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Präsident des ifo-Institutes fordert beim AdU-Herbstempfang Ausschluss der Krisenländer aus EU

„Europa steuert auf eine Katastrophe zu“

Hameln (CK). „Europa steuert auf eine Katastrophe zu“, meint Hans-Werner Sinn. Der Präsident des Münchner ifo-Institutes hielt gestern die Festrede beim traditionellen AdU-Herbstempfang. Seine Forderung: Die Krisenländer Griechenland und Portugal müssten zumindest zeitweise aus der Eurozone ausgeschlossen werden. Und einen weiteren Krisenkandidaten hat der Professor aus München mit Frankreich ebenfalls schon ausgemacht.

veröffentlicht am 20.11.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 04:21 Uhr

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In den „Marktfolgeabteilungen“ der Banken regiert statt der Emotio allein die Ratio. Mit solchen Strukturen wollte man Banken und deren Kreditgeschäft sicherer machen. Mit diesen Worten leitete Ulrich Meyer, Vorsitzender des heimischen Unternehmerverbandes AdU, gestern im proppevollen Weserbergland-Zentrum den traditionellen Herbstempfang ein, in dessen Mittelpunkt Europa stand. „Die unabhängigen Marktfolgeabteilungen der Europäischen Zentralbanken sind von den politischen Mächten in den Keller geschickt, gefesselt und geknebelt worden. Somit ist scheinbar egal, wie sich ein Staatenmitglied der Europäischen Union verhält; gezahlt wird aus Angst vor größeren Konsequenzen“, urteilte Meyer, der zugleich beklagte, dass es keinen einflussreichen europäischen Politiker mehr gebe, der bereit sei, durch sein Votum das Risiko eines anderen Wegen mitzutragen.

Mit Blick auf die Wirtschaftslage im Weserbergland verwies Meyer darauf, dass auch in diesem Jahr bei vollen Auftragsbüchern gute Ergebnisse erwirtschaftet worden waren. Auch wenn steigende Energie- und Rohstoffpreise auf die Renditen drückten, so zeugen nach seinen Worten doch die guten Gewerbesteuerzahlen von der Leistungsfähigkeit mittelständischer Unternehmer. Allerdings spiegele sich diese Entwicklung längst nicht in allen Branchen wider. Was den allseits beklagten Fachkräftemangel angeht: „Wir haben nur die Chance, mit praktischen und weichen Argumenten von einer Lebensqualität in dieser Region zu überzeugen“, glaubt Meyer. Das klare Zukunftskonzept, das man dafür benötige, erkenne er allerdings nicht. „Wir brauchen eine Vision“, lautete seine Forderung an die politischen Entscheidungsträger. Dazu gehöre die Verbesserung der Infrastruktur, aber auch der Vorrang der Bestandspflege bei der Wirtschaftsförderung – „aber bitte nicht mit regionalen Fördermitteln aus der Gießkanne, sondern mit motivierten, flexiblen und interessierten Behördenstrukturen.“

Auch um „Moral und Gewissen“ ging es dem AdU-Vorsitzenden. Der möchte sich nämlich nicht „mit einigen wenigen Ausbeutern“ über einen Kamm scheren lassen. „Deutschland spart sich derzeit kaputt, auch mit Löhnen, und das erfreut keinen Unternehmer“, so Meyer. Die Handlungsoption sei allerdings: „Entweder Löhne gleich lassen oder bald weg vom Fenster.“ Außerdem habe man vielfach aus Kostengründen flache Hierarchien geschaffen, und möglicherweise liege darin ein Grund für das Scheitern von Erwerbsbiografien. „Vielleicht ist die Zunahme der psychischen Zusammenbrüche hier verortet, weil nicht alle Menschen diesem Tempo folgen können“, mutmaßte Meyer, der unterstrich, dass man keine „seelenlosen Workaholics“ wolle, sondern motivierte und loyale Mitarbeiter.

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Wieder volles Haus beim Herbstempfang des Arbeitgeberverbandes AdU gestern Abend im Weserbergland-Zentrum. Foto: Dana

Eine letzte These („Unternehmer sind reich“) wollte Meyer gleichfalls widerlegen: „Gefühlt verdient die Mehrzahl des heutigen Mittelstandes weniger als die Vorstände von Aktiengesellschaften und weniger als mancher Beamte.“ Jugendliche (selbst Erwachsene) hätten kaum eine Vorstellung von der Realität. Sein Angebot als AdU-Vorsitzender, als Unternehmer in alle Klassen zu gehen und zu informieren, sei aber von keiner einzigen Schule beantwortet worden. Deshalb erneuerte Meyer diesen Vorschlag.

Wo steht Europa, wo die Welt in zehn Jahren? Wächst die Schuldenblase weiter oder platzt sie? Antworten auf diese Fragen versuchte im Anschluss Prof. Dr. Dres. h.c. Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo-Instituts München, zu geben. Er referierte über „Die Entwicklung der Weltwirtschaft und die Situation in Deutschland und Europa“ – Interview folgt.



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