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Extra-Würste gibt es nicht

veröffentlicht am 26.07.2009 um 17:45 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:37 Uhr

Für Stadtwerke-Mitarbeiter sind Baumaterialien tabu

Hameln (wul). Ganz anders als die Stadtwerke der Nachbarstadt Bad Pyrmont handhabt der Hamelner Energieversorger die Weitergabe von Betriebsstoffen an die eigenen Mitarbeiter. In der Kurstadt hatte vor Kurzem ein vermeintlicher Diebstahl von Baustoffen für Beachtung gesorgt – wie sich im Nachhinein herausstellte, hatte sich jedoch lediglich ein Stadtwerke-Mitarbeiter die übriggebliebenen Steine in Eigenregie von einer Baustelle geholt, die ihm sein Arbeitgeber zum Einkaufspreis überlassen hatte. Etwas, das in Hameln nicht passieren würde, wie die Stadtwerke-Chefin Susanne Treptow zu verstehen gibt.
 Weder kommen die Hamelner GWS-Mitarbeiter in den Genuss, sich günstiger als im Baumarkt Material zu beschaffen, noch, sich Geräte auszuleihen, noch günstig an Strom zu kommen. Letzteres betrifft allerdings nur jene Mitarbeiter, die neue Verträge bekommen, wie Susanne Treptow erzählt. Wer zu alten Bedingungen eingestellt wurde, hat jährlich einen Grundfreibetrag von 40 Euro bei seinen Stromrechnungen, was der Zählergebühr entspreche. Früher, erinnert sie sich, als Wesertal noch die Monopolstellung hatte, sparten die Mitarbeiter immerhin ein Drittel der Rechnung – wodurch für das Unternehmen „richtige Kosten entstanden“, die letztlich alle Kunden über den Strompreis mittrugen. Mit der Begründung, dass Hameln ein Dorf sei, lehnt sie es grundsätzlich ab, Mitarbeitern Material und Geräte auszuleihen. Dem Image der Stadtwerke könnte es schaden, wenn jemand Gerüchte in die Welt setzt, nach denen mit GWS-Geräten außerhalb der regulären Arbeitszeiten und an wundersamen Plätzen gearbeitet, schwarzgearbeitet, würde. Eine private Erleichterung allerdings gibt es auch an der Hafenstraße: „Wir haben einen Bulli – den darf man sich ausleihen, wenn man zum Beispiel umziehen will“, sagt Treptow. Gezahlt werden müsse dafür die gesetzliche Kilometerpauschale. Auch den Mitarbeitern der Öffis, einer 100-prozentigen Tochter der Stadtwerke, nützt ihr Arbeitgeber wenig, wenn es um vergünstigtes Fahren mit den Bussen geht. Freikarten habe es früher mal gegeben – die habe aber kaum einer genutzt, erzählt Treptow, die neben Carsten Busse auch die Geschäfte der KVG führt.
 Wenn es sonst schon kaum Vergünstigungen vom eigenen Arbeitgeber gibt, so tragen aber die Jubiläums- und Geburtstagsgeschenke bei den Stadtwerken den Stadtwerkestempel. Zum 50. und 60. Geburtstag gibt’s Parkwertkarten à 25 Euro, und anlässlich einer 25 Jahre langen Firmenzugehörigkeit kann mit der Geschäftsführung gefrühstückt werden. Bei den Öffis werden zu runden Geburtstagen, dem 40., 50. und 60., Gutscheine und Blumensträuße im Wert von 40 Euro verschenkt. Über zwei zusätzliche Monatsgehälter freuen sich die Kollegen, die ihrem Arbeitgeber seit 25 und 40 Jahren die Treue halten.
 Vergünstigungen, Rasenmäher ausleihen, Firmenwagen zur Verfügung stellen? Gibt’s nicht, lautet die Antwort der Stadt Hameln. Was den Mitarbeitern aber gegönnt wird: Dienstag- und Donnerstagabend dürfen sie zwei Stunden lang im Südbad ihre Bahnen ziehen, ohne dafür zahlen zu müssen. „Im Rahmen der Gesundheitsvorsorge.“

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