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Fehlt ein kommerzfreies Bürgerfest?

Feste feiern in Hameln – alle für alle

HAMELN. Pflasterfest, Bierfest, Weinfest, Herbstmarkt, Weihnachtsmarkt … In Hameln wird wahrlich viel gefeiert. Und doch fehlt etwas im Jahresplan: ein großes Bürgerfest von den Einwohnern für die Einwohner. Eine nichtkommerzielle identitätsstiftende Party als Schaufenster des gesellschaftlichen Lebens in dieser Stadt.

veröffentlicht am 12.10.2018 um 15:56 Uhr
aktualisiert am 12.10.2018 um 19:25 Uhr

Ein gemütliches Beisammensein – das ist die Stärke des Weinfestes. Bei einem nichtkommerziellen echten Bürgerfest würde das Miteinander für einen Tag oder ein Wochenende auf einer noch viel breiteren Basis stehen. Foto: amg/Archiv
Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite

Für Hamelner jenseits der 50 ist die „Hoch-Zeyt“ legendär, das Altstadtfest ab Mitte der 1970er Jahre. Die Anlieger der damals neuen Fußgängerzone, die heimischen Vereine, Firmen und Institutionen stellten Partys mit viel Lokalkolorit auf die Beine – „eine phänomenale ,Schaffe‘ mit enormem Bürger-Engagement“, wie die Dewezet am 22. September 1975 lobte und zu Vergleichen mit der Hochstimmung beim rheinischen Karneval und Münchner Oktoberfest veranlasste. Es waren vielfältige Familienfeste, die das Wir-Gefühl spürbar stärkten, organisiert von einer Arbeitsgemeinschaft unter Leitung des Verkehrsvereinsvorsitzenden Eike Hartmann. Genau dieser Charme ist es, der den immer professioneller gestalteten großen Festen in Hamelns guter Stube weitgehend abhandengekommen ist. Diese Angebote werden besucht wie ein Open-Air-Konzert oder eine Diskothek, als netter gemeinsamer Nachmittag oder Abend mit der Familie oder Freunden bewertet – sie bleiben aber austauschbar, fördern nicht die Kommunikation aller mit allen, halten manche Bevölkerungsgruppe außen vor, unter anderem diejenigen, für die es zu teuer ist, sich an den Speise- und Getränkeständen zu versorgen. Denn auch wenn der Eintritt gratis ist: Kommerzielle Feste kosten Geld, das über Standgebühren und damit für die Besucher spürbar hohe Preise hereingeholt wird. Die Freiwillige Feuerwehr zum Beispiel wollte sich auf dem Herbstmarkt präsentieren, musste wegen des verlangten Standgeldes jedoch ausweichen. Ähnliches berichten Vereine, die gerne an einzelnen Tagen auf dem Weihnachtsmarkt vertreten wären.

Wie wäre es hingegen, wenn an einem Tag oder Wochenende im Jahr an den Fenstern oder vor den Häusern die Einheimischen die Bewirtung für kleines Geld übernähmen? Wenn sich in der Innenstadt möglichst alle Vereine, Kultur- und Bildungseinrichtungen, Unternehmen, Behörden und Privatleute einbrächten? Wenn ein Feuerwehr-, THW-, DRK- und Polizeipark auf den Rathausplatz lockte, eine Umwelt- und Gartenschau in den Bürgergarten? Wenn heimische Industriebetriebe ihre Erzeugnisse auf dem Ostertorwall vorführten? Wenn Sport in und an der Rattenfänger-Halle sowie auf der Weser geboten würde? Wenn Verkehrsunternehmen zu Touren auf der Straße und zu Wasser einlüden? Wenn die begleitende Musik ohne große Bühnen heimische Künstler beisteuerten? Da praktisch die ganze Stadt eingespannt wäre, könnte mit einer großen Zahl von Besuchern gerechnet werden. Geschätzte 100 000 waren es 1975. Das Bundesforschungsministerium plant gerade den Aufbau eines „Instituts für gesellschaftlichen Zusammenhalt“ – Hameln könnte zeigen, wie es praktisch läuft.

Der oberste Bürger, Claudio Griese, hält die Idee für „grundsätzlich positiv“. Er sieht aber Probleme bei der Umsetzung. „Der organisatorische Aufwand wäre immens“, meint der Oberbürgermeister. „Ein Bürgerfest personell zu stemmen, dürfte sehr schwierig sein“. Dass die Stadtverwaltung wie beim Tag der Niedersachsen oder Landesturnfest ein größeres Organisationsteam bildet, sei „momentan nicht zu leisten“. Und am Ende wären Institutionen und Verbände „womöglich überfordert, wenn sie neben ihrer eigenen Veranstaltung noch ein Bürgerfest beschicken müssten“.

Die „Hamelner Hochzeyt“ ab 1975 war vom „enormen Bürger-Engagement“ geprägt, schrieb die Dewezet.
  • Die „Hamelner Hochzeyt“ ab 1975 war vom „enormen Bürger-Engagement“ geprägt, schrieb die Dewezet.

Stadtmanager Dennis Andres, Cheforganisator für Hamelns Großveranstaltungen, ruft weder „hier!“ noch „hurra!“. „Auf den ersten Blick klingt das sehr gut und wünschenswert“, sagt er, allerdings werde es immer schwieriger, solche Formate umzusetzen. Denn: „Es setzt viel ehrenamtliches Engagement voraus, das Vereine und Einrichtungen kaum noch aufbringen können. Dazu sind die Auflagen enorm gestiegen und die Besucher deutlich anspruchsvoller geworden.“ Andres meint auch, dass Pflasterfest, Weinfest und Weihnachtsmarkt durchaus „ein hohes Maß an Identifikation für die Bürger bieten“. Beim Pflasterfest seien lokale Musikgruppen und Gastronomen beteiligt. Der Aufwand für ein Fest von Bürgern für Bürger wäre nach seiner Einschätzung „immens und der Erfolg fraglich“. Was nicht heißen solle, „dass man nicht auch in diese Richtung weiterdenken kann“.

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