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Sana-Klinikum fördert Integration von Muslimen / Treffpunkt „Raum der Stille“

Erlaubte Kost und die Bibel neben dem Koran

Hameln (fd). Großes Misstrauen herrschte bisher oft am Krankenbett bei den Muslimen, wenn sie die von ihrer Religion erlaubten und im Menüplan auch bislang schon vorhandenen Speisen ankreuzten. Oft verzichteten Sie dann zum Beispiel vorsichtshalber auf Fleischprodukte, weil der Vorgang des Schlachtens bei ihnen strengen Vorgaben unterliegt. Die für gläubige Muslime erlaubte sogenannte Halal-Kost ist nach den Vorgaben des Korans unter anderem eine Kost, bei welcher ein besonders in Koranvorschriften befähigter Schlachter den Schlachtvorgang segnet.

veröffentlicht am 19.09.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 13:21 Uhr

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Es gibt noch einige weitere religiöse Vorgaben, welche allerdings im strengen Einklang mit dem deutschen Tierschutzgesetz stehen müssen. Auch die Möglichkeit der Religionsausübung im Klinikum war bislang nur im Patientenzimmer unter eigener Organisation möglich. Bilgin Onur, Gemeindevorsitzender der Islamischen Gemeinde Hameln, und Dr. Feyzullah Gökdemir, Integrationsbeauftragter des Landkreises, haben diese Themen nun mit den Verantwortlichen des Sana-Klinikums erörtert, um gemeinsam Lösungen zu finden. Der Leiter der Klinikküche, Werner Schmidtmeier, wurde dabei ebenso mit eingebunden wie die Krankenhausseelsorgerin, Diakonin Birgit Hodemann.

Klinik-Geschäftsführer Dr. Ralf Paland unterstützt diese Integrationsinitiative: „Viele unsere Patienten sind gläubige Muslime, und natürlich möchten wir, dass sie im Sana-Klinikum ihre Religion und die damit verbundenen Pflichten wie gewohnt ausüben können.“ Auch Schmidtmeier sieht das so: „Wir haben schon vor vielen Jahren spezielle Kost für Muslime in unsere Speisepläne mit aufgenommen, aber es gab oft Misstrauen bei den entsprechenden Patienten.“ Dem könne man begegnen, erläutert Onur: „Es gibt zertifizierte Schlachtbetriebe, die einwandfreie Halal-Kost anbieten. Diese Rohware müsste die Klinikküche dann als Grundlage für die Speiseherstellung verwenden.“

Für Küchenleiter Schmidtmeier kein Problem. Mithilfe von Gökdemir wurde der Kontakt zu einem heimischen zertifizierten Halal-Schlachtbetrieb hergestellt, und Bilgin Onur begleitete die Preisverhandlungen, damit die Kost der Muslime nicht teurer als die allgemeine Klinikkost wird. Inzwischen ist dieses Projekt umgesetzt, und die Muslime der Region können sich auf die Halal-Kost am Krankenbett verlassen.

Auch in der Frage der Gebetsausübung wurde eine Lösung gefunden: Seit Dezember 2010 gibt es im Sana-Klinikum einen „Raum der Stille“. Mit finanzieller Unterstützung des Arbeitskreises Christlicher Kirchen in Hameln konnte die evangelische Krankenhausseelsorge diesen Raum für Gebet und Stille gestalten. Dort schuf Diakonin Hodemann eine Möglichkeit, neben den christlichen Gebetsbüchern und Bibeln auch den Koran und einige Gebetsteppiche auszulegen. Die für das Gebet wichtige Richtung gen Mekka wurde ausgemessen und auf dem Boden mit einem Pfeil markiert. „Wir bieten im ,Raum der Stille‘ die Möglichkeit zum Gebet oder einfach zum Innehalten. Dabei bitten wir alle um gegenseitige Akzeptanz und respektvollen Umgang mit den religiösen Symbolen und Praktiken“, beschreibt Hodemann ihre Sicht zu der gemeinsamen Nutzung des Raumes.

„Ein Klinikum ist ohnehin ein Platz für Integration“, so Dr. Paland, „denn mit ihren Sorgen rund um die Erkrankung und die Genesung haben unsere Patienten eine große Gemeinsamkeit, und da wären trennende Aspekte nur störend.“ Onur teilt diese Auffassung. „In unserer Gemeinde herrscht großes Interesse an einer guten Integration. „Natürlich möchten wir bei all diesen Bemühungen trotzdem unseren Glauben aktiv praktizieren. Deshalb freuen wir uns, dass im Sana-Klinikum Hameln-Pyrmont unsere Anregungen aufgegriffen wurden. Wir stehen in gutem Kontakt und werden so, da bin ich mir sicher, auch zukünftig etwaige Fragen gemeinsam schnell und unkompliziert lösen“, glaubt er.

Freuen sich gemeinsam über die erweiterten Möglichkeiten der Religionsausübung von Moslems im Sana-Klinikum: Bilgin Onur, Birgit Hodemann, Werner Schmidtmeier und Dr. Feyzullah Gökdemir (v.li.). Foto: fd



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