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Wie Familie Steinmetz bei einer Haushaltsauflösung Spuren ihrer Vorfahren gefunden hat

Erinnerungen an die Kindheit

Hameln. Beim Anblick der alten Flaschenkiste aus Holz habe ich das Gefühl, ich schmecke ihn plötzlich wieder auf der Zunge – diesen pickeligen Orangenbrausegeschmack längst vergangener Kindertage. Eine Flasche Florida Boy hat mir mein Großvater in den 1970er Jahren immer auf unseren Ausflügen zur Bussardklause am Aerzener Schierholzberg spendiert. Obwohl es nur eine alte Holzkiste ist, kann ich nicht anders und nehme mir dieses Stück Kindheit mit nach Hause. Auch Horst Steinmetz jun. geht es bei vielen Dingen, die er ordentlich aufgereiht und grob sortiert auf seinem Hof am Fort Luise aufgebaut hat, nicht anders: Mit vielen Stücken verbindet er Kindheitserinnerungen.

veröffentlicht am 11.04.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 06:41 Uhr

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Autor:

sabine Brakhan
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Sein Elternhaus und auch das in Familienbesitz befindliche Nachbarhaus wurden kürzlich verkauft, und nun steht vor der endgültigen Übergabe noch die Haushaltsauflösung an. Doch dabei handelt es sich nicht um den Verkauf von Einrichtungsgegenständen im üblichen Sinne. Horst Steinmetz sen. war ein leidenschaftlicher Sammler mit viel Platz in Kellern und auf Dachböden. Dementsprechend groß ist das Angebot. „Was andere zur Entrümplung an die Straße gestellt hatten, konnte mein verstorbener Mann immer noch gebrauchen“, erzählt Gisela Steinmetz. Ihr war die Sammelleidenschaft ihres Mannes gar nicht recht, wie sie sagt. Sohn Horst allerdings war von klein auf von den Funden seines Vaters begeistert. Horst Steinmetz sen. hat vieles aufbewahrt. Vor allem die Hamelner Stadtgeschichte hat ihn interessiert. Beim Aufräumen stieß der Sohn auch auf einige ganz besondere Schätze Hamelner Stadtgeschichte, die er im Familienbesitz bewahren möchte. So lagerten auf dem Dachboden beispielsweise zwei wie Stammbäume aufgebaute Bilder der jüdischen Familie Jeanette und Salomon Goldstein.

„Meine Schwiegereltern haben Angehörige dieser jüdischen Familie im Hühnerhaus vor den Nazis versteckt. Als kleines Dankeschön erhielten sie die Bilder“, weiß Mutter Gisela Steinmetz zu berichten. Und auch die Geschichte, die ihr Sohn zu einem behauenen Sandstein parat hat, ist vielleicht eng mit Hamelns Geschichte verknüpft. Der eckige Stein mit der Inschrift „Joh. Heinr. Bock Senat und Camer 1799“ und Loch in der Mitte ist ein Weserfund des Vaters. „Den hat er auf Höhe der Pfortmühle bei Niedrigwasser aus der Weser geborgen und mit nach Hause geschleppt“, weiß der Sohn aus den väterlichen Erzählungen. Die Besteckteile mit der Gravur „Felsenkeller Hameln“ fielen quasi vom Himmel, erzählen Mutter und Sohn weiter. „Oberhalb unseres Wohnhauses war die Gartenterrasse der Gaststätte ,Felsenkeller’. Wenn die Gäste übermütig wurden, schmissen sie schon mal Besteck oder Geschirr, aber auch Tische und Stühle den Abgrund hinunter“, erinnert sich die 85-Jährige.

Felsenkeller-Löffel sowie auch Tisch und Stühle der ehemaligen Gaststätte suchen nun neue Liebhaber. Genau wie die Blechdosen der Hamelner Firma Reese mit Ansichten vom Hochzeits- und Rattenfängerhaus. Vom ehemaligen kleinen Lebensmittelladen, den die Familie Steinmetz von 1950 bis zur Jahrtausendwende im Haus Fort Luise Nr. 7 führte, finden sich noch jede Menge Pyrmonter-, Brecke- und Bier Meyer-Holzkisten samt Pfandflaschen im Nachlass des Sammlers. Und auch die Verpackung eines Rattenfängerkäses hat die Jahrzehnte unbeschadet neben mehreren Ausgaben des Klütkalendes überdauert. Noch bis einschließlich heute besteht für Interessierte die Möglichkeit, zwischen unzähligen alten Bügeleisen, Tontöpfen und anderen Fundstücken ganz persönliche Kindheitserinnerung zu suchen und zu finden und für kleines Geld mit nach Hause zu nehmen.

Wehmütig hat Gisela Steinmetz einige Erinnerungen an Hameln in einen großen alten Koffer gepackt. Den nimmt sie mit in ihr neues Zuhause nach Husum. Links: Die Kisten und Flaschen der Hamelner Brauereien Brecke und Bier Meyer, die Horst Steinmetz jun. beim Aufräumen gefunden hat, sind noch Überbleibsel des elterlichen Lebensmittelgeschäfts.sbr



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