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Hamelner Grüne wollen nach internem Zoff am Bündnis mit der CDU festhalten

Es bleibt bei Schwarz-Grün – zumindest bis zur Wahl

Die Austritte der Ratsmitglieder Jennifer Weidner und Klaus Lamprecht sowie des früheren Ortsbürgermeisters Otto Wehrmann aus der Partei haben bei den Hamelner Grünen intern für ein kleines politisches Beben gesorgt. Die übrigen Mandatsträger bedauern diesen Schritt, äußern aber auch Unverständnis.

veröffentlicht am 01.06.2016 um 18:20 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:54 Uhr

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Autor:

Andreas Timphaus
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HAMELN. Nach den internen Querelen und dem Austritt dreier prominenter Parteimitglieder will der Grünen-Vorsitzende Sven Kornfeld zügig zur Tagesordnung zurückkehren – und den Fokus wieder auf die inhaltliche Arbeit legen. „Ich will Themen wie besseren Naturschutz und ein Wildtierverbot in Zirkussen vorantreiben. Für das Verbot kämpfen wir bereits seit drei Jahren“, sagt Kornfeld. Den Rückzug von Jennifer Weidner, Klaus Lamprecht und Otto Wehrmann will er nicht groß kommentieren. „Die Aktion spricht für sich“, meint er.

Die zwei Grünen-Ratsmitglieder Weidner und Lamprecht sowie Wehrmann, Ehemann der Fraktionsvorsitzenden Ursula Wehrmann und zeitweise auch Ortsvorsitzender, waren aus der Partei ausgetreten, nachdem Kornfeld in einem internen Schreiben sowie auf der Wahlversammlung vor etwa einer Woche die Arbeit der Ratsfraktion kritisiert hatte (wir berichteten). Auf Nachfrage relativiert er seine Aussagen: „Ich habe nicht gesagt, dass die Ratsfraktion nichts geleistet habe. Ich schätze das Engagement der Ratsmitglieder sehr. Aber für mich – und das ist meine persönliche Meinung und nicht die des Stadtverbands – können die positiven die negativen Aspekte nicht überwiegen“, sagt der 34-Jährige.

Es gebe innerhalb der Partei durchaus Mitglieder, die zufrieden seien. Aber er hätte sich persönlich mehr gewünscht, sagt Kornfeld, ohne jedoch konkret zu werden. Zu seiner Aussage, dass er das Bündnis mit der CDU „lieber heute als morgen“ beenden wolle, sagt er: „Wir haben uns mehrheitlich zu einer Zusammenarbeit entschlossen und werden das bis zur Kommunalwahl weiterhin tun. Nach der Wahl im September folgt dann die Entscheidung, mit wem wir koalieren und unsere Ziele verfolgen wollen“, meint Kornfeld.

Bei den übrigen Mandatsträgern der Grünen stoßen die Austritte auf Bedauern – aber auch auf Unverständnis. Als „unverhältnismäßig“ bezeichnet der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Wolfgang Meier die Entscheidung. Aus seiner Sicht hätten die Abtrünnigen die Kritik aushalten müssen. Der 60-Jährige merkt an, dass es sehr wohl auch positive Stimmen innerhalb der Partei zur Arbeit der Ratsfraktion gegeben habe. „Kornfeld wird seine politischen Erfahrungen noch machen“, sagt Meier bezüglich der geäußerten Kritik.

Thomas Schröder hätte sich gewünscht, dass sich alle zunächst an einen Tisch gesetzt hätten. Er selbst hätte seine Parteizugehörigkeit nicht von der Meinung eines Einzelnen abhängig gemacht. Der Jurist glaubt in der vergangenen Zeit im Verhältnis zwischen Stadtverband und Ratsfraktion durchaus „ein gewisses Maß an Unzufriedenheit“ erkannt zu haben – und das nicht nur bei Kornfeld allein.

Julia Maulhardt sagt, dass jeder Austritt zu bedauern sei, Weidner und Lamprecht dem Stadtrat aber als Parteilose erhalten bleiben würden. Aus ihrer Sicht sei das Klima bei Schwarz-Grün „relativ gut“. „Wir werden sachlich weiterarbeiten“, versichert die Vorsitzende des Umweltausschusses. Die Kritik des Vorsitzenden empfindet sie als nicht berechtigt: „Wir haben fast alle im Gruppenvertrag geschlossenen Themen abgearbeitet.“ Kornfeld habe immer seine Meinung sagen und auf die Mandatsträger einwirken können.

Jürgen Mackenthun bedauert die Austritte, meint aber auch, dass er aus Überzeugung Mitglied bei den Grünen geworden sei. Kornfeld habe seine Kritik nicht in dieser Form in seiner Funktion als Vorsitzender tätigen dürfen, meint Mackenthun und betont, dass in den vergangenen fünf Jahren einige grüne Ideen umgesetzt wurden – sei es bei der Windenergie, dem Baumschutz oder dem Radverkehr. „Sven Kornfeld sollte mehr differenzieren zwischen seiner persönlichen Meinung und seinem Amt“, rät der Klein Berkeler, der sich bereits vor einiger Zeit entschieden hatte, nicht noch einmal zu kandidieren.

Lisa Linne, die vor etwa einem Jahr für Rainer Sagawe in den Stadtrat nachrückte und als Parteilose die achtköpfige Grünen-Fraktion komplettiert, kann Kornfelds Kritik nicht nachvollziehen. Zu den Austritten meint sie, dass die Entscheidungen „sicherlich gut überlegt“ seien. „Ich finde es schade, denn alle haben sich sehr engagiert“, sagt Linne, die sich nach der Wahl aus gesundheitlichen Gründen aus der Politik zurückziehen wird.

Es bleibt die Frage: Hat die Mehrheitsgruppe noch eine gemeinsame Zukunft? Meier und Co. betonen, dass ihre Fraktion, die im Stadtrat nun aus fünf Grünen und drei Parteilosen besteht, weiter mit der CDU zusammenarbeiten wird – zumindest bis zur Wahl. „Es gibt keinen Grund, den Gruppenvertrag in Frage zu stellen“, sagt Mackenthun. Eine endgültige Entscheidung werde erst nach der Wahl fallen, sagen alle unisono.

Ein Kandidat für ein Bündnis hat sich bereits angeboten. Der SPD-Stadtverbandsvorsitzende Ingo Reddeck kommentierte den Zwist auf der Facebook-Seite der Dewezet mit den Worten: „Eine rot-grüne Koalition für Hameln wäre eine gute Sache.“



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