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„Du schaust in ein schwarzes Loch und denkst: Kommt da gleich ’ne Kugel raus oder nicht?“

Erst nach dem Taxi-Überfall begann das Zittern

Hameln (ube). Erneut ist in Hameln ein Taxi-Fahrer (64) überfallen, mit einer Waffe bedroht und ausgeraubt worden – das Verbrechen ereignete sich am frühen Samstagmorgen um kurz nach 1 Uhr auf der Königstraße. Nur wenige Minuten zuvor war der Täter, der sich als Fahrgast ausgegeben hatte, am Bahnhof eingestiegen. Eine Großfahndung verlief bislang ohne Erfolg. Erst am späten Abend des 21. Dezember war ein Kollege des Mannes am Kuckuck von zwei jungen Tätern überfallen worden. Das Opfer fügte dem 52-jährigen Berufskraftfahrer seinerzeit mit einem Messer Schnittverletzungen am Hals zu. Nach einem Kiosk-Überfall am Kopmanshof, bei dem ebenfalls ein Mann mit einem Messer verletzt wurde, gelang es Polizisten im März, zwei Verdächtige (17, 18) zu ermitteln. In beiden Fällen waren es die Fahrer eines Taxi-Unternehmers der Zentrale „7477“. Der 42-jährige Geschäftsmann, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, sagte gestern: „Ich kann nicht nachvollziehen, dass Räuber ausgerechnet Taxi-Fahrer überfallen. Früher oder später kriegt die Kripo jeden. Und dann sitzen die wegen der paar Kröten jahrelang im Knast.“

veröffentlicht am 11.04.2010 um 20:29 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 13:21 Uhr

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Nach dem erneuten bewaffneten Überfall sagten die von der Dewezet befragten Taxi-Fahrer übereinstimmend, sie hätten „vor allem nachts ein mulmiges Gefühl“. Ein Aushilfsfahrer meinte gar, er werde sich überlegen, „ob das der richtige Job für ihn sei“. Immer wieder ist es in den vergangenen Jahren zu Angriffen auf Kraftfahrer gekommen. Nicht alle gingen so glimpflich aus, wie der am Samstagmorgen. Taxi-Fahrer Günter D. (Name geändert, heute 41 Jahre alt) wurde am 26. Juli 1997 um 0.15 Uhr auf der Basbergstraße überfallen und niedergestochen. „Ohne eine Notoperation wäre er mit Sicherheit an der Stichverletzung gestorben“, sagte Gerichtsmediziner Dr. Dirk Breitmeier. Erst mehr als elf Jahre nach der Bluttat gelang es der Polizei, einen der Täter festzunehmen. Sein Blut (DNA-Spur), das im Wagen gefunden wurde, hatte ihn verraten. Im Oktober 2008 wurde der Taxi-Räuber (35) zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Ein anderer Überfall auf einen Taxi-Fahrer (43) aus Hastenbeck ging tödlich aus. In der Nacht vom 8. auf den 9. April 1984 wurde dem Familienvater in den Kopf geschossen. Er starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Drei Wochen nach dem Raubmord schnappten Fahnder den Schützen – es war ein 22 Jahre alter Mann. Sein Motiv: Schulden.

Seit mehr als 30 Jahren fährt der jüngst überfallene Hamelner (64) nebenbei Taxi. In 17 Tagen geht er in Rente. Es ist das erste Mal, dass er Opfer wurde. „Das ist nicht gerade angenehm, in die Mündung einer Waffe zu schauen“, sagt der Mann im Gespräch mit der Dewezet. Gestern fuhr er wieder Taxi – die Tagesschicht. „Als es am Morgen noch dunkel war, hatte ich schon so ein komisches Gefühl. Ich habe mir die Fahrgäste ganz genau angeguckt. Aber es hilft ja nichts: Wir haben Beförderungspflicht“, sagt er. Während und kurz nach dem Überfall sei er ruhig geblieben. „Als ich zu Hause war, begann das Zittern. Nicht einmal einen Kaffee konnte ich mir kochen. Der Schreck saß tief, ich stand wohl doch unter Schock“, sagt der 64-Jährige. Erst daheim habe er realisiert, was ihm gerade passiert war.

Um kurz nach 1 Uhr war der Täter am Bahnhof in sein Taxi gestiegen. Auf der Königstraße zog der Unbekannte in Höhe des Hauses Nummer 70 eine Pistole und zwang den Fahrer, die Einnahmen herauszugeben. „Du schaust plötzlich in ein schwarzes Loch und denkst: Kommt da gleich ’ne Kugel raus oder nicht?“, beschreibt das Opfer seine Gefühle.

Der Räuber flüchtete zu Fuß. Er soll etwa 20 Jahre alt und zirka 1,65 Meter groß sein, hat dunkle Haare, trägt einen Ohrstecker und war mit einem schwarzen Mantel bekleidet. Die Hamelner Polizei bittet um Hinweise. Telefon: 05151/933-222.

Am Hamelner Bahnhof stieg der Räuber gegen 1 Uhr früh in das Taxi eines 64-jährigen Aushilfsfahrers ein. Nur ein paar Minuten später wurde der Mann überfallen und ausgeraubt.

Foto: ube

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