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Heute zieht die Stadt Bilanz zum „FiZ“ – wie gut der Service ist, hat die Dewezet getestet

Familie im Zentrum?

Hameln. Heute im Ausschuss für Familie und Kultur zieht die Verwaltung Bilanz: Erwartet wird eine weitere Bestätigung, wie gut das FiZ („Familie im Zentrum“) in der Bevölkerung angekommen ist. Aber wie sieht die Realität hinter der offiziellen Rhetorik aus?

veröffentlicht am 25.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 18:21 Uhr

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Autor:

Nina reckemeyer
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Für den Test der Beratungsqualität im FiZ hat die Redaktion folgenden Fall konstruiert: Eine junge Mutter, 25 Jahre und alleinerziehend, steht vor ihrem Umzug nach Hameln. Im neuen Job arbeitet sie demnächst fünf Tage in der Woche von 10 bis 19 Uhr. Und wer passt in der Zeit auf die kleine Tochter auf?

Gesucht werden ein geeigneter Kindergartenplatz und eine vertrauenswürdige Tagesmutter, die im Anschluss an die Kita auf die Vierjährige aufpasst.

Zum Glück hat die Stadt für solche Fälle das FiZ in der Osterstraße, eine zentrale Anlaufstelle für ratsuchende Bürger und deren Anliegen rund um die Familie. Auf der Homepage verspricht die Einrichtung: „Mithilfe der Eugen-Reintjes-Stiftung konnte ein Projekt mit Vorbildcharakter realisiert werden, welches die Hamelner Familien in den Mittelpunkt des Denkens und Handelns stellt. Durch Vernetzung soll den Familien ein besserer Zugang zu sozialen Angeboten ermöglicht werden.“

In der Hoffnung, dass unserer Test-Mutti (gespielt von der Autorin Nina Reckemeyer) schnell und kompetent geholfen wird, steuern wir gleich mal inkognito die Beratungsstelle im Eugen-Reintjes-Haus im Herzen der Altstadt an. Uns begrüßt eine freundliche junge Dame an der Rezeption gleich neben dem Eingang. Die Beratungsstelle ist menschenleer. Später betreten noch zwei Mütter mit einem kleinen Mädchen das FiZ, sie wollen sich eine Feriencard ausstellen lassen.

Die Suche nach einem Kitaplatz: Nachdem wir der jungen Beraterin in Empfangsdamentarnung unsere Situation erklärt haben, gilt es zunächst, einen geeigneten Kindergartenplatz für unsere Tochter – nennen wir sie Lia – zu finden. Die Mitarbeiterin bietet den Ausdruck einer langen Liste mit den relevanten Informationen aller Kindertagesstätten der Stadt an. Das ist nett. Die „Kita-Liste“ haben wir allerdings schon zum Termin mitgebracht, man kann sie nämlich im Internet unter www.hameln.de/kindertagesstätten selber ausdrucken.

Das weitere Service-Angebot? Wir sollten uns aus dieser Liste nun drei passende Kindergärten aussuchen und diese dann persönlich abklappern, um einen möglichen freien Platz zu ergattern. „So ist das hier die Regel“, sagt man uns. „Ich habe das jetzt hier auf meinem Server nicht drauf, aber ich habe zwei Kolleginnen, die haben theoretisch eine Übersicht, wo noch Plätze frei wären.“

Theoretisch. Da sind wir auch schon beim springenden Punkt. „Die Übersicht ist nämlich auch nicht immer die topaktuellste. Also am sichersten fahren Sie wirklich, wenn Sie in den Kindergarten gehen“, rät man uns noch einmal.

Die Leistung des FiZ in puncto Kindertagesstätte ist also nicht die zentrale Vermittlung oder Hilfestellung bei der Suche nach einem freien Platz, sondern die Aushändigung einer Liste, auf der die Einrichtungen nichts weiter als zusammengetragen sind. Eine Überprüfung, ob im Wunschkindergärten noch ein Platz für Lia frei ist, leistet das FiZ nicht. Das hätten wir mithilfe der frei zugänglichen „Kita-Liste“ auch noch alleine geschafft. Das ist dürftig, finden wir.

