weather-image
22°
Es geht um 4,68 Euro und Verrat

Ex-Geliebte bringt Polizeibeamten auf Anklagebank

Hameln (ube). Er sagt über sich, er sei ein Polizeibeamter aus Überzeugung, einer, der seit 23 Jahren Straftäter verfolgt und keiner, der krumme Dinger dreht. Gestern saß der Oberkommissar (41) selbst auf der Anklagebank. Vor dem Amtsgericht Hameln musste sich der Beamte wegen zweier Straftaten verantworten. Um es vorwegzunehmen: Der nicht vorbestrafte Ordnungshüter wurde nicht verurteilt, wohl aber verwarnt.

veröffentlicht am 02.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 09:21 Uhr

Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Die Staatsanwaltschaft in Hannover hatte dem Mann vorgeworfen, er habe in der Zeit vom 26. Juni bis zum 21. August 2007 insgesamt 21- mal von dienstlichen Telefonapparaten privat telefoniert. „Er hat sich damit einen rechtswidrigen Vermögensvorteil verschafft“, sagte die Staatsanwältin. Dem Land Niedersachsen sei dadurch ein Schaden in Höhe von 4,68 Euro entstanden.

Im zweiten Anklagepunkt ging es um Geheimnisverrat. Der Oberkommissar soll seiner damaligen Bekannten erzählt haben, dass der Lebensgefährte ihrer Freundin per Vollstreckungshaftbefehl gesucht wird. Grund: Der Mann hatte eine Geldstrafe nicht bezahlt. Der Polizeibeamte bestritt die Vorwürfe. Er räumte lediglich ein, „mal angerufen zu haben, um mitzuteilen, dass es aus dienstlichen Gründen später werde“.

Wäre es nur nach Verteidiger Uwe Behnsen und Richter Hans-Otto Bartsch gegangen, dann hätte das Verfahren wegen geringer Schuld gegen eine Geldbuße eingestellt werden können. Aber die Staatsanwältin blieb hart.

Verteidiger Behnsen meinte, es sei „zulässig, von der Arbeitsstelle zu Hause anzurufen, wenn ein privater Termin nicht gehalten werden kann, weil etwas Berufliches dazwischengekommen ist“. Auch Strafrichter Bartsch konnte daran nichts Schlimmes finden: „Solche Gründe rechtfertigen sicher, mal zum Hörer zu greifen.“

Die Ermittler der Polizei konnten nur nachweisen, wie oft die Nummer angerufen worden war, nicht aber, von wem – und schon gar nicht, weshalb. Schließlich beantragte die Staatsanwältin, das Verfahren einzustellen.

Den zweiten Punkt wollte die Anklagevertreterin aber unbedingt verfolgt wissen. Immerhin ging es um den Verrat von Dienstgeheimnissen. Seine ehemalige Geliebte (37) behauptete, der Polizist habe sie angerufen und gesagt, sie möge ihre Freundin vor deren Lebensgefährten warnen. Was die Hamelnerin nach Angaben der 25-Jährigen, die gestern als Zeugin aussagte, auch getan hat. Die Staatsanwältin hielt eine Geldstrafe in Höhe von 1800 Euro für angemessen. Verteidiger Uwe Behnsen plädierte auf Freispruch.

Das Urteil: Der Polizist wird nicht bestraft, wohl aber verwarnt. Zwei Jahre darf er sich nichts zuschulden kommen lassen, ansonsten wird die von der Staatsanwaltschaft geforderte Geldstrafe doch noch fällig. „Sie sind ein bisschen zu weit gegangen“, kommentierte Richter Bartsch den Verrat und meinte: „Ich gehe davon aus, dass Sie die 4,68 Euro fürs Telefonieren bezahlen werden.“

Ein Hamelner Polizist soll während des Dienstes privat telefoniert haben. „Dem Land Niedersachsen ist dadurch ein Schaden in Höhe von 4,68 Euro entstanden“, argumentierte die Staatsanwaltschaft – und klagte den Oberkommissar an.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt