weather-image
Sonderausstellung im Hamelner Museum

Fakten-Check für den „Medicus“

HAMELN. Er ist ein Welterfolg, der Mittelalter-Roman „Der Medicus“ des Amerikaners Noah Gordon. Allein in Deutschland erzielte das in 42 Sprachen übersetzte Buch eine Auflage von acht Millionen. Und Millionen Menschen gingen ins Kino, um die 26 Millionen Euro teure Produktion der UFA Cinema zu genießen. Seit 2016 ist der Stoff auch auf der Bühne zu erleben.

veröffentlicht am 22.11.2018 um 21:10 Uhr

Kurator Adrian Schwinge erläutert das Konzept der Ausstellung „Inspiration Mittelalter“. Fotos: dana
wft 4

Autor

Wolfhard F. Truchseß Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Das Musical im Hamelner Theater ist einerseits Anlass für das Museum, nach der Faszination des Mittelalters als Inspirationsquelle für künstlerische Bearbeitungen zu fragen, das Werk aber auch auf seinen historischen Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Denn nicht alles, was Noah Gordon so authentisch wiedergibt, entspricht der geschichtlichen Wirklichkeit. Es ist eine Art Fakten-Check, den der Besucher des Museums mit der Sonderausstellung „Inspiration Mittelalter“ erlebt.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist die museumseigene Mittelalter-Abteilung mit ihren historischen Objekten. Dabei offenbart sich auch das Spannungsfeld, in dem sich Rekonstruktionen der Vergangenheit bewegen: Einerseits leisten Darstellungen in Romanen einen wichtigen Beitrag zur Aneignung von Geschichte, andererseits aber bedienen sich die Autoren bewusst künstlerischer Freiheiten, um Dramatik und Unterhaltungswert meist mit einem personalisierten Plot spannungsreich zu steigern.

Sehr dankbar zeigte sich Adrian Schwinge, der Kurator der Ausstellung, dem aus Cloppenburg stammenden Bühnenbildner – im Filmgenre Set-Designer genannt – Udo Kramer, dass er dem Museum exakte Baupläne, viele Skizzen und Fotos aus der Bauphase für den Film zur Verfügung gestellt hatte. „Das macht anschaulich, wie so eine Produktion entsteht“, schilderte Schwinge den Raum mit den Plänen, den Original-Kostümen von Oskar-Preisträger Ben Kingsley (Ibn Sina), Tom Payne (Rob Cole), des Baders und etlicher medizinischer Instrumente, die in der Verfilmung Verwendung gefunden hatten. An vielen Beispielen demonstriert die Ausstellung, dass Noahs vom Mittelalter gezeichnetes Bild wohl doch nicht ganz in die Zeit um das Jahr 1000 passte. „Den Badern etwa drohte als Barbieren keineswegs der Vorwurf der Hexerei – auch ihre medizinischen Kenntnisse beschränkten sich meist auf Harnschau, das Setzen von Blutegeln und die Verordnung von Heilkräutern“, wie Schwinge gestern während einer Führung durch die Ausstellung erläuterte.

Eine der Requisiten aus dem Film „Der Medicus“.
  • Eine der Requisiten aus dem Film „Der Medicus“.
Ein Tora-Lesestab
  • Ein Tora-Lesestab

Auch mit der Frömmigkeit sei es im gemeinen Volk damals weniger weit her gewesen, als im „Medicus“ dargestellt. „Viele einfache Menschen haben damals niemals eine Kirche von innen gesehen“, verwies Schwinge auf die damals noch gar nicht vorhandene kirchliche Infrastruktur. „Und in eine Klosterschule wäre der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Rob Cole sicher auch nicht gegangen“, meint der Historiker.
Info: Die Ausstellung „Inspiration Mittelalter“ läuft bis zum 24. Februar 2019. Öffnungszeiten: Dienstags bis sonntags 11 bis 18 Uhr. Gedacht ist die Ausstellung für individuelle Besuche. Auf Wunsch werden aber laut Museumschef Stefan Daberkow auch Führungen angeboten.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt