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Eigene Küche bald Geschichte / 25 Mitarbeiter betroffen – 16 Kündigungen

Es hat sich ausgekocht im Sana-Klinikum

HAMELN. Selbst kochen gilt im Sana-Klinikum als nicht zukunftsfähig. Weil die eigene Küche nicht mehr wirtschaftlich genug ist, wird die Sana-Catering-Service-GmbH künftig die Verpflegung übernehmen, sie übernimmt den Betrieb spätestens zum 1. Januar 2019.

veröffentlicht am 13.07.2018 um 17:09 Uhr
aktualisiert am 13.07.2018 um 18:50 Uhr

Im Sana-Klinikum wird künftig nicht mehr selbst gekocht. Foto: dana
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Über die Neustrukturierung der Küche informierte das Sana bereits im Herbst 2017. Unklar war damals, ob die krankenhausinterne Küche als solche geschlossen und durch einen externen Zulieferer ersetzt werden soll und wie sich die Maßnahmen auf die Mitarbeiter auswirken werden. Inzwischen ist klar: Neu orientieren müssen sich insgesamt 25 Mitarbeiter. Von einer betriebsbedingten Kündigung zum 31. Dezember 2018 – ausgesprochen Ende Juni – sind 16 Mitarbeiter betroffen, zehn davon aus der Küche, sechs aus anderen Bereichen.

Dass der Arbeitgeber im Rahmen der Sozialauswahl nicht nur Mitarbeiter aus der Küche miteinander vergleicht, sondern auch aus anderen Bereichen, kam für diese überraschend, sie hatten nicht mit der Kündigung gerechnet, ist zu hören. Auch bei den Verhandlungen zum Interessenausgleich und Sozialplan sei mit dem Betriebsrat darüber nicht gesprochen worden. In der Pressemitteilung des Sana-Klinikums heißt es, dass vor der betriebsbedingten Kündigung eine Auswahl gemäß dem Sozialplan getroffen wurde, sie folge den Kriterien des Kündigungsschutzes. Bei der Sozialauswahl seien „auch andere vergleichbare Berufsgruppen der Gesundheitseinrichtung mit einzubeziehen, um eine soziale Benachteiligung einzelner Mitarbeiter zu vermeiden“.

Information

Essen in der Klinik über Caterer

Nicht nur das Sana, viele Kliniken haben ihre Küchen in der Vergangenheit geschlossen und die Essensversorgung Catering-Unternehmen übertragen. Doch weil die Essensqualität zu wünschen übrig ließ, haben viele Krankenhäuser selbst Service- oder Dienstleistungsgesellschaften gegründet. Entweder in Eigenregie oder gemeinsam mit Catering-Unternehmen werden von einer Küche aus mehrere Häuser beliefert. Einige dieser Service-Gesellschaften gehen noch einen Schritt weiter und bieten ihre Dienste auf dem freien Markt an. Die Sana-Catering-Service GmbH beispielsweise unterhält in Schleswig-Holstein eine „Cook and Chill“-Küche (ein Verfahren, bei dem die Speisen innerhalb von 90 Minuten auf 3 Grad heruntergekühlt werden, um die Vermehrung von Keimen zu vermeiden), die neun Kliniken mit Essen versorgt. „Nur fünf davon gehören zur Muttergesellschaft Sana Kliniken AG“, erklärt Thorsten Reichle, Geschäftsführer des Tochterunternehmens, 2008 im Ärzteblatt.Quelle: Ärzteblatt

Weitere neun Mitarbeiter hätten das Übernahmeangebot des neuen Dienstleisters angenommen beziehungsweise einen Aufhebungs- oder Altersteilzeitvertrag geschlossen. Um Kündigungen zu vermeiden, seien im Vorfeld Gespräche geführt worden. Die Vergütung bei der Sana-Catering-Service-GmbH entspräche „branchenüblichen“ Tarifen, heißt es auf Nachfrage.

Die Cafeteria wird bereits seit längerem von der Sana-Catering-Service GmbH betrieben. Foto: Archiv/Dana
  • Die Cafeteria wird bereits seit längerem von der Sana-Catering-Service GmbH betrieben. Foto: Archiv/Dana

Im Sana werden die Patienten demnächst vorbereitete Menüs bekommen. Sie werden zuvor von lokalen und überregionalen Lieferanten nach Hameln gebracht und portioniert. „Das Frühstück und Abendessen als komplett fertiges Set, das Mittagessen wird portioniert und anschließend auf die Stationen gebracht“, heißt es in der Pressemitteilung. „In speziellen Servierwagen werden die tablettierten Menüs anschließend auf der Station fertig gegart und frisch verteilt“, heißt es in der Presseerklärung.

Nicht alle Beteiligten sind mit der Entscheidung des Klinikums glücklich. Landrat Tjark Bartels erklärte: „Wir haben in der Gesellschafterversammlung gegen die Ausgliederung der Küche gestimmt.“ Am Ende bleibt dem Landkreis als Träger des Sana-Klinikums Hameln-Pyrmont aber nichts anderes übrig, als zuzustimmen. Mit 49 Prozent Anteil ist der Landkreis gegenüber der Sana-Kliniken AG, die über 51 Prozent verfügt, in der Minderheit.

„Unternehmensleitung und Betriebsrat haben sich in der Folge auf ein sozialverträgliches Vorgehen geeinigt, das ich sehr begrüße“, sagt Bartels in der Pressemitteilung. „Die verbleibenden außerordentlichen Kündigungen bedauere ich sehr, nicht wenige davon betreffen die schwächsten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die Bemühungen von Betriebsrat und Krankenhausleitung zu weiteren Lösungen unterstütze ich jedoch.“

Mein Standpunkt
Dorothee Balzereit
Von Dorothee Balzereit

Mahlzeiten sind für Patienten, neben Besuch, mit das Wichtigste. Wenn das Essen gut ist, schneidet auch die Klinik besser ab. Dass ein solcher Wohlfühlfaktor einmal mehr dem wirtschaftlichen Druck geopfert wird, ist bedenklich. Vielleicht hätte die Individualität der Küche mit anderen Lösungen gewahrt werden, wie zum Beispiel durch Kooperationen mit Schulen oder Betrieben, die das Sana hätte beliefern können. Schade, insbesondere für die Mitarbeiter.



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