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Aus Platzmangel wird Feier nach draußen verlegt

Erste Trauerfeier der Aleviten im eigenen Gotteshaus

HAMELN. Das Kulturzentrum, das sich die Aleviten in der Zentralstraße in den vergangenen Monaten eingerichtet haben, trägt Früchte: Am Montag hat die alevitische Gemeinde dort erstmals eine religiöse Trauerzeremonie abgehalten. Es war das erste Mal, das die Aleviten im Landkreis Hameln-Pyrmont diese Zeremonie in einem eigenen Gotteshaus durchführen konnten.

veröffentlicht am 28.04.2017 um 20:18 Uhr

Weil der Platz im Alevitischen Kulturzentrum nicht ausreichte, wurde die Trauerfeier kurzerhand nach draußen verlegt. Foto: pr
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Etwa 100 Trauergäste hatten sich dafür in der Südstadt eingefunden. Denn das Kulturzentrum der Aleviten ist viel mehr als nur ein Kulturzentrum. Es ist ihr Gotteshaus. „Cem“-Haus nennen es die Aleviten. Das ist Türkisch und wird wie „Dschemm“ gesprochen. Das Kulturzentrum wurde erst vor Kurzem fertiggestellt. Darum erfüllt das Cem-Haus noch nicht alle Funktionen. So kann etwa noch keine rituelle Leichenwaschung vorgenommen werden.

Deshalb fand die Waschung des Leichnams des Verstorbenen im Sana-Klinikum Hameln-Pyrmont statt, durchgeführt von einem „Dede“ (wörtlich übersetzt: Großvater), einem alevitischen Geistlichen, unterstützt von zwei Angehörigen des Verstorbenen. In der Vergangenheit wurden in den Krankenhäusern auch meistens die Trauerzeremonien abgehalten.

Nach der Waschung wurde der Körper des Verstorbenen mit einem Handtuch getrocknet, in weißes Baumwolltuch gewickelt und in den Sarg gelegt. Ein Fahrzeug des „Alevitischen Beerdigungskollektivs“ der Alevitischen Gemeinde Deutschlands brachte den Sarg zum Cem-Haus

Dort hatten sich bereits viele Familienangehörige, Verwandte, Freunde, Bekannte und ehemalige Arbeitskollegen versammelt. Weil der Platz im Cem-Haus für die rund 100 Trauergäste nicht ausreichte, wurde die Zeremonie vor dem Cem-Haus abgehalten. Die Anwesenden versammelten sich stehend, ohne Geschlechtertrennung, im Halbkreis um den mit einer roten Decke behangenen Sarg.

Der Dede sprach mehrere Bittgebete auf Türkisch. Darin, so Kirmansah Demir, Vorstandsmitglied des 2013 gegründeten Alevitischen Kulturvereins Hameln-Pyrmont, ruft der Dede die alevitischen Heiligen an, alle Menschen zu beschützen. Dann wurden die Anwesenden dreimal nach ihrem Einvernehmen, dem „Rizalik“, mit dem Verstorbenen gefragt. „Das Einvernehmen ist ein wesentliches Element in der Zeremonie“, erklärt Demir. „Hiermit sollen mögliche Ungerechtigkeiten gegenüber den Anwesenden, die durch den Verstorbenen begangen wurden, aus der Welt geschafft werden.“

Nach der Zeremonie wurde der Leichnam zum Flughafen Hannover gebracht, von dort über Istanbul nach Sivas, die Geburtsstadt des Verstorbenen, überführt und in Sarkisla beigesetzt.

„Im alevitischen Glauben spricht man nicht vom Tod, sondern von der Wanderung zur göttlichen Wahrheit, von der Erneuerung der Hülle“, führt Demir aus. „Der Körper geht zur Erde. Die Seele gelangt zur göttlichen Wahrheit und ist somit unsterblich. Der Tod betrifft nur den menschlichen Körper. Für die Aleviten kommt die Seele vom Gott und kehrt nach dem Tode zurück.“

Der am 21. April verstorbene Ali Gökdemir wurde 54 Jahre alt. Er hinterlässt eine Ehefrau und zwei erwachsene Kinder. Ali Gökdemir kam 1983 und arbeitete unter anderem bei Weser-Champignon Dohme in Höfingen.

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