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Umgestürzte Bäume müssen raus aus den Wäldern – um Schädlingsbefall zu vermeiden

Erst der Sturm, jetzt der Käfer

HAMELN. Nachdem Sturm „Friederike“ viele Bäume im Hamelner Forst beschädigt und umgeworfen hat, befürchtet das Forstamt nun einen Befall mit Borkenkäfern. Die Zeit drängt. Das Holz muss so schnell wie möglich raus aus den Wäldern – doch so einfach ist das nicht.

veröffentlicht am 14.03.2018 um 10:24 Uhr
aktualisiert am 15.03.2018 um 19:53 Uhr

Derzeit kein seltenes Bild in Hamelns Wäldern: Mit voller Wucht hat der Wintersturm „Friederike“ diesen Baumstamm zerbrochen. c
Lars Lindhorst

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Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite
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Wenn „Buchdrucker“ und „Kupferstecher“ erst zuschlagen, dann ist es wohl zu spät für die Hamelner Fichten. Viele Nadelbäume sind ohnehin schon dem Sturm „Friederike“ zum Opfer gefallen. Sie knickten durch den Sturm um oder waren teilweise so angeschlagen, dass sie aus Sicherheitsgründen gefällt werden mussten. Nun befürchtet Forstamtsleiter Ottmar Heise, dass der Borkenkäfer, deren Unterarten sich Buchdrucker, Kupferstecher oder auch Waldgärtner nennen, eine Vielzahl von Bäumen im Hamelner Stadtforst befallen könnte. Die Zeit drängt, sagt Heise. Das Holz muss so schnell wie möglich raus aus den Wäldern – doch so einfach ist das nicht.

Starker Käferbefall wäre jedenfalls keine gute Aussicht für die Vermarktung des Nadelholzes, die nach den großen Sturmschäden im ganzen Land ohnehin schwer genug geworden ist. Es gibt derzeit einfach zu viele geschlagene Fichten. Die Preise für Nadelholz sind in den Keller gerutscht.

Der Leiter des städtischen Forstamts schätzt die Menge der dem Januar-Sturm zum Opfer gefallenen Bäume auf etwa 3000 bis 4000 Festmeter – eine enorme Zahl, bezogen auf die Größe des städtischen Waldes. Allein in Niedersachsen hat Sturm „Friederike“ Schätzungen zufolge rund eine Millionen Festmeter Holz umgerissen. Das Forstamt Neuhaus im Solling rechnete unlängst mit 300 000 Festmeter umgestürzter Bäume.

Einige umgeknickte Bäume drohen weiterhin herabzufallen. Foto: ll
  • Einige umgeknickte Bäume drohen weiterhin herabzufallen. Foto: ll

Zu 90 Prozent habe „Friederike“ Nadelbäume erwischt; der überwiegende Teil davon seien Fichten, erklärt Heise. Zu Wochenbeginn waren die Mitarbeiter des Forstamts im Bereich der „Heisenküche“ damit beschäftigt, die gefallenen Fichten für den Abtransport vorzubereiten. Bis zum Finkenborn und Riepen, dort, wo laut Heise die meisten Bäume umgestürzt waren, sind die Stadtbediensteten noch nicht in alle betroffenen Bereiche des Waldes vorgedrungen. Aufgrund der großen Zahl an Holzstämmen geht Heise davon aus, dass man im Hamelner Stadtwald noch bis Mai oder Juni mit den Sturmfolgen beschäftigt sein wird.

Für den Abtransport sind ohnehin externe Dienstleistungsunternehmen zuständig. Sie werden mit großen Harvestern anrücken, um die Bäume aus dem Wald zu schaffen, sagt Heise. Doch auch bei den Forstunternehmen sind die Auftragsbücher voll. Manche sind laut Forstamtschef gänzlich ausgebucht. Ähnlich sehe es aus bei den Sägewerken im Süden der Republik, an die die Hamelner gewöhnlich das Holz verkaufen. Holz wird dort gerade aus allen Teilen des Landes angeliefert.

Trotzdem versucht Heise derzeit, die Hamelner Stämme an den Mann zu bringen. Es wird voraussichtlich kein sehr lukratives Geschäft. „Der Holzmarkt ist total übersättigt“, meint Heise. Die Preise für Nadelholz liegen „deutlich unter Normalniveau“.

Dem Förster ist daran gelegen, dass das Holz nun trotzdem so schnell wie möglich aus den Wäldern herauskommt. Er hofft dabei nicht ohne Grund auf ein „möglichst kühles Frühjahr“. Bei Temperaturen kurz unter 20 Grad beginnt nämlich die Flugzeit der Borkenkäfer, wie er erklärt. Mit Vorliebe brüten die Schädlinge in absterbenden Bäumen. Dort finden sie günstige Entwicklungsmöglichkeiten. Bei der aktuellen Menge an umgeknicktem Holz könnte dies zu einer Massenvermehrung der Borkenkäfer führen, ist nicht nur Heises Befürchtung. Die Sorge, die Käfer könnten zu erheblichen Verlusten bei der Holzvermarktung führen, teilen alle anderen Forstexperten auch. Ein weiteres Problem laut Heise: Je größer die Population der Borkenkäfer, desto größer ist das Risiko, dass die Schädlinge auch gesunde Bäume befallen könnten.

Schäden, die sichtbar sind, seien vom Forstamt der Stadt geräumt worden. Heise sagt aber auch: „Eine Restgefahr besteht immer.“ Der aufgeweichte Waldboden erschwere nicht nur den Holztransport. Dafür, dass nicht doch noch mal ein Baum umstürzt, gebe es „keine Garantie“. Der Forstamtsleiter empfiehlt aus diesem Grund, vor allem bei stärkerem Wind „tunlichst den Wald zu meiden“.



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