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Ein satirischer Jahresrückblick

Exklusiv: Der Weihnachtsmann im Interview

Lieber Weihnachtsmann, in Hameln haben wir einen neuen Oberbürgermeister. Ihre Amtszeit dagegen erscheint unendlich.

veröffentlicht am 24.12.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 11.07.2017 um 17:08 Uhr

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Genau wie meine Beliebtheit. Ich sehe ehrlich gesagt niemanden, der mir das Amt streitig machen könnte. Und bitte, der Vergleich mit dem Rathaus schmerzt: Ich bin so bürgernah, dass ich ohne Anmeldung in jedes Wohnzimmer darf.

Der Rattenfänger kann Ihnen das Wasser reichen. Immerhin ist er Immaterielles Kulturerbe …

Das beeindruckt mich nicht. Ich bin eher für die materiellen Dinge zuständig. Die machen unter dem Weihnachtsbaum einfach mehr her.

Punkt für Sie. Hameln hat in diesem Jahr einen Verlust hinzunehmen: Die Briten sind weg. Traurig darüber?

Darüber hat mich die Stadt leider nicht rechtzeitig informiert. Jetzt stehe ich hier mit meinen Geschenken. Aber ich habe gehört, die Bundeswehr ist eh viel bedürftiger.

Apropos wirtschaftliche Probleme: Hameln Pharma wurde in die Schweiz verkauft. Haben Sie manchmal Angst, dass ihr Betrieb von den Chinesen geschluckt wird und eine Kopie im Weihnachtsmannkostüm herumläuft?

Ein chinesischer Weihnachtsmann? Niemals! Ein solches Plagiat würden meine Anhänger doch nicht akzeptieren! Hoffe ich jedenfalls …

Manchmal kommen Probleme aus einer unerwarteten Richtung. Die Piloten- und Lokführergewerkschaften haben so viel gestreikt in diesem Jahr, dass man Angst um Weihnachten haben musste.

Ja, es gibt Splittergewerkschaften, die wollen für alle Arbeitnehmer sprechen, aber das haben meine Rentiere zum Glück noch nicht mitbekommen. Bitte veröffentlichen Sie diesen Hinweis nicht!

Hatten Sie denn schon mal einen Streik im Betrieb?

Wir arbeiten 24 Stunden und liefern mehr aus als Amazon. Wer hat da Zeit für einen Streik?

Und alles per Schlitten. Haben Sie überhaupt einen Flugschein? Gerade Prominente sind in letzter Zeit gerne ohne Führerschein unterwegs.

Na ja, der Pilotenschein ist schon etwas älter ...

... das heißt, Sie fliegen ohne Flugschein?

Ja, ich komme einfach nicht dazu, den erneuern zu lassen. Aber bisher ist alles glattgegangen. Und wenn ich doch mal erwischt werden sollte: Ich hab den ganzen Schlitten voller Geschenke, da ist sicher einiges dabei, was den Beamten gefällt.

Gibt es noch andere Probleme im Luftraum?

Ja, meine Rentiere sind nicht mehr die Jüngsten, und wenn ich in die Nähe von Windrädern komme, sehen sie rot. Bei dem permanenten Blinken weiß man ja nicht mehr, ob man in einer Folge von „NYPD Blue“, auf dem Flughafen oder in der Disco ist. Neulich hat mir so ein Flügel sogar die Mütze vom Kopf gerissen.

Bald wird es hier noch viel mächtigere Masten geben, wenn Tennet die neue Stromtrasse baut …

Ich habe davon gehört und kann es überhaupt nicht verstehen. Ich habe den Blick von oben auf das Weserbergland immer genossen. Bis auf die Baustellen natürlich, die werden immer mehr. Vor allem hier in Hameln.

Die Münsterbrücke?

Genau, genau. Außerdem weiß man ja nicht, ob die Brücke den schweren Schlitten trägt, man hört von Rissen im Beton …

Achten Sie denn beim Transport darauf, dass ihr Gefährt nicht überladen ist?

Das lässt sich leider nicht vermeiden, ich hab nur diesen einen Schlitten. Und der Wasserweg scheidet für mich ja wohl auch aus, ich habe gehört, die Weser wird herabgestuft.

Aber dafür soll es eine ausgebaute Gütertrasse geben. Das würde doch helfen, oder?

Wissen Sie: Ich möchte meine Popularität hier nicht aufs Spiel setzen. Nächste Frage, bitte! Nur so viel: Die neue Landebahn am Münsterkirchhof, da muss ich sagen: Danke!

Sie sind bekannt dafür, auch ungewöhnliche Wünsche zu erfüllen. Das Atomkraftwerk in Grohnde braucht dringend neue Drosselkörper. Wie sieht es damit aus?

Für ein Auslaufmodell liefere ich nicht mehr. Und e.on hat diesmal zu meiner Überraschung auch keinen Wunschzettel geschrieben. Ehrlich gesagt bin ich darüber auch ganz froh. Sie wissen ja: Ich komme immer durch den Schornstein. In so einem Kraftwerk ist das keine schöne Sache.

Offiziell spricht man von einem meldepflichtigen Ereignis. Als Weihnachtsmann steht man wohl immer mit einem Bein im Gefängnis, oder?

Da sagen Sie was. In Hameln muss man ja schon Angst haben, wenn man im Bürgergarten zu laut „Hohoho“ ruft …

Gab es denn schon Anzeigen gegen Sie?

Deshalb noch nicht, aber von Zeit zu Zeit wegen Hausfriedensbruchs oder – von Kindern – wegen Vortäuschung falscher Tatsachen. Sogar das Jugendamt stand mal vor meiner Tür. Man warf mir vor, ich hätte Schläge angedroht. Aber das war Knecht Ruprecht.

Zum guten Schluss: Wie steht es um Ihre Steuermoral? Schließlich ist Ihr Unternehmen am Nordpol gemeldet.

Komisch – das wird mir ständig unterstellt, dass ich den nur als Steuer-Oase nutze. Aber – geschenkt.

Interview: doro



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