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Pflasterfest steht bevor / Stadtmanager Andres verrät, warum er nervös ist – und wie er feiern wird

Erst der Albtraum, dann das Vergnügen

Hameln. Endlich, nach fast zehn Jahren, bekommt Hameln wieder ein Altstadtfest – zumindest in diesem Jahr. In gut einer Woche, am Freitag, 23. August, geht’s los. Doch Dennis Andres, Stadtmanager bei der Hameln Marketing und Tourismus GmbH, läuft schon lange auf Hochtouren. Im Gespräch erzählt er von schlechten Träumen, davon, was die Hamelner erwartet und vom lieben Geld.

veröffentlicht am 15.08.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 17.08.2017 um 14:32 Uhr

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Herr Andres, fünf Millionen Euro für die Sanierung der Fußgängerzone – wie sieht das Pflaster am Montagmorgen aus?

Ich hoffe nicht so, dass nochmal fünf Millionen da reingesteckt werden müssen … Es ist jetzt wirklich der Härtetest. Wir haben ja schon mal ein bisschen Vorarbeit geleistet und mit dem Osterstraßenfest getestet: Was kann das Pflaster ab? Und wir haben gesehen, dass viele Flecken mit der Zeit einfach auf wundersame Weise wieder verschwinden und wir nicht alles austauschen müssen. Ich habe die Hoffnung, das Pflaster bleibt uns noch jahrzehntelang erhalten.

Wir springen noch einmal in die Zukunft, Montagmorgen: Wann war das Pflasterfest ein voller Erfolg?

Puh – also erst mal, wenn ich durch die Straßen gehe und nicht mit Pappbechern oder Ähnlichem von den Standbetreibern beworfen wurde, dann weiß ich, das war ganz gut. Nein, im Ernst, ich denke, wenn viele Leute da waren, alle Spaß hatten und die Standbetreiber so halbwegs auf ihre Kosten kommen, dann sind wir schon zufrieden. Was ich jetzt so im Vorfeld höre, es ist Gesprächsthema überall, die Hamelner sind wirklich heiß drauf, habe ich das Gefühl, hier wieder ein Altstadtfest zu feiern, und von daher glaube ich, können wir mit wirklich viel rechnen.

Was erwartet die Leute im Vergleich zu den Altstadtfesten, wie Hamelner sie noch kennen?

Man muss jetzt nur mal die Größenordnung sehen. Es sind weit über 40 Bands – das gab’s noch bei keinem Altstadtfest – auf vier Bühnen verteilt. Das Fest wächst immer noch, es kommt immer noch was dazu. Es gibt viel Abwechslung, viel unterschiedliches Programm, es wird für jeden etwas dabei sein. Da wird keine Band bis an ihre Grenzen die Stunden füllen müssen, sondern wir haben wirklich dafür gesorgt, dass auf den Bühnen, ja, ich nenn’s mal „volle Power“ läuft.

Was wird denn noch geboten neben Musik – was zählen Sie zu „voller Power“?

Na ja, wir haben natürlich auch Walk Acts in der Stadt, teilweise auch musikalisch; wir haben unsere Ratten, die wieder zu Besuch kommen mit Saxofon und Mülltonne bewaffnet, das passt einfach zu Hameln. Es gibt viel Kinderprogramm, von Kinderschminken bis zum Kletterturm, Kinder-Bungee, Aqua-Balls. Also, es ist jede Menge los. Was besonders schön ist: Es ist nicht eines dieser klassischen Stadtfeste, bei denen sich ein Lederstand an den anderen reiht und ein Handyschalenverkäufer an den nächsten, sondern gut 26 der Stände der Außenbereiche werden von den Anliegern betrieben; fast alle Gastronomen sind dabei, teilweise kommen auch die Einzelhändler mit einem Stand nach draußen – ich denke, das wird ein besonders schönes Flair in unserer Altstadt geben.

Bis vor kurzem war es ja so, dass sich nicht alle Anlieger beteiligt haben – gibt es jetzt noch viele Trittbrettfahrer?

Trittbrettfahren ist bei dem Fest relativ schwer möglich, weil man, sobald man den Außenbereich nutzt, diesen dann auch anmelden muss. Es werden natürlich auch einige wenige Cafés einfach aufmachen und von der Frequenz profitieren, ohne dass sie jetzt einen Bereich draußen bespielen, aber das ist für uns in Ordnung.

Worauf haben Sie bei der Zusammenstellung des Programms Wert gelegt? Es sind ja sowohl regionale als auch überregionale Akteure dabei.

