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Bäume durch Bakterium beschädigt

Fällungen drohen: Großteil der Kastanien am Wall krank

HAMELN. Die Kastanien haben nicht nur mit der Hitze zu kämpfen. Rund 80 Prozent der Bäume am Kastanienwall sind nach Angaben der Stadt von einem Bakterium befallen. Bei einigen Bäumen ist die Krankheit bereits weit fortgeschritten. Und ein Gegenmittel gibt es nicht. Fällungen drohen.

veröffentlicht am 02.08.2018 um 17:40 Uhr

Kranke Kastanien: Rund 80 Prozent der Bäume am Kastanienwall sind betroffen. Foto: mo
Muschik, Moritz

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Frank Diekmann lehnt am Geländer der Arbeitsbühne. Hier, rund 15 Meter über dem Boden, kann er die kahlen Äste der Kastanien gut sehen. „Die sind das Problem“, sagt der Mitarbeiter vom Betriebshof der Stadt Hameln – und zeigt auf eine leere Stelle in der Baumkrone. Am ausgetrockneten Ast hängen keine Blätter mehr. Er muss abgesägt werden, um Autos und Passanten nicht zu gefährden.

Dass diese Arbeit wichtig ist, hat der rund 20 Zentimeter dicke Ast gezeigt, der diese Woche auf die Fahrbahn gefallen ist. Verletzt worden war dabei niemand. Fest steht aber: Den Kastanien geht es schlecht – und das nicht nur aufgrund der anhaltenden Trockenheit. Viele Bäume sind von einem Bakterium befallen.

Rund 80 Prozent der am Kastanienwall stehenden Bäume sind nach Angaben der Stadt von der Krankheit betroffen. Der Hitzestress kommt erschwerend hinzu. In welchem Ausmaß sich die Erkrankung an den Bäumen äußert, ist dabei sehr unterschiedlich. Bei einigen Kastanien ist die Krankheit jedoch bereits weit fortgeschritten. Das Problem: „Es gibt kein Gegenmittel, das gegen das Bakterium eingesetzt werden könnte“, sagt Stadtsprecher Thomas Wahmes. „Wir werden uns daher innerhalb der kommenden zwei bis fünf Jahre mit dem Gedanken beschäftigen müssen, sämtliche Bäume am Kastanienwall zu fällen.“

Äste werden abtransportiert. Foto: mo
  • Äste werden abtransportiert. Foto: mo
Der Verkehr ist beeinträchtigt. Foto: mo
  • Der Verkehr ist beeinträchtigt. Foto: mo

Ein kahler Kastanienwall, ein Kastanienwall ohne Kastanienbäume? Ein auf der Baustelle mit den Kastanien beschäftigter Experte äußerte gegenüber unserer Zeitung, dass es durchaus sein könne, dass es den Kastanienwall eines Tages ohne Kastanien geben könnte. Stadtsprecher Wahmes formulierte später, er gehe davon aus, dass an Kastanien festgehalten werden solle. In jedem Fall sollen Bäume nachgepflanzt werden. Dann sei zugleich geplant, den Standort zu verbessern – unter anderem durch eine Verbesserung des Bodens und eine Vergrößerung des Wurzelraumes. Wahmes: „Dies wäre mit erheblichen Kosten verbunden.“ Und müsse dann auch mit der Politik besprochen werden.

Auch andere Städte haben Probleme mit einem Kastaniensterben. Der Kieler Baumsachverständige Karsten Breier äußerte gegenüber unserer Zeitung, dass die Kastanie als Stadtbaum zusehends problematisch werde. Nach seinen Angaben waren in Kiel fast 40 Prozent des Kastanienbestands erkrankt. Breier: „Es ist weniger sinnvoll, neue Kastanien nachzupflanzen.“ Gerade jüngere Bäume seien vom Bakterienbefall betroffen. Die Stadt Lübeck pflanzt dagegen Kastanien – und achtet dabei darauf, dass Sorten nachgepflanzt werden, die widerstandsfähiger sind.

Noch wird in Hameln nicht reihenweise gefällt – doch eine bereits abgestorbene Kastanie an der Rathausquere muss weg. Hier wird in den kommenden Tagen die Kettensäge anrücken.

Mein Standpunkt
Muschik, Moritz
Von Moritz Muschik

Der Kastanienwall ohne Kastanien? Das ist nur schwer vorstellbar. Die Bäume sind prägend für das Stadtbild, nicht zuletzt für den Straßennamen. Wenn sie aber – aus welchem Grund auch immer – unsere Gesundheit gefährden, dann müssen sie weg. Und müssen in jedem Fall ersetzt werden.



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