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Das Tier wurde angefahren

Erster Marderhund in Hameln bestätigt

HAMELN. Vermutet hatten Jäger bereits, dass es ihn hier geben könnte, jetzt ist im Stadtgebiet Hameln das Vorkommen des Marderhundes bestätigt worden. An der Klütstraße/Ecke Breslauer Allee hatte nach Schilderungen des Hegeringleiters Michael Kocea ein Mann einen verletzten Marderhund gefunden und zur Polizei gebracht. Nach Koceas Einschätzung muss er dort in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch angefahren und liegengelassen worden sein.

veröffentlicht am 20.04.2017 um 14:49 Uhr

Der Marderhund, der an der Klütstraße gefunden wurde, war von einem Auto angefahren und verletzt worden. Foto: pr
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Für den gesamten Hamelner Bereich habe es zuvor noch nie eine Bestätigung dafür gegeben, dass das kleine Raubtier hier durch die Gegend streift. „Das ist der erste Nachweis“, sagt Kocea. „Seine Verbreitung können wir jetzt greifen.“ Zwar gilt der Marderhund weder als bedroht noch als schützenswert, dennoch ist die Tatsache, dass er hier vorkommt, etwas besonderes.

Der Marderhund ist als nicht heimisches Wildtier, dessen Ausbreitung kontrolliert werden soll, im Jagdrecht aufgenommen, darf also außerhalb der Schonzeit ohne Begrenzung geschossen werden. Im Landkreis Hameln-Pyrmont wurde laut Abschussstatistik im vergangenen Jagdjahr 2015/’16 ein Marderhund geschossen; niedersachsenweit waren es laut Landesjagdbericht des Agrarministeriums 2849 – 500 Tiere mehr als im Vorjahr. Die Rede ist von einer 1000-prozentigen Steigerung auf Landesebene innerhalb eines Jahrzehnts.

In Hameln-Pyrmont hatte sich die Anzahl der geschossenen Marderhunde seit 2006/’07 kaum verändert – mal einer, mal zwei, einmal drei – im laufenden Jagdjahr waren es bereits sieben. Die steigenden Abschusszahlen sprechen laut Fachleuten für eine massive Ausbreitung des Marderhundes in Niedersachsen. Wie viele Tiere hierzulande leben, lässt sich nicht beziffern, da es kein Monitoring gibt.

Bei dem Hamelner Tier handelt es sich laut Kocea um einen Rüden. Weil Marderhunde keine Einzelgänger, sondern als Paar unterwegs sind, sei es möglich, dass das Weibchen – die Fähe – „vielleicht noch irgendwo mit ihren Jungen im Bau liegt“. Im Durchschnitt bekommen die Marderhunde sechs bis zehn Welpen pro Wurf.

Die um die 80 Zentimeter langen und bis zu zehn Kilogramm schweren Marderhunde sind zwar Allesfresser, seien aber sehr fixiert auf Amphibien und hätten durch die Schutzzäune für Kröten, die erst kürzlich entfernt worden seien, „leichtes Spiel“ und „einen reich gedeckten Tisch“ in der Nähe des Klütwaldes.

Seinen Ursprung hat der dämmerungs- und nachtaktive Marderhund (bei uns auch Enok genannt) im östlichen Sibirien, im nordöstlichen China und in Japan. Als Felllieferant war er in Russland beliebt – zwischen 1928 und 1950 wurden laut Wikipedia in der Ukraine fast 10 000 Tiere ausgesetzt, von wo aus sie sich Richtung Westen weiter verbreitet haben. Seit Anfang der 1960er Jahre weiß man von seiner Existenz in Deutschland.

Natürliche Feinde hat der Marderhund, der zur Familie der Hunde gehört, nur wenige: Wolf, Uhu, Luchs und Braunbär. Er sieht dem Waschbären ähnlich, hat mit ihm jedoch nur wenig gemein. So würde er „eher das Weite suchen“ als die Nähe des Menschen zu suchen, schildert Michael Kocea das Verhalten der Tiere. Auch kann der Marderhund anders als der Waschbär nicht klettern, Vogelgelege in Bäumen sind also vor ihm sicher.

Nicht sicher war wiederum der Hamelner Marderhund vor der Straße und den Autos: Das Tier war laut Kocea so schwer verletzt, dass ein Jäger „ihn erlöst hat“.

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