Ja genau, wir haben einen weiten Bogen geschlagen. Man muss ja immer ein bisschen aufpassen, dass es nicht heißt, es sind immer dieselben, die immer hier spielen. Wir haben geschaut, dass viel Neues dabei ist. Wir haben Bands aus Holland, die eine Sängerin kommt von den Kapverden, ’ne Band aus Irland kommt eingeflogen, viele kannte ich aus meiner Zeit in Süddeutschland – davon haben wir profitiert. Aber bekannte Namen hier aus der Region waren uns auch ganz wichtig.

Was ist für Sie jetzt das Wichtigste, damit alles rundläuft? Sie sind ja schon seit Wochen mit den Planungen befasst …

Seit Monaten!

Seit Monaten! Wann haben Sie angefangen?

Eigentlich hat sich die Idee im Oktober letzten Jahres entwickelt, da wussten wir schon, dass wir das Fest machen wollen. Und dann ging’s an Kleinigkeiten wie Genehmigungen, wann ist der richtige Termin dafür; welche Art, welchen Charakter soll das Fest haben, wie groß soll es werden, wie finanzieren wir das … das sind Überlegungen, da schlägt man sich dann Monate mit rum, bis dann die Entscheidungen getroffen werden müssen. Ab Januar wurde es dann intensiver, und nach der Mystica, Anfang März, haben wir dann richtig losgelegt. Wir sind jetzt also gut sechs Monate dabei.

Und gibt es noch etwas, wovon Sie sagen: Davon hängt es ab, dass es was wird?

Von den Besuchern hängt es ab. Wir haben alles dafür getan. Ich denke, die Werbung hat mittlerweile auch jeder gesehen …

… auch überregional …

Auch überregional. Wir haben viel Wert auf den Bereich Hannover, Hildesheim, Ostwestfalen gelegt – da machen wir uns größte Hoffnungen, dass auch da viele den Weg nach Hameln finden. Aber letztendlich liegt es an den Hamelnern, und die können wir nur bitten, in Scharen hier diese drei Tage lang präsent zu sein!

Sie haben das Thema Finanzierung schon angesprochen – kann die HMT damit einen Gewinn erwirtschaften?

[Verschluckt sich fast am Wasser] Nein, nein, im Gegenteil. Das ist ja auch ein Grund, warum solche Altstadtfeste vom Aussterben bedroht sind. Private Anbieter machen das ja schon gar nicht mehr – wir rechnen die Arbeitsstunden jetzt nicht mit rein. Da dürften wir gar nicht drüber sprechen, was dabei rauskommt.

Das heißt, es wird für die HMT eine Plus-Minus-Null-Nummer?

Nein, da steht ein dickes Minus.

… das auch von Sponsoren nicht aufzufangen ist?

Nee, also wir sind wirklich froh, dass wir so viele Sponsoren dabei haben, die sich weit aus dem Fenster gelehnt haben und an das Fest glauben – sonst wäre das gar nicht möglich gewesen. Aber trotzdem, wenn man ein Fest in der Qualität liefern möchte, mit diesem Programm, mit über 200 Künstlern, da bleibt nichts übrig am Ende – wir haben ja auch keinen Eintritt. Jeder kann kommen und kann Spaß haben.

Sind Sie persönlich denn schon nervös?

Ja, ich träume schon nachts vom Pflasterfest. Ich habe ja aber auch schon ein paar Veranstaltungen dieser Art hinter mich gebracht und bin nicht mehr so nervös wie bei der ersten Veranstaltung, aber man zittert schon mit; es steckt einfach viel Herzblut drin, viel Zeit und auch unheimlich viel Geld – auch, wenn’s nicht das eigene ist. Ja, das beschäftigt einen …

Erinnern Sie sich noch an den Traum – oder war das nur so dahergesagt, dass Sie schon davon geträumt haben?

Nee, das stimmt. Ich habe geträumt, dass die Bühnen alle an völlig falschen Stellen aufgebaut waren …

Oh, kein guter Traum. Wo werden Sie nächste Woche ab Freitag zu finden sein?

Ich werde eigentlich schon ab Donnerstag nonstop auf dem Fest sein. Ich habe vor, jede Band zu sehen, die da spielt. Zumindest kurz.

Interview: Birte Hansen

Das Pflasterfest findet vom 23. bis 25. August in der Fußgängerzone statt. Informationen rund um das Programm gibt es unter pflasterfest.de



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