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Ex-Oberbürgermeister Kock gestorben

Er war der „Weizsäcker von Hameln“

Hameln. Er war von 1973 bis 1991 ehrenamtlicher Oberbürgermeister von Hameln und damit das dienstälteste Stadtoberhaupt: Dr. Walter Dieter Kock (CDU), hoch angesehenes und langjähriges Mitglied des Hamelner Rates und Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande, ist nach schwerer Krankheit im Alter von 87 Jahren gestorben.

veröffentlicht am 10.06.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 20:41 Uhr

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Autor:

Christa Koch
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Der Rechtsanwalt und Notar, ein waschechter Hamelner Junge, kam schon früh zur Politik, trat 1968 in die CDU ein und wirkte für seine Partei auf den verschiedensten Ebenen. Ohne sich allerdings jemals von ihr vereinnahmen zu lassen. Und das hieß für ihn, dass er mitunter auch bereits getroffenene Entscheidungen spontan und radikal umstürzte, sobald klar war, dass die Mehrheit der Bürger dies wollte. Als die Stadt Hameln beispielsweise ein riesiges Industriegebiet in Wangelist plante und schon fast alles in trockenen Tüchern war, trug Kock maßgeblich dazu bei, dass das Projekt, gegen das sich seitens der Bürger erheblicher Widerstand regte, in den Schubladen verschwand.

Die Bürger – sie spürten, dass ihr Stadtoberhaupt sie ernst nahm. Auch wenn er auf manche eher distanziert denn volksnah wirkte, er war und blieb der Gentleman mit der liberal-konservativen Gesinnung, der stets auf Ausgleich bedacht war und auch beim politischen Gegner großen Respekt genoss. Nicht umsonst wurde der ranke, schlanke Mann mit dem aufrechten Gang und dem meist etwas spöttisch-nachsichtigen Lächeln auch der „Weizsäcker von Hameln“ genannt – in Anlehnung an den damaligen Bundespräsidenten, dem man eine ähnlich würdevolle Haltung abseits der Tagespolitik nachsagte. Kocks Motto: „Suchet der Stadt Bestes.“

Dabei konnte Kock als Oberbürgermeister aus dem Ansehen schöpfen, das ihm seine Tätigkeit als Jurist eingebracht hatte, als weit über das Weserbergland hinaus geschätzter Anwalt und Notar, in dessen renommierter Kanzlei auch sein Bruder und zwei seiner drei Söhne arbeiten. Noch vor zwei Jahren kam er regelmäßig ins Büro und nahm regen Anteil an allen Tätigkeiten dort, aber auch an der Kommunalpolitik, der er vor mehr als 20 Jahren den Rücken gekehrt hatte.

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  • Besiegeln die Partnerschaft: Walter-Dieter Kock (li.) mit dem ehemaligen Oberbürgermeister von Quedlinburg, Rudolf Röhricht.
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Apropos Büro: Kock, als Oberbürgermeister im damals noch zweigleisigen kommunalen Organisationssystem ausschließlich ehrenamtlich tätig, legte darauf so viel Wert, dass er immer darauf verzichtete, im Hamelner Rathaus ein eigenes Büro zu haben. Einer seiner engsten Weggefährten aus jener Zeit ist Dr. Eduard von Reden-Lütcken. Der ehemalige Hamelner Oberstadtdirektor, der heute in Wischhafen lebt: „Wir haben eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet, zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger. Walter-Dieter Kock lag besonders die Sanierung der Altstadt statt ihrer Zerstörung am Herzen, gemeinsam mit der unvergessenen Bürgerin Elsa Buchwitz. Mit ihm verliert die Stadt eine große Persönlichkeit und ich selbst einen langjährigen Mitstreiter guten Freund.“

„Sachlich, überparteilich, ausgleichend“ – so hat Gerhard Paschwitz den Verstorbenen in Erinnerung. Der CDU-Ratsherr, der 1976 zum ersten Mal in den Stadtrat eingezogen war, ist einer der wenigen, die Koch noch als aktiven Politiker erlebt haben. Paschwitz spricht von einer Persönlichkeit, die überzeugend und sympathisch gewirkt habe. Er bescheinigt Koch – was nicht unbedingt jeder tut – auch Volksnähe. Unterstützung erfährt er dabei von seinem Parteifreund Rolf Bremeyer, ebenfalls Jahrzehnte kommunalpolitisch tätig und als langjähriger Ortsbürgermeister von Halvestorf eng vertraut mit Kock. „Er war sehr publikumsnah und hat Halvestorf stets als sein ,liebstes Kind‘ bezeichnet.“ Auch der spätere Koalitionspartner FDP hat Kock geschätzt: „Er war jovial und hatte keinen Dünkel. Man konnte ihm stets auf Augenhöhe begegnen“, so der damalige Ratsherr Karl-Heinz Biermann.

Auch Christa Bruns zeigte sich gestern tief betroffen vom Tod Walter-Dieter Kocks. Die Sozialdemokratin, die dem Verstorbenen im Amt des Oberbürgermeisters nachgefolgt war, hat vor allem in guter Erinnerung, wie sehr sich Kock um eine Aussöhnung mit ehemaligen jüdischen Mitbürgern eingesetzt hatte, mit denen er teilweise sogar aufgewachsen war. „Bei der ersten Einladung dieser Menschen aus aller Welt hat er eine unglaubliche anrührende Rede gehalten“, weiß sie noch heute. Und was sie ihm außerdem zugute hält: „Er hat bei vielen Reisen und bei seinem Engagement für die Partnerstädte die Öffnung der Stadt Hameln nach außen vorangetrieben. Obwohl er ein echtes Hamelner Kind war, ging sein Blick immer über den kleinstädtischen Horizont hinaus“, sagt sie.

Anerkannter Jurist und entschiedener Verfechter des Ehrenamtes: Hamelns früherer Oberbürgermeister Dr. Walter-Dieter Kock starb mit 87 Jahren.



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