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Berufsschiffer und Freizeitskipper für Erhalt der Dienststelle

Es hagelt Protest von allen Seiten

Hameln (CK). Die Ankündigung des niedersächsischen Innenministeriums, den Standort Hameln der Wasserschutzpolizei zu schließen, hat vielfach für Empörung gesorgt. Binnenschiffer, Reeder, Freizeitskipper – von allen hagelt es Proteste.

veröffentlicht am 06.10.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 21:21 Uhr

Fürchten um die Sicherheit auf der Weser: Binnenschiffer wie Hel
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So hatte etwa der aus Lauenförde (Kreis Holzminden) stammende Helmut Rüffer, Partikulier (Binnenschiffer) und Besitzer des Frachtschiffes „M/S Otrate“, bereits Ende August in einem Schreiben an Innenminister Uwe Schünemann seine Bedenken deutlich gemacht. Dabei hatte er auf die seiner Meinung nach oft nicht hinreichend qualifizierten Besatzungsmitglieder aus Osteuropa aufmerksam gemacht, die ein Sicherheitsrisiko darstellten, weil sie einfachste Regeln nicht beachten oder unter Alkoholeinfluss stehen würden. Auch die durch wirtschaftliche Zwänge verursachten Fahrzeitüberschreitungen und Überladungen hatte Rüffer, Mitglied in der Nautisch-Technischen Kommission, der European Barge Union (Vereinigung europäischer Reeder) und des Beirats der Bank für Schifffahrt in Hannover, in seinem Protestbrief genannt, ebenso illegale Müllentsorgungen und den Einsatz sogenannter „Seelenverkäufer“. Rüffer: „Alle das ist nur durch mehr Kontrollen seitens der Wasserschutzpolizei zu unterbinden.“ Geantwortet habe Schünemann übrigens nicht.

Jörg Menze, Reeder der Fahrgastschifffahrt „Flotte Weser“, findet es mindestens „schade“, dass er künftig nicht, wie gewohnt, seine kompetenten Ansprechpartner vor Ort hat. Probleme sieht er vor allem bei den Sportbooten. „Die sind wendig und haben kein festes Ziel, sind aber teilweise auch alkoholisiert. heute werden solche Skipper noch aus dem verkehr gezogen. Von Land aus fallen Kontrollen künftig schwer..“

Mit Empörung haben auch die heimischen Wassersportverbände auf die Ankündigung aus dem Innenministerium reagiert. „Ein Unding, touristenfeindlich und wassersportfeindlich“ – so nennt etwas Bernd Gehrmann, Vorsitzender der Yacht-Club Hameln, die Entscheidung. Gehrmann, der zugleich Stützpunktleiter der Kreuzer-Abteilung des Deutschen Segler-Verbandes, mit 19 000 Mitgliedern die größte Organisation der Fahrtensegler in Deutschland ist, hat jetzt nach eigenen Worten keinen Ansprechpartner mehr.

Immer wieder während der Saison, so Gehrmann, erhalte er Anfragen von auswärtigen Wassersportlern, die sich über die Verhältnisse auf der Weser im heimischen Raum erkundigten. Bisher habe er die, falls er sie nicht selbst beantworten konnte, an die Wasserschutzpolizei in Hameln weitergeleitet, die ihrerseits auch Informationsbroschüren für die Bootsfahrer parat hatte. Das Verhältnis zu den Beamten in den blauen Uniformen sei „sehr einvernehmlich“ gewesen, der politische Beschluss hingegen sei „Schwachsinn“.

Ähnlich hart mit dem Innenminister geht auch der Motorboot-Club Hameln ins Gericht. Vorstandsmitglied Friedrich Strüber: „Es gibt so viele Veranstaltungen auf der Weser, wo die Wasserschutzpolizei präsent sein muss und in der Vergangenheit auch immer war.“ Als eines von mehreren Beispielen nennt Strüber das Drachenbootrennen, wo die Beamten während der Wettkämpfe den Schiffsverkehr durchlotsen. Weitere: die Überwachung der Wasserski-Strecke vor Bodenwerder oder die Kontrolle von Jugendlichen, die in Booten auch schon mal „wilde Sau“ spielten. Kommt hinzu: „Es gibt immer mehr Kanu-Fahrer auf der Weser. Manche sind regelrecht hilflos und froh, wenn sie von den Beamten wertvolle Tipps bekommen“, weiß Strüber.

Im Namen vieler Wassersportler hält Strüber – unter anderem Moderator eines Runden Tisches zur Weser – die Präsenz einer Wasserschutzpolizei in Hameln für unverzichtbar, die Auflösung des Standortes nennt er „jammerschade“. Auch wenn noch viele Fragen im Zusammenhang mit dieser Problematik offen seien und auch wenn die Weser in Zukunft kein „rechtsfreier Raum“ sei, so zweifelt er doch, dass die normale Schutzpolizei die bisherigen Aufgaben ihrer Kollegen auf dem Wasser mit übernehmen könnte. „Von Land aus ist das kaum zu leisten.“

Nicht zuletzt empören sich die Mitglieder der Marinekameradschaft Hameln über die Entscheidung aus Hannover. „Die Zusammenarbeit mit der Wasserschutzpolizei vor Ort war immer gut. Ich bezweifle, ob das weiter so gewährleistet wird, wenn die Behörde in Hameln aufgelöst wird“, sagt Vorsitzender Hans-Hermann Weper. Seine nüchterne Feststellung: „Hier wird am falschen Ende gespart.“



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