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Nach jahrelangem Verfall – Investor will aufwendig sanieren

Es tut sich was an der Deisterstraße

HAMELN. Es tut sich wieder etwas an der Deisterstraße 15. Ein Investor, so heißt es, habe nach und nach acht der 12 Wohnungen des imposanten Gründerzeithauses gekauft. Er möchte es gerne in den Urzustand versetzen. Das Geschäftsmodell: Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Wohnungen soll weiter saniert werden.

veröffentlicht am 20.09.2018 um 15:26 Uhr
aktualisiert am 20.09.2018 um 20:40 Uhr

Lange Zeit verwahrloste das imposante Haus an der Deisterstraße. Foto: Dana
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Wenn das wahr ist, würde Architekt Bruno Köberle wahrscheinlich aufatmen. Der vor 65 Jahren gestorbene Architekt, auf den viele Bauten in Hameln zurückgehen, hat einst selbst in dem Haus mit den riesigen Wohnungen gewohnt, die sich über die gesamte Länge zogen. In den letzten Jahren hat das Haus vor allem gelitten. Der alte Glanz lässt sich nur noch erahnen.

Dennoch: Bei ihm sei es Liebe auf den ersten Blick gewesen, sagt Peter Wefer, bereits das herrschaftliche Treppenhaus habe ihm den Atem verschlagen. Der 65-Jährige ist Geschäftsführer der eigens gegründeten „Anno 1902“, die die Sanierung, den Verkauf und die Vermietung von Wohnungen vornehmen will. Er selbst sei der Anzeige „Restaurator gesucht“ gefolgt. Inzwischen ist er täglich auf der Baustelle. Sie seien ein gutes Team, sagt er, und meint damit den Innenarchitekt Michael Jülke, die Architektin Faten El Khodeir und den Brandschutzexperten Ralf Abraham. Ein Schuss Abenteuer ist auch mit dabei für den gelernten Tischler und Restaurator – „Ich kann Holz noch riechen, schmecken und fühlen“ – wenn er auf das hohe Gerüst an der Giebelfassade klettert. Sie soll bis Ende des Jahres fertiggestellt sein.

In drei bis fünf Jahren, prophezeit Wefer, werde das Haus einen Fahrstuhl haben und Eigentums- und Mietwohnungen bieten.

So sah das Haus einst aus.
  • So sah das Haus einst aus.
Das schöne Treppenhaus.
  • Das schöne Treppenhaus.
Peter Wefer in einer der riesigen Wohnungen.
  • Peter Wefer in einer der riesigen Wohnungen.
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Der großzügige Eingang.
  • Der großzügige Eingang.
So sah das Haus einst aus.
Das schöne Treppenhaus.
Peter Wefer in einer der riesigen Wohnungen.
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Der großzügige Eingang.

Ich kann Holz noch riechen, schmecken und fühlen.

Peter Wefer, Stuckateur und Tischler

Angepeilt ist das obere Preissegment. Zwischen 150 000 und 250 000 Euro möchte die Anno 1902 für die riesigen Wohnungen haben. „Drei sind schon so gut wie verkauft“, sagt Wefer.

Anfang der 1990er Jahre lag die Miete einer 104 Quadratmeter im Haus noch bei sagenhaften 600 DM warm. Später erwarb eine Firma mit Sitz in Wiesbaden das Haus für einen Spottpreis von 275000 Euro und verkaufte die Wohnungen für ein Vielfaches ihres tatsächlichen Wertes an Investoren in ganz Deutschland. Investitionen blieben allerdings aus, das Haus verfiel, viele Wohnungen wechselten – nicht nur einmal – den Besitzer und wurden am Ende zwangsversteigert. Eine davon für 24 500 Euro, heißt es aus dem Amtsgericht, der Verkehrswert lag bei rund 41 000 Euro. Auch bei den anderen Wohnungen habe der Verkaufspreis rund um die Hälfte unter dem Verkehrswert gelegen. Ein großer Teil stand in den letzten fünf Jahren leer.

Die Anno 1902 möchte die vier noch nicht in ihrem Besitz befindlichen Wohnungen ebenfalls erwerben. „Wir sind im Gespräch“, sagt Wefer. Mehr will er nicht sagen. Ein Geheimnis bleibt auch der Name des Käufers. Die Namen der Investoren, die hinter dem Käufer ständen, werden ebenfalls nicht genannt. Als „Projektentwickler“ wird die Imfina GmbH genannt, die gemeinsam mit dem Namen „Heinen“ am Klingelschild des Hauses auftaucht. Gleich darüber sind seit einiger Zeit historische Aufnahmen vom Haus zu sehen.

Das Geschäftsmodell: Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Wohnungen soll weiter saniert werden. Wenn alles gut geht, betrifft das auch die größte Bausünde des 1902 erbauten und unter Denkmalschutz stehenden Hauses: Die Wohnung im Erdgeschoss, deren Eingang zur Drogerie Lüttgau mit Porotonsteinen vermauert und einer unpassenden Tür verhunzt wurde.

Derzeit werde das Gebäude für den Denkmalschutz erfasst. Mit dem Bauamt und der Landesdenkmalbehörde stehe man in Kontakt. Die Zusammenarbeit sei „sehr gut“, betonen die Akteure. Mit der Landesdenkmalbehörde habe es eine Begehung gegeben. Der Anspruch der Anno 1902: Das Gebäude soll soweit wie möglich unter Denkmalschutz gestellt werden.

„Wir können von Glück reden, dass in der Vergangenheit nur wenig Geld für das Gebäude zur Verfügung stand“, sagt Innenarchitekt Michael Jülke. So seien noch Originale aus der Bauzeit vorhanden. Dazu gehören neben Stuck, Türen und Parkett auch Heizkörper, Decken mit Malereien, Jugendstilfliesen, ein Druckmanometer, eine steinerne Bank im Erdgeschoss und – ein Zimmerbrunnen.


Im Zuge der Sanierung soll auch die Geschichte aufgearbeitet werden: Ehemalige Bewohner, Mieter und Eigentümer sind aufgerufen, sich bei Michael Jülke zu melden. Gesucht werden auch alte Fotos und Dokumente. Interessierte können das Gebäude auch besichtigen. Interessierte können sich melden bei Michael Jülke unter Tel. 05151/940785



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