemd des Vaters, in Opas Arbeitsschuhen und den liegengebliebenen Arbeitshandschuhen des Heizungsmonteurs, wirken die Puppen in ihren verzogenen Proportionen skurril, lustig und manchmal beängstigend.

20 Figuren haben die Schüler in diesem Jahr im Kunstunterricht produziert. Ein Amphibienfahrzeug dient ihnen an diesem Abend als Bühne. Dort sitzen die „Guys“ aufgereiht und warten auf ihr Urteil. Die Ehefrau des britischen Kommandeurs kürt den „Best Guys“. Sonja (13), Marta (13) und Lea (11) können es kaum fassen, dass ihre Puppe gewonnen hat und ganz oben auf dem Scheiterhaufen brennen wird. „Ist schon ein bisschen schade“, meint Sonja. „Aber dafür haben wir ihn schließlich gemacht.“

Auf die drei Schülerinnen der Sertürner-Realschule wartet noch eine besondere Aufgabe. Sie sollen per Fernbedienung den haushohen Holzstoß entzünden. In ihrem Rucken warten fast 2000 Gäste, die trotz des schlechten Wetters auf das Truppenübungsgelände an der Weser gekommen sind. Knopfdruck. Aber es tut sich nichts. Zu nass ist das Holz, zu aufgeweicht die Puppen. Erst nach etlichen Versuchen mit Streichhölzern, Diesel und Spraydosen lodern die Flammen. Die Menge jubelt, als die ersten Puppen brennen und sich ihre Silhouette schwarz gegen das Feuer absetzt.

Skurril, lustig und bedrohlich sehen die „Guys“ aus.
  • Skurril, lustig und bedrohlich sehen die „Guys“ aus.

Dann wird es still. Eine Lautsprecherdurchsage kündigt das Feuerwerk an. Zu Jean Michel Jarres „Oxygene“ explodieren die ersten Raketen und zeichnen Funken sprühend Ornamente an den nächtlichen Himmel.

Was David in seinem Imbiss jetzt wohl tut? Sicher hat er sich auch in den Regen gestellt, um sich das Feuerwerk für diesen gescheiterten, aber populären Attentäter anzuschauen. Denn auch wenn der Offizier Guy Fawkes in Deutschland weitestgehend unbekannt ist, in England wird er nach über 400 Jahren noch in der Liste der „100 wichtigsten Briten“ geführt. Und auch die Autorin Joanne K. Rowling hat ihm ein Denkmal gesetzt. Der Vogel Phönix in ihren Harry Potter Romanen ist nach Fawkes benannt.

Eine Bildergalerie gibt es im Internet unter www.dewezet.de

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