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Kapitän zur See Thomas Jugel zu Gast

Familienmensch mit Respekt vor Naturgewalten

Hameln. Dass er vor knapp 53 Jahren in Nürnberg zur Welt gekommen ist, hat ihn für eine Laufbahn in der Marine geradezu prädestiniert. „Die meisten Mariner kommen nämlich aus Bayern und dem Ruhrgebiet“, weiß Thomas Jugel, Kapitän zur See und seit April Kommandeur der Einsatzflottille 1 und Direktor des „Centre of Excellence for Operations in confinend and shallow Waters“) der Nato in Kiel, einer internationalen Einrichtung für die Erfassung von Unterwasserbedrohungen wie Seeminen und den Schutz von Einheiten und Verbänden oder Häfen und Wasserstraßen. Damit ist der ranghohe Offizier verantwortlich für 55 Boote der Bundesmarine und 4400 an drei Standorten entlang der Ostseeküste.

veröffentlicht am 22.10.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 19:21 Uhr

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Autor:

Christa Koch
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Schon mit 19 Jahren wusste der Mittelfranke, was er einmal werden wollte, nämlich Soldat, und zwar einer, der zur See fährt. In Flensburg wurde er ab 1977 zum Marineoffizier ausgebildet, studierte anschließend Bauingenieurwesen an der Bundeswehr-Universität in Neubiberg und machte fortan eine steile Karriere. Eine Stufe auf dem Weg dorthin: das Kommando über das damalige Minensuchboot „Pluto“, das Jugel von 1985 bis 1987 innehatte. Aus dieser Zeit kennt er noch einige Kameraden, war auch nach seinem Wechsel als Kommandant des Minenjagdbootes „Cuxhaven“ noch ein paarmal an Bord. Allerdings wurden die Kontakte im Laufe der Zeit seltener – kein Wunder, etwa alle zwei Jahre wurde der Offizier versetzt.

Aus seiner Zeit als Pluto-Kommandant kennt der 52-Jährige auch die Marinekameradschaft Hameln, die die inzwischen ausgemusterte „Pluto“ umgebaut und zu ihrem Heimschiff gemacht hat. Und er besitzt sämtliche Zeitungsartikel der Dewezet, in denen damals über „sein“ Schiff berichtete wurde. Gern erinnert sich Jugel an das besondere Klima auf dem Minensucher: „Wir waren 35 Mann auf engstem Raum und fast so etwa wie eine große Familie. Wir haben Fahrten nach England oder Norwegen gemacht und immer zusammengehalten“, sagt der Offizier rückblickend. Auch die Belastungen, die der Dienst an Bord – zumal in der Zeit des kalten Krieges – mit sich gebracht habe – habe man gemeinsam getragen.

Diese Zeit liegt lange zurück, doch die Aufgaben haben sich nicht wesentlich verändert, sagt der Kommandeur. „Der Hauptzweck ist immer noch das Minenräumen, auch wenn ein Einsatz dieser Art inzwischen weniger wahrscheinlich ist.“ Darüber hinaus müssen seine Männer aber auch in Operationen wie „Unifil“ den Seeverkehr überwachen, etwa im Mittelmeer, wo sie vor der libanesischen Küste vor allem den Waffenschmuggel unterbinden sollen. „Wir müssen dort Augen und Ohren offenhalten“, so der Kapitän zur See.

Seine Berufswahl hat er übrigens in 34 Dienstjahren nie bereut, trotz der häufigen Umzüge und auch wenn er manchmal „mit gerunzelter Stirn“ zum Dienst angetreten ist. „Die Aufgaben sind spannend und aufregend“, so Jugel, der nach einem einjährigen Aufenthalt in Paris seinen Wohnsitz inzwischen in Kiel hat. Dort verbringt er seine knappe Freizeit am liebsten im Kreise von Ehefrau, Sohn und zwei Töchtern, zu seinem Leidwesen aufgrund der Seefahrt allerdings viel zu selten. Da auch die Kinder mittlerweile zum Studium „über die Republik verstreut“ sind, genießt der Familienmensch das Zusammensein mit seinen Lieben dann immer umso mehr.

Sollt er sich selbst beschreiben, würde Jugel sich „berechenbar“ und „zuverlässig“ nennen, Eigenschaften, die ein Marineoffizier nach seiner Ansicht haben sollte. Und: Man müsse die Hand am Puls seiner Leute haben, damit man wisse, was die Truppe bewege. Außerdem empfiehlt der Offizier, „nicht unbescheiden“ zu sein. Bescheidenheit, gar Demut – das sind Tugenden, wie vermutlich allein schon die See sie lehrt. So hat Jugel denn auch erheblichen Respekt vor Naturgewalten: „Die Kunst besteht darin, rechtzeitig zu erkennen, wann die Natur gewinnt, und sich dann zurückzunehmen“, sagt er. Und das sei in erster Linie eine Sache von Erfahrung und Ausbildung. Heute ist Kapitän zur See Thomas Jugel zu Gast in der Rattenfängerstadt, wo er um 14 Uhr auch von Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann im Hochzeitshaus empfangen wird. Eingeladen hat ihn (und auch weitere frühere Kommandanten der „Pluto“) die Marinekameradschaft Hameln, die mit einem Festakt den 50. Geburtstag der Indienststellung der „Pluto“ feiert.

Aus seiner Zeit als Pluto-Kommandant kennt Thomas Jugel auch die Marinekameradschaft Hameln, die das Boot zu ihrem Heimschiff gemacht hat. Foto: Dana



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