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Helfer zum Auflesen gesucht

Esskastanien – zum Vermehren gut

HAMELN. Hameln steht auf der langen Liste der in Deutschland registrierten Forstsamen- und Forstpflanzenbetriebe und verfügt über sechs Saatgutbestände, deren Früchte und Samen gesammelt, gelagert und verkauft werden. Für das Auflesen einer Esskastaniensorte sucht Forstamtsleiter Ottmar Heise tatkräftige Unterstützung.

veröffentlicht am 07.09.2018 um 16:50 Uhr
aktualisiert am 07.09.2018 um 18:40 Uhr

Nicht nur zum Aufessen: Aus bestimmten Kastanien werden neue Bäume gezogen.
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Woher nehmen, wenn nicht kaufen? Aus einem eigenen Pflanzgarten jedenfalls nicht mehr. Wenn in Hamelns Stadtwald Flächen aufgeforstet werden sollen, muss Förster Heise auf Pflanzen von Baumschulen zurückgreifen, die wiederum nur zugelassenes Saatgut verwenden dürfen, das aus sogenannten anerkannten Beständen stammt. Aber auch Hameln beteiligt sich mit seinen Früchten. Der Schweineberg rund um das Forsthaus Heisenküche beheimatet einen „ausgewählten“ Bestand an Esskastanien (Castanea sativa Mill.) auf einer Fläche von etwa 0,6 Hektar, der sogar das Gütezeichen SHK für Sonderherkunft trägt. Diese Güteklasse wird von der privatwirtschaftlichen Gütegemeinschaft für forstliches Vermehrungsgut (DKV) dann vergeben, wenn das Ausgangsmaterial „besonders hochwertig“ ist. Mit „Sonderherkunft“ können Bestände nur dann zusätzlich bezeichnet werden, wenn das Ausgangsmaterial bereits amtlich zugelassen und im Erntezulassungsregister aufgenommen ist. Grundlage dafür bildet bundesweit das Forstvermehrungsgutgesetz (FoVG). „Die von der DKV an die Erntebestände gestellten Anforderungen liegen deutlich über den gesetzlichen Mindestnormen“, heißt es auf der Internetseite der Gemeinschaft. Die Esskastanie könnte nach Einschätzung von Forstleuten in Zukunft eine größere Rolle spielen, sollte sich der Klimawandel fortsetzen. Sie gilt als klimatolerant, gedeiht auch an trockenen Standorten und verträgt Wärme gut.

Esskastanien, die am Schweineberg gesammelt wurden, werden zunächst in der Werkstatt des Forstamts zwischengelagert, bevor sie an Baumschulen oder staatliche Abnehmer wie Saatgutstellen verkauft werden. „Das ist für uns kein Geschäft“, sagt Heise über die überschaubare Summe Geld, die mit den Früchten verdient wird. Etwa 12 Euro pro Kilogramm Esskastanien erhält das Forstamt. Die größte Menge, die am Schweineberg bislang gesammelt wurde, betrug laut Heise 40 Kilogramm innerhalb von zwei Wochen.

Neben dem Esskastanienbestand – dem nördlichsten Europas –, der seit etwa fünf Jahren als Sonderherkunft für Saatgut geführt wird, liegen im Hamelner Beritt noch zwei ausgewählte Bestände mit Traubeneichen, einer mit Stieleichen, einer mit Bergahorn und einer mit Roteichen. Letztere sind ebenfalls als Sonderherkunft anerkannt. Wie die in diesen Breitengraden ursprünglich nicht heimischen Ess- oder auch Edelkastanien es nach Hameln geschafft haben, könnte sich laut Heise so zugetragen haben: Bei Schwöbber soll es früher eine Esskastanienallee gegeben haben; es könne sein, dass die Pflanzen am Schweineberg (von denen der älteste Baum 180 Jahre alt ist) aus Schwöbber rübergebracht wurden. Um 1855 sei am Schweineberg Acker aufgeforstet worden, mit 50 Prozent Esskastanie und 50 Prozent Walnuss, von der jedoch nach strengen Wintern heute nichts mehr zu sehen ist. Zur Herkunft der Esskastanie am Schloss Schwöbber wiederum gibt es diese Theorie: Römer haben die mediterrane Baumart, die auch an den norditalienischen Seen weit verbreitet ist, über die Alpen gen Norden gebracht. „Das Holz der jungen Esskastanien konnte man gut als Rebpfähle benutzen“, weiß Heise. Wie und wann genau sie letztlich in Schwöbber gelandet sind, könne er nicht sagen.

Noch fallen die Früchte nicht, auch weiß Heise nicht, wie ihre Qualität ausfällt. Trotzdem sucht er schon jetzt Helfer, die bereit sind, Esskastanien am Schweineberg zu sammeln. Denn: Die Konkurrenz, so man sie so nennen will, schläft nicht. Viele Menschen, die aus Südosteuropa stammten, schätzten die Esskastanien als Speise und sammelten sie – auch manchmal abseits der Wege, obwohl das Verlassen der Wege am Schweineberg verboten ist. „Wenn sie die Kastanien von den Wegen aufsammeln, habe ich nichts dagegen“, sagt Heise. Für das übrige Gelände würde er gerne eine größere, „zuverlässige Familie“ engagieren, die vorher eingewiesen wird und die dann, wenn der Zeitpunkt gekommen ist, mindestens alle zwei Tage die heruntergefallenen Esskastanien aus dem abgegrenzten Bestand herausholt. Ein Entgelt pro Kilogramm gesammelter Früchte werde es auch geben, kündigt Heise an.


Wer Interesse hat mitzuhelfen, kann sich im Forstamt melden unter 05151/202 3025 (8 bis 12 Uhr) oder per E-Mail an forst@hameln.de.



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