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Das Prinzip des fairen Handels ist vielen Kunden trotzdem nicht geläufig

Fairtrade? „Ja, kenne ich …“

Hameln. Fairtrade ist in, Fairtrade ist richtig, Fairtrade ist cool. Hameln-Pyrmont ist Fairtrade-Landkreis und das nur zu gern. Zum Ende der deutschlandweiten „Fairen Woche“ stellten sich die Befürworter aus der Handeslehranstalt noch einmal breit auf: 40 Azubis aus Supermärkten und Discountern bauten Informationsstände in acht Geschäften auf. Trotzdem schien das Interesse der Kunden eher gering. „Ich denke, dass die Leute es einfach eilig haben, gegen Mittag wird es besser laufen“, so Klassenlehrerin Kathrin Schaper.

veröffentlicht am 28.09.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 01:41 Uhr

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Autor:

von julia rau
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Ist Aufklärung etwa überflüssig? Das scheint zumindest der Fall zu sein, wenn man sich bei den Kunden, die den Stand links liegen lassen, umhört. „Ich kenne das schon aus dem Fernsehen“, sagt der eine, ein anderer: „Ich weiß schon, was das ist.“ Auch die Preise sind für die Kunden akzeptabel. „Sobald wir den Leuten sagen, warum die Produkte teurer sind, verstehen sie das auch“, sagt die Auszubildende und HLA-Schülerin Filiz Abi. Die meisten der befragten Kunden fanden fairen Handel offenbar gut, hielten sich aber für bereits bestens informiert. Klar, das bekannte Logo der FLO e.V. ist schließlich nicht zu übersehen. Der Bundesverband Verbraucher-Initiative bewertet es in seiner Label-Datenbank mit der Höchstnote „empfehlenswert“. Was genau dahintersteckt, ist etlichen Bürgern dennoch unklar. Fragt man in Hameln nach, ob Fairtrade bekannt ist, folgt bei den meisten auf ein selbstbewusstes „Ja, kenne ich“ eine lange Pause. Nur wenige wissen, um was es bei Fairtrade genau geht. Luisa Hebestadt aus Hameln zum Beispiel hat zwar davon gehört, „was das genau ist, weiß ich aber nicht“. „So ist es bei vielen“, sagt Birgit Maly, Inhaberin eines Teegeschäftes, in dem auch Fairtrade-Produkte angeboten werden. „Das interessiert die Leute nicht, ihnen ist Bio wichtiger“, behauptet sie. Das Biosiegel tragen immerhin auch 65 % der Fairtrade-Waren.

Fairtrade ist englisch und bedeutet fairer Handel. Es geht um die Art, wie Produkte gehandelt werden. Den Produzenten aus Südamerika, Afrika und Asien soll ein fairer Preis für ihre Waren gezahlt werden, die Arbeiter sollen einen gerechten Lohn erhalten. Außerdem gibt es keine Zwischenhändler, und Kinderarbeit ist verboten. Durch langfristige Lieferverträge soll ein stabiles Vertrauensverhältnis zwischen den Beteiligten entstehen. Vorauszahlungen verhindern auch bei Ernteausfällen die Verschuldung der Produzenten. Wer das Fairtrade-Siegel auf seine Produkte macht, garantiert diese Bedingungen des Handels.

Doch wie fair ist fair? Timo Bartsch beispielweise ist skeptisch: „Ich kann ja nicht selbst sehen, wo es herkommt.“

Tee, Kaffee und Bananen mit dem Siegel sind meist zu 100 Prozent fair gehandelt. Bei Mischwaren wie Keksen oder Müsli ist jedoch nicht für jeden eindeutig, was genau nun Fairtrade ist. Die Organisation FLO, die das Siegel vergibt, schrieb 2011 fest, dass mindestens 20 Prozent der Mischwaren fair gehandelt sein müssen. Auf den geringen Mindestanteil hingewiesen, reagieren die Befragten unterschiedlich. „Das ist doch Augenwischerei“, glaubt Jörn Skrabber. Nico Schmelkus meint: „Das hätte man sich denken können, das es nicht mehr sein muss“.

Die genaue Zahl findet sich meist auf der Rückseite. „Häufig verschwindet die Angabe in einem Fließtext, der Details zum Siegel erklärt. Deshalb fordern wir die genaue Kennzeichnung auf der Vorderseite“, so Brigitte Ahrens von der Verbraucherzentrale in Hannover.

„Das Problem ist, dass es für die Siegelvergabe keine gesetzliche Grundlage gibt. Die Organisation setzt die Maßstäbe und regelt Kontrollen“, sagt Ahrens. Gerade deshalb sei Eindeutigkeit wichtig. Schließlich kleben über 1 000 verschiedene Zertifizierungsetiketten auf deutschen Lebensmitteln.



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