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Berührender Abend mit Esther Bejarano und der Microphone Mafia

Erinnerungen einer Auschwitz-Überlebenden

HAMELN. „Wenn ich durch die Städte ziehe und in den Schulen lese und meine Konzerte gebe, dann ist das meine späte Rache an den Nazis.“ Auch im hohen Alter von 92 Jahren hört Esther Bejarano, eine der wenigen Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz, nicht auf, über die Schrecken dieser Zeit zu berichten, schildert berührend ihren Weg in das Konzentrationslager und das Glück, dort und später im Konzentrationslager Ravensbrück zu überleben.

veröffentlicht am 03.03.2018 um 06:00 Uhr

… und liest aus ihrem Buch „Erinnerungen“. Foto: wft
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Autor

Wolfhard F. Truchseß Reporter

Die beiden Bundestagsabgeordneten Jutta Krellmann (Linke) und Johannes Schraps (SPD) hatten auch wegen der Diskussionen über einen Lernort Bückeberg die Chance ergriffen, und Esther Bejarano mit Kutlu Yurtseven und ihrem Sohn Joram, beide Mitglieder der Kölner Gruppe „Microphon Mafia“ mit Unterstützung zahlreicher prominenter Persönlichkeiten und den Organisationen der Aktion „Bunt statt braun“ in die Sumpfblume nach Hameln einzuladen. Es sollte eine tief beeindruckende Veranstaltung werden, zu der viele junge Menschen kamen und der Saal der Sumpfblume mit rund 350 Gästen bis auf den letzten Quadratzentimeter gefüllt war. Und nicht nur das – Esther Bejarano wurde von einem Team des ARD-Magazins „Panorama“ interviewt, das gestern am Bückeberg drehte. Der NDR war mit einem Kamerateam im Saal.

Es wurde ganz still in der Sumpfblume, als Esther Bejarano mit fester Stimme aus ihrem Buch „Erinnerungen“ las, in dem sie schildert, wie belastend es war, Musik für alle dem Tod geweihten Opfern der Nazis zu spielen, wenn sie zu den Gaskammern gefahren wurden. Dass sie als Jüdin mit einem arischen Großvater im KZ Ravensbrück sogar noch zu einer Arierin gemacht wurde, ersparte ihr nicht, noch auf einen der Todesmärsche durch Mecklenburg-Vorpommern gezwungen zu werden, wo ihr mit sechs anderen jungen Frauen die Flucht gelingt und sie schließlich von US-Soldaten gerettet werden.

Mit der „Micophone Mafia“ hat Esther Bejarano Rapper gefunden, die Texte geschrieben haben, die durchweg politisch sind und dem Lebensgefühl und den Erfahrungen der alten Dame entsprechen. Und so ist eine fabelhafte Mischung aus Rap und den von Esther Bejarano gesungenen Liedern entstanden, die das Publikum zu Beifallsstürmen hinriss. Es sind antifaschistische Lieder, alte Partisanenhymnen wie das neu arrangierte „Avanti Popolo“ oder Brechts Ballade von der Judenhure Marie Sanders oder auch der jiddische Song „Mir leben eywig, mir senen do“, die Esther Bejarano zu Herze gehend auf die Bühne bringt.

Esther Bajarano singt mit Kutlu Yurtseven und Ihrem Sohn Joram. Foto: wft
  • Esther Bajarano singt mit Kutlu Yurtseven und Ihrem Sohn Joram. Foto: wft

Dass sich die „Microphone Mafia“ dem politischen Rappen verschrieben hat, hat seinen Ursprung in den Schreckensereignissen des Pogroms von Rostock-Lichtenhagen und den Brandstiftungen von Mölln und Solingen Anfang der 90er Jahre. Die Opfer seien damals stigmatisiert und kriminalisiert worden. „Wie sonst konnte man von den ,Döner-Morden’ sprechen.“ Das habe gezeigt, wozu das Schweigen führen könne. Auch der NSU mit seiner Mordserie habe sich aus dem Schweigen entwickelt, klagt Kutlu Yurtseven an. Auch heute werde leider schon wieder geschwiegen über die Not in Afrika, wo die das Meer vor den Küsten leergefischt worden sei und der Nestlé-Konzern den Menschen das Grundrecht auf Wasser verweigere, es abfülle und den Menschen teuer verkaufe. Diese politische Haltung brachte die „Microphone Mafia“ schließlich zu Esther Bejarano, die von Kutlu Yurtseven liebevoll mit „Mutti“ angesprochen wird und die er dankbar dafür lobt, dass sie ihn „eingeenkelt“ habe.

Es war ein wunderbarer Abend in der Sumpfblume für die Freiheit und das Leben.



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