weather-image

St. Petersburger Priester am Grab von Alexander Nepomnjaschi in Holtensen

Erinnerung an Kriegsleid

Holtensen. Besuch aus Russland in Holtensen – die Erinnerung an das unermessliche Leid aufrechterhalten, das der Krieg gebracht hat, will ein orthodoxer „Erzpriester“ und Dozent an einer St. Petersburger theologischen Hochschule. Gemeinsam mit einer Gruppe junger Leute stattete er jetzt dem Hamelner Ortsteil einen Besuch ab. Dort liegt auf halber Höhe am Lengeberg mit wunderschönem Ausblick auf den Süntel ein Grab. Bestattet wurde hier der Russe Alexander Nepomnjaschi, geboren am 2. März 1915 in Rostov bei Moskau. Alexander Nepomnjaschi war Lehrer gewesen und zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt worden. Im Lauf des Jahres 1944 war er nach Holtensen auf den Hof Jakob gekommen.

veröffentlicht am 06.08.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 19:41 Uhr

270_008_7352396_hm301_Gelderblom_0608.jpg

Autor:

Bernhard gelderblom
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

In der Scheune des Hofes wurde in den letzten Kriegstagen (2. bis 4. April 1945) ein Trupp deutscher Soldaten einquartiert. Dessen Aufgabe war es, die Hamelner Weserbrücken zu sprengen, um die Amerikaner am Einmarsch nach Hameln zu hindern. Zum unermesslichen Schaden für die Stadt flogen die beiden Brücken früh am Morgen des 5. April in die Luft.

Die deutschen Soldaten mussten morgens und abends auf dem Hof zum Appell antreten. Die russischen Zwangsarbeiter machten sich wohl in ihrer Sprache lustig über dieses letzte Aufgebot, das den „Endsieg“ sichern sollte. Einer der Soldaten war Lette, des Russischen mächtig, und verstand, was vor allem aus dem Munde Alexanders gelästert wurde. Der Lette muss seine Beobachtung an den Offizier weitergegeben haben. Alexander wurde festgenommen.

Augenzeugen sahen gegen Abend zwei deutsche Soldaten, Gewehr auf dem Rücken und zwischen sich einen Mann, den Lengeberg hinaufgehen. Kurze Zeit später hörten die Anwohner der Hoye einen Schuss. Anwohner fanden rechts am Weg, auf halber Höhe des Berges, im Bereich einer Schuttkuhle, den Mann erschossen liegen. Bürgermeister Willi Meyer ließ den Leichnam an der Stelle, an der er erschossen wurde, beisetzen.

Über Jahre hin pflegten Menschen das Grab, zuerst Wilhelm und Johanne Oberheide, dann ihre Tochter Metha Wallbaum. Sie taten das in Erinnerung an ihren Sohn und Bruder, der in Russland geblieben war.

Um das Jahr 2000 unterblieb die Pflege. Nachdem es mithilfe von Bernhard Gelderblom gelungen war, den Namen des Toten und sein Schicksal zu ermitteln, sorgten Holtenser Bürger auf Initiative von Gerhard Hentrich für einen Grabstein. Am 13. November 2005 wurde der Grabstein für Alexander Nepomnjaschi im Beisein zahlreicher Holtenser Bürger von Pastorin Lange feierlich eingeweiht.

Der Besuch aus Russland, Wjatscheslaw Kharinov, orthodoxer „Erzpriester“ und Dozent an einer St. Petersburger theologischen Hochschule, hat in Russland die Initiative „Mir i Pamjat“ („Frieden und Erinnerung“) gegründet. Zusammen mit jungen Leuten besucht er regelmäßig die ausgelöschten Dörfer und vielen Gräber russischer und deutscher Soldaten, die rund um Leningrad liegen und von den erbitterten Kämpfen anlässlich der Belagerung Leningrads durch die deutschen Truppen in den Jahren 1941-1944 zeugen.

Mit seiner Gruppe, darunter junge Motorradfahrer, fährt er auch nach Westeuropa, vor allem nach Deutschland und Österreich. Auf das versteckt liegende Grab in Holtensen stieß er im Internet. Wjatscheslaw Kharinov ist voller Anerkennung dafür, wie gut in Deutschland die Gräber auch der russischen Kriegsgefangenen gepflegt werden und lobt die liebevolle Art, wie Holtenser um Gerhard Hentrich das Grab am Lengeberg pflegen.

Alexander Nepomnjaschi als Zwangsarbeiter in Deutschland (links). Der St. Petersburger Priester Wjatscheslaw Kharinov mit Bernhard Gelderblom am Grab von Alexander Nepomnjaschi in Holtensen.pr



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt