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Kulturerbe: Rattenfängersage setzt sich gegen niedersächsische Konkurrenz durch

Etappenziel erreicht

Hameln. Die Sektkorken knallen im Rathaus: Der Rattenfänger hat auf dem Weg zum immateriellen Kulturerbe der Unesco die erste Hürde genommen. Gegen sieben andere Bewerber aus Niedersachsen hat sich die Bewerbung „Der Rattenfänger von Hameln – lebendige Tradition und Inspirationsquelle“ durchgesetzt.

veröffentlicht am 12.04.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 14:41 Uhr

Autor:

VON ANDREA TIEDEMANN
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„Ich bin happy und auch ein wenig stolz“, sagt Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann mit einem Augenzwinkern. „Dass der Antrag toll war, war von Anfang an meine Meinung gewesen, aber jetzt Gewissheit zu haben, ist schon etwas ganz anderes“, fügte sie an. Auch Harald Wanger, Geschäftsführer der Hameln Marketing und Tourismus GmbH (HMT), freut sich: „Die Imagewirkung für unsere Stadt ist gar nicht hoch genug einzuschätzen.“ Erleichtert zeigte sich auch Projektleiterin Sarah Hartung. „Auch wenn es sich angedeutet hat – ich bin überrascht.“

Die Konkurrenz-Vorschläge „Niederdeutsche Theater“, „Shantys“, „Nachtwächter“, „Grünkohlessen“ und „Blaudruck“, hatten im niedersächsischen Auswahlverfahren das Nachsehen. Wanger sagt über den Etappen-Erfolg: „Es ist die erste wichtige Hürde auf einem langen Weg, der aber auch ein Marathon sein kann.“ Denn von der Vorauswahl in den bundesweiten Entscheid zu kommen, ist etwa wie ein Wechsel von der Grundschule aufs Gymnasium: die Anforderungen werden höher. In der nächsten Runde muss sich der Rattenfänger schon gegen weitaus bekanntere Konkurrenz wie den Rheinischen Karneval, das Bier-Reinheitsgebot und die Passionsspiele Oberammergau behaupten.

„Die Sage hat aber nach wie vor gute Chancen“, sagt Hartung. Schließlich sei die Geschichte weltweit bekannt. „Und die Hamelner leben die Geschichte – sie ist sehr präsent in der Stadt“, so die Kulturwissenschaftlerin, die den Antrag vorbereitet hat. „Jetzt heißt es vor allem: Weiter Daumen drücken!“ Der größte kreative Akt sei mit dem Antrag bereits vollbracht. Jetzt könnten von der Jury eventuell noch Nachfragen oder unter Umständen sogar ein Besuch in Hameln anstehen. „Möglicherweise wird auch noch gefordert, dass wir das Video zu dem Antrag auch auf Englisch produzieren“, sagt Hartung – das sei aber nur eine Vermutung.

„Ich bedanke mich bei der Jury und bei der Ministerin für Wissenschaft und Kultur für das ausgesprochene Vertrauen“, sagt Lippmann. Viele Bürger hätten bei der Antragstellung mitgewirkt und ihre Ideen eingebracht. Es sei ein großer Erfolg für das bürgerschaftliche Engagement in dieser Stadt. Persönliche Gratulationen wird die niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Dr. Gabriele Heinen-Kljajic, am 11. Mai in Hameln überbringen. Pünktlich zum Auftakt der Rattenfänger-Freilichtspiel-Saison kommt sie in die „Gewinner-Stadt“.

Deutschland ist 2013 dem Unesco-Abkommen zum Schutz und Erhalt des immateriellen Kulturerbes beigetreten. „Ich habe schon seit längerem die Debatte um den Beitritt Deutschlands mitverfolgt. Als es 2013 so weit war, sollte der Rattenfänger von Hameln auf gar keinen Fall fehlen“, so Stadträtin Gaby Willamowius, auf deren Initiative die Bewerbung fußt.

Der nächste Schritt ist es nun, von der Kultusministerkonferenz und dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien auf das nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes gesetzt zu werden. In Absprache mit der Deutschen Unesco-Kommission wird diese Liste bis Herbst 2014 zusammengestellt und auf deren Internetseite veröffentlicht. Aus dem nationalen Verzeichnis werden dann Kulturgüter ausgewählt, die Deutschland dem internationalen Ausschuss als immaterielles Weltkulturerbe der Unesco vorschlägt.

Vertragsstaaten können jedes Jahr bis 31. März Nominierungen bei der Unesco einreichen. Erste Vorschläge aus Deutschland kann es

demnach erst 2015 geben und eine endgültige Aufnahme kann sich bis Ende 2016 hinziehen.

Doch bis es zu einer endgültigen Entscheidung kommt, setzen sich die Hamelner auch in der Zwischenzeit weiter dafür ein, die Rattenfänger-Sage lebendig zu halten.

„Nicht nur die Gebäude, sondern auch das, was die Menschen tun, wollen wir als Kulturerbe ins Bewusstsein bringen“, sagt Hartung. So soll der 26. Juni – der Tag, an dem der Rattenfänger im Jahre 1284 die Hamelner Kinder entführt hat – sich langfristig als besonderer Tag etablieren. Dieses Jahr veranstalten der wohltätige Verein Interhelp und die HMT zum Gedenken an den Kinderauszug vor 730 Jahren eine „Pied Piper Challenge“ nach Emmerthal.

In den kommenden Jahren wollen weitere Kultur- und Bildungsinstitutionen in Hameln – 2015 das Museum, 2016 das Theater und 2017 die Volkshochschule – den 26. Juni mit Aktionen und Programmen gestalten.



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