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Infizierter kam aus dem Skiurlaub in Österreich

Erster Corona-Fall in Hameln

HAMELN-PYRMONT. Was erwartbar war, ist eingetroffen: Nun gibt es auch in Hameln-Pyrmont einen bestätigten Corona-Fall. Die Zahl der Infektionen liegt in Niedersachsen aktuell bei 67. „Der betroffene Patient wurde isoliert und befindet sich in häuslicher Quarantäne“, erklärt der Landkreis. Der Patient werde von seinem Hausarzt medizinisch betreut und befindet sich in einem guten Zustand.

veröffentlicht am 10.03.2020 um 09:51 Uhr
aktualisiert am 10.03.2020 um 21:57 Uhr

Dorothee Balzereit

Autor

Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite

Ersten Erkenntnissen zufolge hat sich der in Hameln lebende Erkrankte zum Skifahren in Österreich aufgehalten und sich aller Wahrscheinlichkeit nach dort mit dem Virus infiziert. Die letzten Tage habe er mit zwei Familienangehörigen zuhause verbracht, die ebenfalls getestet und häuslich isoliert wurden.

Die Behörden im Landkreis Hameln-Pyrmont ermitteln jetzt die Kontaktpersonen des Patienten. Nun müsse im Einzelfall bewertet werden, wie eng der Kontakt war und welche erforderlichen Infektionsschutzmaßnahmen durchzuführen sind.

„Wir setzen darauf, Kontaktpersonen oder Reiserückkehrer aus Risikogebieten mit entsprechenden Symptomen zu isolieren, sie so schnell wie möglich auf das Corona-Virus zu testen und im Falle einer Ansteckung die entsprechenden Kontaktpersonen zu ermitteln“ betont Dr. Silke Farin. Leiterin des Gesundheitsamtes vom Landkreis Hameln-Pyrmont.

Über die Einzelheiten zu diesem Fall und die zu treffenden und bereits angelaufenen Maßnahmen wurde am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz informiert.

Information

Pressekonferenz: Infos im Überblick

  • Bei dem Patienten handelt es sich um einen 48-jährigen Mann aus Hameln.
  • Der Mann soll leichte Symptome zeigen.
  • Er arbeitet in Holzminden.
  • Der Mann soll in Hameln nur Kontakt zu zwei Personen aus der Familie gehabt haben. Frau und Tochter stehen unter häuslicher Quarantäne.
  • Vermutlich hat er sich bei einer Person aus Schwandorf, Bayern, angesteckt.
  • Der Mann war im Skiurlaub in Österreich mit neun Personen.
  • Die Verwaltung hat die Landkreise Holzminden und Osnabrück informiert. In Osnabrück hatte der Mann an einer Feier mit bis zu 200 Personen teilgenommen. Das Gesundheitsamt in Hameln ist nun zuständig die Kontaktpersonen ausfindig zu machen.
  • Der Landkreis sieht bisher keinen Grund Schulen und Kitas zu schließen.

In Ermangelung von geeigneten Räumlichkeiten testen die Ärzte derzeit in den Landkreisen Hameln-Pyrmont, und Celle, in der Region und der Stadt Hannover mit mobilen Teams (wir berichteten im Liveblog) Verdachtsfälle. Auch in Hameln-Pyrmont sei von Freitag bis Sonntag ein Team unterwegs gewesen und habe Abstriche genommen, sagt Detlef Haffke, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Eine genaue Anzahl wurde nicht genannt.

Ärzte kommen für den Abstrich in Schutzkleidung zu Verdachtsfällen

Das Team kommt, wenn ein begründeter Verdacht auf eine Infektion besteht. Die Entscheidung darüber, ob das Team in Schutzkleidung zum Patienten nach Hause kommt und dort einen Abstrich nimmt, fällt der Hausarzt, den der Patient in jedem Fall zuvor anrufen soll. Dieser fragt dann nach den typischen Symptomen wie Fieber, Husten, Schnupfen und Durchfall, ob der Patient Kontakt zu einem Infizierten hatte, oder aus einem Risikogebiet kommt. Dazu gehöre inzwischen auch Nordrhein-Westfalen. Auf keinen Fall soll der Patient in die Praxis kommen. „Dann besteht die Gefahr, dass die Praxis aus dem medizinischen Versorgungssystem fällt“, so Haffke.

Bisher komme das Mobile Team mit der noch überschaubaren Anzahl der Testungen gut zurecht. Ein Test dauere 10 bis 15 Minuten, das heißt, in der bisher vierstündigen Schicht des Teams könnten bis zu 16 Leute getestet werden. „Wenn die Verdachtsfälle explodieren, müssen wir noch mal neu nachdenken“, schränkt der Sprecher ein.

Ähnlich sieht es bei der Schutzkleidung aus. „Die Bestellung bereitet uns nach wie vor Probleme“, sagt Haffke. Derzeit reiche das Material aus, um alle Zentren mit geringen Mengen auszustatten. „Wir wissen nicht, ob es länger als einige Tage reicht“, sagt Haffke. Dazu komme, das Schichtpläne erstellt werden müssten. Das geschehe zentral in Hannover. Auch hier ist die Planung eng gestrickt: Für die geplanten Öffnungszeiten „dürfte das Personal ausreichen“, sagt Haffke. Dr. Mathias Bammel bestätigt: Doch auch hier gilt: „Wenn die Infektionszahlen explodieren, müssen wir neu nachdenken“.

Nachgedacht worden sei zum Beispiel über „Drive-Ins“, wie sie in Hessen oder Korea eingeführt wurden. Dabei wird dem Patienten ein Abstrich genommen, während er im Auto sitzt. Eine Lösung, die praktisch erscheint, die aber nach Aussage des Sprechers einen rechtlichen Haken hat, denn: Erleide der Patient während der Untersuchung zum Beispiel eine Lungenembolie, hafte der Arzt.

Obwohl sich die mobilen Teams bewähren, sind in den Landkreisen weiterhin die Testzentren als feste Anlaufstelle in Planung. Dass sie noch nicht angelaufen sind, habe in der Regel logistische Gründe: Mal fehlt der Raum selbst, mal das Mobiliar, die notwendige technische Ausrüstung: „Bis die Telekom einen Anschluss gelegt hat, kann sechs Wochen dauern“, sagt Haffke. Dieser sei aber für einige Schritte notwendig.



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