weather-image
23°

Hohe Beteiligung – und hohe Verluste für SPD und CDU

Europawahl: „Hier war richtig was los“

Das war knapp: Um 17.56 Uhr hat es die junge Frau noch geschafft, ihr Kreuzchen zu machen. Warum sie sich auf den Weg gemacht hat? „Weil ich denke, dass Europa uns alle angeht“, sagt sie leicht außer Atem und verlässt das Hamelner Rathaus. So manchen trieb am Sonntag offenbar Idealismus an die Urne.

veröffentlicht am 26.05.2019 um 19:32 Uhr
aktualisiert am 27.05.2019 um 09:35 Uhr

Hamelns Rathaus im Zeichen der Europawahl. Eins der Hamelner Wahllokale. Foto: fh
Frank Henke

Autor

Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

WESERBERGLAND. „„Europa ist wichtiger denn je“, betonte Christoph Thiel. „Wir glauben an den Schmetterlingseffekt, mit einer kleinen Bewegung viel erreichen“, sagten Bianca und Christoph Wittershagen. „Damit uns auf keinen Fall so etwas passiert wie in Großbritannien.“

„Hier war richtig was los“, resümierte ein Wahlhelfer im Hamelner Rathaus, kurz bevor nach 18 Uhr die Stimmzettel aus der Urne auf den Tisch gekippt wurden und die Auszählung begann. Auch in anderen Wahllokalen war die Resonanz gut: Im Klütviertel etwa standen die Wähler phasenweise sogar Schlange.

Am späteren Abend war das auch an der offiziellen Europawahl-Beteiligung im Landkreis ablesbar. 58,4 Prozent gingen in Hameln-Pyrmont zu den Urnen. Zwar weniger als im Bundesschnitt, aber sogar etwas mehr als bei der letzen Wahl vor fünf Jahren (49,2 Prozent). „Sogar“ weil damals am selben Tag noch ein paar mehr Bürgermeister im Landkreis gewählt wurden als an diesem Sonntag, wovon die Europawahl profitierte.

Auszählung im Hamelner Rathaus. Foto: fh

Doch mit dem Frohlocken war es am Sonntagabend vorbei, wenn man mit den Vertretern der traditionell größten zwei Parteien – CDU und SPD – sprach: „Eine Katastrophe für die SPD“, fasste ein hörbar niedergeschlagener Bernd Lange das Ergebnis der Sozialdemokraten zusammen. Der Europaabgeordnete aus Burgdorf war im Wahlkampf erneut auch in Hameln-Pyrmont aktiv. Nun müsse die „Klarheit der Positionen“ überprüft, Geschlossenheit demonstriert und Beschlossenes umgesetzt werden. Dass es für die SPD in Hameln-Pyrmont zumindest etwas besser lief als auf Bundesebene, sei zumindest ein kleiner Trost. „Niedersachsen bedeutet ein Stück weit Stabilität für die Sozialdemokratie.“

Offenbar sähen die Wähler das Thema Klimaschutz bei den Grünen „besser aufgehoben“, sagte der SPD-Landtags- und Kreistagsabgeordnete Ulrich Watermann über das „dramatische“ Ergebnis seiner Partei.

Auch der CDU-Kandidat Tilman Kuban aus Barsinghausen – ähnlich wie Lange der „lokalste“ Kandidat seiner Partei aus Hameln-Pyrmonter Sicht – war nicht in Feierlaune. Zumal sich erst am späten Abend entscheiden sollte, ob sein „Wackelplatz“ auf der CDU-Landesliste tatsächlich reichte, um ins Europaparlament einzuziehen. Offenbar habe die CDU „als Europapartei nicht die richtigen Themen gesetzt“, sagte er. Die Wähler hätten beim Thema Klimaschutz eher auf die Grünen, beim Thema Sicherheit eher auf die AfD gezählt. Es sei fraglich, ob „Frieden, Freiheit, Wohlstand“ als Konzept noch ausreichten, sagte der Bundesvorsitzende der Jungen Union. Zudem seien – etwa nach der Kritik des Youtubers Rezo – „schwere kommunikative Fehler“ gemacht worden. „Der Klimaschutz hätte stärker im Vordergrund stehen müssen“, meinte auch der CDU-Kreisvorsitzende Hans-Ulrich Siegmund.

Deutlich fröhlicher war die Stimmung am Abend auf der Grünen-Wahlparty in Coppenbrügge. „Ich hätte nicht wirklich damit gerechnet, dass wir in Hameln-Pyrmont über 20 Prozent kommen“, sagte Britta Kellermann, eine der zwei Kreisvorsitzenden. Inzwischen sei die Wichtigkeit des Themas Klimawandel „auch dem Letzten ins Bewusstsein“ gelangt. „Und da sind wir einfach die Partei, die am meisten überzeugt.“

Knapp unter der Zehn-Prozent-Marke landete die AfD. Die Kreisvorsitzende Delia Klages ist zufrieden: „Wir haben uns als viertstärkste Kraft in Hameln-Pyrmont stabilisiert.“ Mit den Forderungen nach besserer „Außengrenzsicherung“ und weniger „Regulierungswahn aus Brüssel“ habe ihre Partei gepunktet.

„Kein grandioses, aber ein solides Ergebnis“ nannte Moritz Mönkemeyer (FDP) die 4,7 Prozent der Liberalen im Landkreis. Der 19-Jährige war als Kandidat der Hameln-Pyrmonter FDP in den Wahlkampf gezogen – allerdings ohne Chance, ins Parlament einzuziehen. Nun freue er sich darauf, „zu entspannen“.

„Für uns kein schönes Ergebnis“, bot der Abend für Stephan Marquardt, Kreisvorsitzender der Linken. Er sah seine Partei „bei den Themen gar nicht schlecht aufgestellt“, doch am Ende habe der Hype der Grünen auf Bundesebene wie lokal durchgeschlagen.



Links zum Thema

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?