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Sperrung nach Wasserschaden: „Wir können kein Risiko eingehen“ / Experte erklärt, was jetzt zu tun ist

Fassade könnte in Fußgängerzone stürzen

HAMELN. Im Fall des 1619 erbauten Fachwerkhauses an der Hamelner Osterstraße ist derzeit noch unklar, wie hoch der Gesamtschaden ausfallen wird. Das große Wohn- und Geschäftshaus war am Sonntag von der Polizei geräumt worden. Es bestehe Einsturzgefahr, hieß es. Die Stadt Hameln teilte auf Anfrage mit, aufgrund des Wasserschadens sei nicht auszuschließen, dass Teile der Fassade in die Fußgängerzone stürzen.

veröffentlicht am 14.02.2018 um 14:56 Uhr
aktualisiert am 14.02.2018 um 19:00 Uhr

Vor dem Wohn- und Geschäftshaus hat der Notdienst der Stadt Hameln die halbe Fußgängerzone gesperrt. Aufgrund des Wasserschadens sei nicht auszuschließen, dass Teile der Fassade auf die Osterstraße stürzen, teilte die Behörde zur Begründung mit. Foto
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Wasser ist schlimmer als Feuer, sagen Sanierungsexperten. In der Tat kann Wasser immens hohe Schäden anrichten, braucht es Wochen und manchmal sogar Monate, bis durchnässte Gebäude wieder bewohnbar sind. Im Fall des 1619 erbauten Fachwerkhauses an der Hamelner Osterstraße ist derzeit noch unklar, wie hoch der Gesamtschaden ausfallen wird. Das große Wohn- und Geschäftshaus war am Sonntag von der Polizei geräumt worden (wir berichteten). Es bestehe Einsturzgefahr, hieß es. Das Wasser ist aus einer entzweigegangenen Kupferleitung vom Dachgeschoss bis in den Keller gelaufen, hat Lehmschlagdecken aufgeweicht. In einigen Bereichen ist Lehmputz zu Boden gefallen und Stroh zu sehen. In zwei der drei Läden, die derzeit geschlossen haben, stand das Wasser zentimeterhoch. Mohammed Salloum, Inhaber des gleichnamigen Elektrogeschäfts, ist zum Glück versichert. Er sagt: „Alles ist nass, alles ist hin. Mal sehen, was die Versicherung übernimmt.“ Das Leitungswasser war sogar durch die Fassade nach außen gedrückt. Der einzige Mieter musste seine Wohnung verlassen – aus Sicherheitsgründen. Der Hamelner erzählte den Polizeibeamten, es habe schon einmal einen Wasserschaden in dem Haus gegeben, jedoch nicht einen dermaßen großen.

Die statische Aufnahme ist irgendwann erschöpft. Es gibt nicht wenige Häuser, die deswegen eingestürzt sind.

Andreas von Schilgen, Architekt und Diplom-Ingenieur

Die Stadt Hameln teilte auf Anfrage mit, aufgrund des Wasserschadens sei nicht auszuschließen, dass Teile der Fassade in die Fußgängerzone stürzen. „Deshalb hat der Notdienst unseres Betriebshofes den Bereich vor dem Gebäude auf Veranlassung der Feuerwehr und der Polizei abgesperrt. Unser Ordnungsamt hält auch für die kommenden Tage an der Absperrung fest.“ Die rot-weißen Baken müssten so lange vor Ort bleiben, bis keine Gefahr mehr bestehe. „Die Sicherheit für Passanten steht hier obenan. Wir können kein Risiko eingehen“, sagte Referatsleiter Thomas Wahmes. Der Behördensprecher fügt noch hinzu: „Sollte das Fachwerkhaus saniert werden müssen, ist eine Abstimmung mit unserer Denkmalschutzbehörde erforderlich.“ Diese sei aber noch nicht involviert.

