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„Es wird Zeit, die militante und emotionale Ebene zu verlassen“

veröffentlicht am 19.07.2011 um 16:06 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:35 Uhr

Hameln (CK). Auch die niedergelassenen Ärzte in Hameln haben ein großes Interesse am Erhalt des Brustzentrums am Sana-Klinikum. Nachdem die KVN einem niedergelassenen Radiologen Priorität bei der Brustkrebsnachsorge und hier vor allem der Mammografie eingeräumt hatte und nun auch die onkologisch-gynäkologische Ambulanz nachzieht, hatten bekanntlich mehr als 4000 Betroffene Unterschriften gesammelt und sich für eine „Nachsorge aus einer Hand“ am Klinikum ausgesprochen. Und dabei wurde teilweise schweres Geschütz aufgefahren.

„Es wird Zeit, die militante und emotionale Ebene zu verlassen und zu den Fakten zu kommen. Ich selbst bin beispielsweise seit 20 Jahren in Hameln ärztlich tätig und weiß, dass am Krankenhaus gute und segensreiche Arbeit geleistet wird. Diese wird auch in Zukunft weiter erfolgen“, sagt Dr. med. Jens Mosel, niedergelassener Internist und Pneumologe und zugleich Kreisstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Das Problem sei, dass bei der KVN, die ambulant abgerechnete Leistungen finanzieren müsse, „im Rahmen der beantragten Verlängerung der Ermächtigung bei der Prüfung eine sehr hohe Fallzahl von Mammografien“ auffiel. Aus diesem Grund seien die in Hameln niedergelassenen Radiologen um Stellungnahme gebeten worden, beide hätten freie Kapazitäten angegeben. „Hier in Hameln erfolgte in den letzten Tagen allerdings eine umgekehrte Darstellung, Mitte Juli wurde seitens der Patienten sogar von einem Praxisboykott gesprochen“, so Mosel.

Ermächtigungen von Krankenhausärzten dienen nach seiner Aussage dazu, Versorgungslücken in der ambulanten Versorgung zu schließen. Mosel sagt, wenn zu viel abgerechnet werde, müsse die KVN handeln und habe eine Klinikärztin wie folgt ermächtigt: „Untersuchung auf Mamma-Tumor, ausgenommen Tumornachsorge, bei Frauen und Männern auf Überweisung von niedergelassenen Gynäkologen (bei Männern allen Vertragsärzten), begrenzt auf 300 Fälle“, sowie „Durchführung der Vakuumstanzbiopsie der Mamma auf Überweisung von Gynäkologen“.

Bei den Nachsorgemammografien für Betroffene, die vor Jahren therapiert worden seien, sei die Dramatik möglicherweise nicht ganz so ausgeprägt wie in den letzten Tagen dargestellt, glaubt er. Und was die onkologische Versorgung betrifft: „Nach Rücksprache mit der niedergelassenen Onkologin kam heraus, dass sie keinesfalls die langjährige gynäkologisch-onkologische Arbeit am Klinikum gefährden will. Vorrang dürfe der Klinikarzt weiterhin haben, eine Monopolstellung ist in Anbetracht der hohen Fallzahlen allerdings nicht mehr haltbar“, sagt der KV-Sprecher. Beide Hamelner Onkologen hätten gegenüber der KVN Kapazitäten signalisiert. Der Mediziner kritisiert: „Das Sana-Klinikum reagiert mit ,fehlender Planungssicherheit’, und es wird auf den Zugang zu Medikamenten verwiesen, die für manche ,die letzte Hoffnung’ bedeuten könnten – als wenn die beiden niedergelassenen Onkologen diese Medikamente nicht hätten und keine onkologischen Studien durchführen würden.“ Weiterhin sei die Rede davon, dass die Patientinnen keine Möglichkeit mehr hätten, den Arzt ihres Vertrauens aufzusuchen. „Selbstverständlich können die Patienten frei wählen“, versichert Mosel.



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