Freizeitangebote für Kleinkinder: Wir geben dem Fiz weitere Chancen, sich zu beweisen. Welche Freizeitangebote gibt es für Lia in Hameln? Dabei liebäugeln wir mit musikalischer Frühförderung, Englisch für Kleine oder Kinderturnen. Die sympathische junge Dame führt uns zu einer „Infoflyer-Wand“ gegenüber. Nach ein paar suchenden Blicken findet sie zwar nicht hundertprozentig das, was wir suchen, aber dennoch erhalten wir kleine Broschüren, unter anderem von der Musikschule und dem Fuchsbau, einem Garten für Kinder in der Stadt. Ein Angebot für Englisch im Kindergartenalter scheint es nicht zu geben, zumindest kann man uns damit nicht weiterhelfen. Außer den mehr oder weniger informativen Flyern bekommen wir jedoch nichts. Eine wirklich ausführliche persönliche Beratung für Lias Freizeitgestaltung außerhalb des Kindergartens findet nicht statt. Dafür also wieder eine Sammlung und Zusammentragung von Papier. Ebenfalls nicht gerade überzeugend, findet die Redaktion auch in diesem Punkt. Da hatten wir uns eigentlich mehr versprochen.

Betreuungsangebot durch eine Tagesmutter: Noch geben wir nicht auf. Lia braucht schließlich noch eine vertrauenswürdige Person, die sie nach dem Kindergarten betreut. Ein weiterer Aspekt unseres Tests ist deshalb die Vermittlung einer Tagesmutter. In diesem Punkt werden wir überrascht. Wir bekommen einen Zettel, auf dem wir einige Wunschangaben zur Tagesmutter machen können. Darauf hinterlassen wir unsere Telefonnummer für einen Rückruf, sollte sich etwas Passendes gefunden haben. Obwohl die junge Dame, die wir nun auch schon etwas gefordert haben, erklärt, dass sich ihre hierfür zuständige Kollegin im Urlaub befinde, erhalten wir nur zwei Arbeitstage später einen Rückruf. Am Apparat die besagte Kollegin, die sich noch einmal persönlich über unsere Angaben vergewissern möchte. Sie stellt in Aussicht, bis spätestens morgen den Kontakt zu einer geeigneten Tagesmutter zu liefern. Das ist leider noch nicht geschehen – aber wir glauben ihr. Mit diesem Service sind wir relativ zufrieden. Daumen hoch für die Vermittlung einer Tagesmutter.

Beratung über weiterführende Grundschulen: Lia ist in unserem Szenario schon vier Jahre alt. Lange dauert es nicht mehr, bis sie vom Kindergarten in die Grundschule wechseln wird. Zu guter Letzt erhoffen wir uns also noch Orientierung über das Schulangebot und Unterstützung für den Anmeldeprozess. Die immer noch sonnig gestimmte Beraterin erklärt uns den Weg vorbei an ihrem Schreibtisch, über den Flur, hin zu einem Regal. Darin soll, neben den Informationen anderer Hamelner Schulen, auch Wissenswertes über die Grundschulen des Landkreises fein säuberlich in einem Ordnersystem gesammelt sein. Wieder eine Sammlung an Papierkram. Leider aber auch eine lückenhafte, denn von 22 möglichen Schulinformationen blickt uns aus neun Ordnern gähnende Leere entgegen.

Wir meinen: Das ist verbesserungsbedürftig.

Fazit: Das FiZ ist eine gute Idee, findet die Redaktion. Doch die Beratungsqualität ist noch steigerungsfähig. Viel mehr als ohnehin in allgemeinen Listen und Flyern steht, erfahren wir hier nicht. Einen zentralen Überblick über freie Kindergartenplätze gab es leider auch nicht. Lia und ihre Mutter müssten wohl noch ziemlich fest in die Pedale der Eigeninitiative treten, bis sich die richtige Betreuungskombination für die vierjährige Tochter finden ließe.

Redaktion mal anders: Nina Reckemeyer unterwegs als Test-„Mama“ auf der Suche nach einem Kindergartenplatz in Hameln. Das FiZ in der Osterstraße soll dabei helfen. Doch welche Qualität hat der Service? Wal

Der Name soll Programm sein: Das FiZ versteht sich als Serviceagentur, die Familien ins Zentrum rückt. Die selbst gesteckte Messlatte liegt hoch. Aber hält die Beratungsstelle, was sie verspricht? Die Dewezet macht den Test.



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