Der Hausbesitzer ist nun gefordert. Doch was ist zu tun, wenn Lehmschlagdecken einzustürzen drohen, ein Fachwerkhaus unbewohnbar geworden ist? Der Hamelner Architekt und Diplom-Ingenieur Andreas von Schilgen kennt sich mit Wasserschäden aus. Er hat sich in dem Haus an der Osterstraße zwar nicht umgesehen, kann sich aber grundsätzlich zu solchen Sanierungen äußern: „Es muss individuell entschieden werden, was jetzt zu tun ist, um noch größere Schäden am Gebäude abzuwenden.“

Ein Feuerwehrmann inspiziert das Gebäude. Foto: ube
  • Ein Feuerwehrmann inspiziert das Gebäude. Foto: ube

Zunächst einmal sollten eventuell vorhandene PVC-Belege oder Laminat-Fußböden entfernt werden, da Luft an die durchnässten Böden und Decken kommen muss. Trocknungsgeräte, die der Luft die Feuchtigkeit entziehen, sodass sie wieder neue aufnehmen kann, könnten wahre Wunder vollbringen. Die Spezialgeräte würden in der Regel aber wochenlang laufen müssen. „Wasserschaden-Sanierung braucht seine Zeit“, sagt von Schilgen. Dort, wo die Lehmdecke nicht zu halten sei, müsse die Füllung zwischen den Balken entfernt und diese nach Trocknung des Holzes ersetzt werden. „Man muss genau schauen, wo das notwendig ist“, sagt der Experte.

In jedem Fall ist zunächst einmal Vorsicht geboten, wenn Lehmschlagdecken viel Wasser aufgenommen haben. „Da besteht immer eine potenzielle Einsturzgefahr.“ Das Gewicht sei das Problem. Habe sich der Lehm mit Wasser vollgesaugt, sei die Decke extrem schwer. „Das kann zu einer Überlastung der Stütz- und Deckenbalken führen. Die statische Aufnahme ist irgendwann erschöpft.“ Das gehe dann mit einem Verlust der Tragfähigkeit einher. „Es gibt nicht wenige Häuser, die deswegen eingestürzt sind“, sagt der Architekt.

Der Hausbesitzer wohnt in Berlin. Die Dewezet hat mit ihm gesprochen. Öffentlich möchte er sich zum Schadensumfang und zu seinen Sanierungsplänen nicht äußern. Das ist sein gutes Recht. Der Mann findet es „affig“, dass eine Zeitung einen Bericht über ein möglicherweise einsturzgefährdetes historisches Haus in der Hamelner Altstadt schreiben möchte. „Es geht keinen etwas an, was in meinem Haus geschieht“, sagt er. Und: „Natürlich habe er etwas unternommen. „Es muss ja was gemacht werden.“ Mehr will er aber auch nicht sagen.

Geschäftsinhaber im Ungewissen

Für Mohammad Salloum kam das vorläufige Ende unvermittelt, seine Geschäftsnachbarn hatten dagegen bereits jeweils ihre Geschäftsaufgabe angekündigt. Sowohl sein Laden, Elektro Salloum, als auch der Spielzeugladen Kunterbunt und der Näh-Laden Fräulein Pritzi und die Zwerge haben seit dem Wasserschaden am Sonntag geschlossen. „Ich weiß auch nicht, wie’s weitergeht“, erklärt Ines Steinhauer von „Pritzi“ kurz auf eine entsprechende Dewezet-Anfrage. Erst vor Kurzem hatte sie verkündet, das Geschäft aus persönlichen Gründen aufzugeben. Auch Susanne Dohmeier von „Kunterbunt“ kann den Räumungsverkauf jetzt nicht so fortsetzen wie ursprünglich gedacht. Es sei alles nass, sie könne nichts retten. Zum Jahresende wollte sie raus und hätte gerne noch verkauft, sagt sie. Ob eine Versicherung für den Schaden eintrete, wisse sie auch noch nicht. Jetzt müsse sie erst einmal das Ergebnis eines Gutachtens abwarten. „Ich hoffe, dass sich das alles findet.“ Zum Glück sei es nur eine kleinere Filiale, so Dohmeier, eine größere betreibt sie noch in Wunstorf. Auch für Mohammad Salloum heißt es abwarten, wie er erzählt. Darauf, dass der Gutachter kommt und darauf, was dann die Versicherung sagt. bha

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