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Fachausschuss stimmt mehrheitlich gegen weitere Parkplätze in der Seelingstädter Straße in Afferde

Es bleibt dabei: Kein neuer Platz für Zweitautos

Afferde (CK). In der Seelingstädter Straße in Afferde wird es keine zusätzlichen Parkpplätze geben. Die Mehrheitsgruppe aus SPD, FDP und Grünen im Hamelner Rat lehnte in der letzten Sitzung des Ausschusses für erneuerbare Energien, Bau und Umwelt einen entsprechenden Antrag der CDU-Fraktion ab und zog sich damit den Ärger von anwesenden Afferdern zu, die in dieser Straße wohnen. Die fordern nämlich seit langem in dieser verkehrsberuhigten Straße weitere Abstellflächen, weil die Kinder inzwischen größer geworden seien und ein eigenes Auto hätten, sich der Bedarf mithin vergrößert habe. Dem gegenüber stehen andere Anwohner, die dieses Ansinnen ablehnen

veröffentlicht am 01.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 09:41 Uhr

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Autor:

Christa Koch
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Die CDU hatte sich die Auffassung derjenigen Anliegern zu eigen gemacht, wonach die vorhandenen 48 Plätze nicht ausreichen. Um eine dauerhafte Befriedung der Auseinandersetzung zwischen denen, die mehr Plätze wünschen und denen, die das ablehnen, zu erreichen, sollte nach Meinung der Christdemokraten das Parkplatzkontingent auf 70 erhöht werden, auch, um den Besuchsverkehr der Anlieger aufzufangen.

Emotionale

Debatte

Vorausgegangen war der Beschlussempfehlung des Ausschusses eine zum Teil emotional geführte Debatte. Während Peter Martin (CDU) an einen Bedarf an Zusatzplätzen glaubt, musste er sich von Afferders Ortsbürgermeisterin Waltraud Mehring (SPD) vorhalten lassen, dass „immens viele Parkplätze“ häufig leer seien. „Die Verkehrsberuhigung war seinerzeit von den Bauherrn gewünscht worden, und jeder weiß, wo er baut“, sagte sie ferner.

„Gehen Sie mal dorthin, wenn eine Feier ist“, empfahl Jobst Brüggemann (CDU der Ortsbürgermeisterin. „Wollen Sie da erst 70 bis 100 Meter laufen?“ Die Anlieger jedenfalls seien mehrheitlich für Zusatzplätze. Auch Albrecht Garbe sprach sich für weitere Stellflächen aus („etwa 20 bis 30“). Dass jetzt teilweise die Autos in den Vorgärten abgestellt werden, nannte er „total unbefriedigend“.

Jürgen Mackenthun (Grüne) machte sich zum Sprecher der Anlieger, die keine Zusatzplätze wünschen, „und für die müssen wir verlässlich sein. In Spitzenzeiten sind es ohnehin nicht genügend Stellflächen. Aber das kann nicht der Maßstab sein“, meinte er. Auch Uwe Schoormann (SPD) wollte die Interessen derer schützen, die anders denken und nach seiner Aussage „nicht auf einem Parkplatz wohnen“ möchten. Gerd Paschwitz (CDU) hingegen gab zu bedenkeen, dass seit Baubeginn „Jahre ins Land gegangen“ seien. „Ein zweites oder gar drittes Auto im Vorgarten können wir nicht verhindern, wenn wir keine Zusatzplätze schaffen.“

„Vor 20 Jahren haben die Anwohner hier gebaut, aber wie sieht es in 20 Jahren aus? Gibt es dann wieder neue Kinder, für die eine Verkehrsberuhigung geschaffen werden soll?“, fragte Rüdiger Zemlin, der die ganze Diskussion gar „überflüssig“ nannte, auch wenn der Christdemokrat Brüggemann noch einmal mahnte: „Der Mensch ist mobil.“

Fachbereichsleiter Ralf Wilde versuchte, die Diskussion zu versachlichen. Der Ortsrat Afferde, so Wilde, habe im Sommer die 48 vorhandenen Stellplätze zu unterschiedlichen Zeiten geprüft, die Hälfte der Plätze sei nicht belegt gewesen. Er empfahl, die Quote („sie ist ausreichend“) nicht zu erhöhen. Rückendeckung erhielt er dabei vom Ersten Stadtrat Eckhard Koss. „Wie sollen wird demnächst städtebaulich planen?“, fragte Koss eher rhetorisch angesichts der kontroversen Diskussion, in der es nicht gelang, ein einheitliches Meinungsbild zu erzielen. Entschieden widersprach Koss in diesem Zusammenhang dem Vorwurf von Klaus-Peter Meißner (Bürgerliste), die Anlieger seien nicht mit einbezogen worden. „Das stimmt so pauschal nicht“, konterte er.

Kommentar:

Vermessen

Keine Frage – unsere Gesellschaft wird immer mobiler. Auch der Appell vieler Mediziner, man möge sich bitteschön mehr bewegen, ändert nichts daran, dass es in manchen Familien mittlerweile Zweit- oder gar Drittautos gibt. Daraus aber einen Anspruch abzuleiten, die müssten alle einen Parkplatz direkt vor der Haustür haben, ist vermessen.

In der Seelingstädter Straße in Afferde zeigt sich ein Problem, das die Nachbarschaft spaltet und das so oder so ähnlich auf viele inzwischen in die Jahre gekommenen Baugebiete in Hameln und Umgebung übertragen werden kann. Und das den immer gleichen Prinzipien folgt: Zuerst kommen die jungen Familien und besiedeln ein neues Baugebiet. Weil die meisten kleine Kinder haben, um deren Sicherheit sie fürchten, möchten sie verkehrsberuhigte Straßen, mit wenig Stellplätzen, mit Schrittgeschwindigkeit für Autos. Und oft wird diesem Wunsch auch entsprochen.

Die Jahre gehen ins Land, irgendwann sind aus diesen Kindern junge Erwachsene geworden. Und die sind – siehe oben – mobil. Manche studieren zwar in einer anderen Stadt, möchten aber zum Wochenend-Besuch bei den Eltern einen eigenen Parkplatz haben, und zwar vorm Haus. Einen Parkplatz, den es meist nicht gibt. Konflikte sind also programmiert. Und wenn sich diese jungen Erwachsenen irgendwann zu jungen Familien zusammenfinden, die selbst wiederum Kinder und vielleicht das Haus ihrer Eltern geerbt haben, geht der Kreislauf von vorn los.

Wie also lautet die Lösung? Es gibt keine. Platz ist knapp, nicht nur in den Innenstädten. Auch in den Baugebieten rundherum sind die Grundstücke im Laufe der Jahre geschrumpft, denn Bauland ist (auch) teuer. Die Frage ist doch: Kann man Anwohnern zumuten, 70 oder vielleicht sogar 100 Meter zu Fuß zurückzulegen, weil das Zweitauto (!) etwas abseits abgestellt werden muss? Ja. Man kann. Wer in der Kernstadt wohnt, der kennt das Problem. Der hat nämlich oft nicht mal einen Stellplatz für das erste Fahrzeug in der Familie. Und wenn, dann kostet der meist auch noch Geld. Deshalb: Ja zur Mobilität! Aber: Nein zum hemmungslosen Zupflastern auch des letzten Stückchens Grün.

c.koch@dewezet.de

Aufgemalte Linien sollen das wilde Parken in der Seelingstädter Straße in Afferde verhindern – mehr Plätze aber soll es nicht geben.

Foto: Dana



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