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Rattenfänger-Aufführung sollte vor 50 Jahren der Kunstuhr mit Glockenspiel weichen

Fast wären die Flötentöne verklungen

Hameln. Hameln, Sonntagmittag, Punkt 12: Seit dem 27. Mai 1956 ist dieser Termin fest in der Hand des Rattenfängers und seines Gefolges. In der Open-Air-Saison wird einmal wöchentlich das Rattenfänger-Freilichtspiel auf der Hochzeitshaus-Terrasse aufgeführt. Doch fast wären die Flötentöne des Rattenfängers 1964 für immer verklungen.

veröffentlicht am 11.03.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 21:41 Uhr

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Autor:

von karen klages
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Denn die seit Kriegsende abgebaute Kunstuhr mit dem Glockenspiel sollte wieder die Stelle am Hochzeitshaus einnehmen und die Aufführung der lebendigen Darsteller ersetzen. Zum Glück kam es anders, „da ein lebendiges Spiel immer wirkungsvoller bleiben wird als die originellste und kunstvollste Mechanik“, heißt es in der Dewezet-Ausgabe vor 50 Jahren. Man verbesserte also die Sichtverhältnisse, installierte das Glockenspiel trotzdem und bescherte Hameln eine wundervolle Tradition, in der Friedrich Flügge als der Mann des Rattenfänger-Freilichtspiels hervorstach. Über 50 Jahre lang war er der Leiter der Spielschar – und wahrscheinlich sogar mehr als das. Nicht nur sein Nachfolger Norbert Meyer und Frank Lücke, bei der HMT zuständig für die Vermarktung des Rattenfänger-Freilichtspiels, erinnern sich an den Urvater gern zurück. „Ehemalige Mitspieler kamen aus Dubai, Japan und ganz Deutschland zu Flügges Jubiläum nach 50 Jahren Rattenfänger-Freilichtspiel“, erzählen die beiden. Etliche Hundert Darsteller haben in fast 60 Jahren mitgespielt. „Manche haben als Ratte klein angefangen, sind dann ausgestiegen, haben später ihre eigenen Kinder wieder hingebracht und hatten dann auf einmal wieder selbst eine Kutte an und standen auf der Bühne“, sagt Norbert Meyer über die große Rattenfänger-Freilichtspiel-Familie. „Die Verbundenheit ist schon groß“, so Meyer. Als Beispiel nennt er Götz Heermann, den Flügge 1975 auf die Bühne holte und der mit der Spielschar nach Japan reiste, sich später dort niederließ und nun nach Hameln zurückgekehrt ist. Und wieder jeden Sonntag in der Saison um 12 Uhr auf der Bühne steht.

Den Enthusiasmus dafür, den müsse man laut Meyer entfachen. „Denn die Hälfte des Sonntags ist ja durch das Stück verplant“, sagt der Leiter des Rattenfänger-Freilichtspiels. Und das in der schönsten Jahreszeit. Rund 80 Darsteller im Alter von 5 bis 65 Jahren stehen jeden Sonntag im Sommer auf der Bühne – im Durchschnitt vor 2500 Zuschauern. Eine tolle Leistung, wie Meyer und Lücke finden. Das Publikum kommt aus aller Welt: „Fast die Hälfte sind ausländische Besucher“, weiß Lücke. Egal, ob in Südamerika, Asien oder Europa: In vielen Reiseführern der Welt stünde das Rattenfänger-Freilichtspiel für sonntags um 12 Uhr im Kalender. „Dank dieser Kontinuität haben wir an vielen Stellen eine kostenlose Werbung“, sagt Lücke. Termin und Veranstaltungsort hätten daher auch noch nie zur Debatte gestanden. Natürlich gab es auch schon Spielortverlegungen; zuletzt bei der Sanierung der Hochzeitshausterrasse und des Pferdemarkts in den Jahren 2010 und 2011. „Aber das historische Ambiente passt natürlich in der Innenstadt besser“, findet Frank Lücke.

Mindestens 15 Jahre ist es übrigens her, dass eine Vorstellung nicht planmäßig durchgeführt werden konnte: „Es regnete in Strömen und wir wichen in die Aula der Elisabeth-Selbert-Schule aus“, erinnert sich Lücke. Dreimal hintereinander wurde das Stück dann aufgeführt – da nicht alle Zuschauer auf einmal in die Aula passten. „Man sieht also: Das Rattenfänger-Freilichtspiel ist eine feste Institution in Hameln und muss immer stattfinden“, so Lücke. Gut also, dass man das im Jahr 1964 auch so sah und das Stück nicht zugunsten des Glockenspiels geopfert wurde. Und nicht nur das: Gab es vor 50 Jahren die Überlegung, den Einmarsch der Spielschar mit Darstellern in alten Trachten und mit altertümlichen Instrumenten aufzuhübschen, so hatte Norbert Meyer vor einigen Jahren die gleiche Idee. Zudem engagierte er 2011 eine Theaterpädagogin. Die Spieler sollten lernen, sich besser in die Rollen einzufühlen. „Wir wollten eine behutsame Qualitätsveränderung, ohne den alten Text zu verändern“, sagt Norbert Meyer. Denn der ist schon seit fast 60 Jahren der gleiche. Eben eine wahre Tradition.



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