weather-image
13°
Volksgruppe gedenkt Opfer von IS-Völkermord

Eziden fordern Freiheit für entführte Frauen

HAMELN. An der Hochzeitshausterrasse haben am Freitag etwa 100 Eziden der Menschen gedacht, die 2014 dem „Islamischen Staats“ zum Opfer fielen. Am 3. August vor vier Jahren wurden bei einem Überfall des IS Tausende getötet, 5000 Mädchen und Frauen entführt und versklavt. Ein Nebeneffekt der Gedenkveranstaltung am Freitag: Eziden aus der Türkei und Eziden aus Irak und Syrien, die letztes Jahr noch getrennt ihrer Opfer gedachte, gedachten an diesem Tag zusammen.

veröffentlicht am 03.08.2018 um 18:47 Uhr
aktualisiert am 03.08.2018 um 21:00 Uhr

Ein Demonstrant zeigt auf der Hochzeitshausterrasse Fotos von Eziden, die vor dem „Islamischen Staat“ fliehen. Foto: pk
Philipp Killmann

Autor

Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Es ist heiß, auch noch am späten Freitagnachmittag. Die Sonne scheint direkt auf die Hochzeitshausterrasse. Dort und auf den Bänken davor haben sich um die 100 Männer, Frauen und Jugendliche aufgereiht. Sie halten Fotos von flüchtenden Menschen in die Luft und zeigen ein großes Plakat. Darauf steht: „Wir werden und haben die verschleppten Frauen nicht vergessen! Die Freiheit der Frauen in Sengal ist auch unsere Freiheit!“ Es sind Hamelner Eziden, die an den am 3. August 2014 vom „Islamischen Staat“ (IS) verübten Genozid an ihrem Volk im nordirakischen Sindschar (auch: Sengal) erinnern und der Opfer gedenken.

Die Redner wechseln einander ab, halten ihre Ansprachen sowohl auf Kurdisch als auch auf Deutsch. „Die Freiheit der Frauen in Sengal ist die Freiheit der Menschheit“, ruft Dendel Özdemir, der Vorsitzende des Ezidischen Kulturzentrums Hameln, in das Megafon. Er erinnert daran, dass der Völkermord und vor allem der Feminizid, die Frauentötung, weiterhin andauere. Nach wie vor befänden sich mehrere Tausend ezidische Mädchen und Frauen in Gefangenschaft des IS oder werden als Sklaven missbraucht. Der IS hatte 2014 mit Sindschar das Hauptsiedlungsgebiet der Eziden überfallen, mehrere Tausend getötet und 5000 Mädchen und Frauen entführt. Mehrere Tausend Eziden flohen ins Gebirge. Özdemir forderte die Befreiung der Frauen und Schutz vor weiterer Verfolgung, gedachte „der Opfer mit großer Trauer, aber auch mit großem Respekt“ und würdigte „den heldenhaften Widerstand der Frauen“ im Irak.

Auch wenn diese Gedenkveranstaltung deutlich kleiner war als im Vorjahr, so bedeutet sie für die Eziden in Hameln vielleicht doch einen Erfolg. Gedachten 2017 die schon seit vielen Jahren in Hameln ansässigen Eziden aus der Türkei auf der einen Seite und die aus dem Irak und Syrien vor dem IS geflohenen neuen Hamelner Eziden auf der anderen Seite noch jeweils für sich, so sind sie dieses Mal vereint. „Wir gehen aufeinander zu“, so drückt es Nawaf Seydo aus. Er hatte letztes Jahr die Gedenkveranstaltung der irakischen und syrischen Eziden organisiert. Als Grund für die getrennten Veranstaltungen hatte er damals „Politik“ genannt, welche die Eziden aus dem Irak und Syrien nicht mit dem Gedenken vermengen wollten. Unter der Bedingung, „die Politik“ diesmal außen vor zu lassen, gedachten sie nun zusammen mit den Mitgliedern des Ezidischen Kulturzentrums der Opfer ihres Volkes. Folglich waren Flaggen von politischen Gruppen bei der gestrigen Demonstration nicht zu sehen.

Foto: pk
  • Foto: pk
Foto: pk
  • Foto: pk
Foto: pk
  • Foto: pk
Foto: pk
  • Foto: pk
Foto: pk
Foto: pk
Foto: pk
Foto: pk


Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare