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Hier bekommen alle ihr Fett weg, vor allem die Männerwelt. Ingo Appelt rüpelt sich durchs Leben und über die Bühne.

Er lässt nichts und niemanden aus …

HAMELN. Warum soll der Abend anders verlaufen, als man vorher geahnt hatte? Ingo Appelt rüpelt sich auf Hamelns coolster Bühne in der Sumpfblume durchs Leben - vor allem durch fremde. Dabei macht er vor niemandem halt, alle bekommen ihr Fett weg. Dem Publikum gefällt‘s, schließlich gibt es ordentlich was zu lachen.

veröffentlicht am 02.09.2018 um 19:56 Uhr

Ingo Appelt in der Hamelner Sumpfblume. Foto: TT
Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Männer, immer wieder die Männer – sie bekommen es ganz dicke mitten ins Gesicht und um die Ohren geschlagen an diesem Abend. Und wer nicht mitlacht, wird schief angesehen. Männer, tja der Appelt kennt sich halt aus, sie sind das schwächere Geschlecht, grölen lieber im Fußballstadion als den Frauen Komplimente zu machen, sind dumpf, proletarisch in ihrem Benehmen, haben‘s mit Ballerspielen und Pornos, sind immer und überall nur auf Macht aus. Immer feste druff, da triffste immer, denkt sich der Ingo. Aber keine Angst, sie bekommen alle ihr Fett weg: Politiker, allen voran Angie Merkel, die Nahles, der Trump, der Erdogan, die Nazis, die Katholiken, die Moslems. Und ansatzweise auch die Frauen. Gott sei Dank. Ingo Appelts Hitliste des Hauen-wir-mal-drauf ist eben doch bunt.

Appelt zappelt, hüpft, kniet, lacht, grient, grölt, schreit, kichert, spielt. Ja, er will doch nur spielen – „Meint ihr denn, ich mache das hier wegen der Kohle?“ – und haut dabei gerne jedem eine rein: Donald Trump „ist eine homophobe Drecksau“, Till Schweiger „hat zwar einen Knackarsch, aber einen an der Birne“, Xavier Naidoo „hat die Logik der Frauen verstanden, ansonsten einen an der Klatsche“, Helene Fischer „wäre eine gute Leiche“ … „– im Tatort“, Udo Lindenberg „ist von Gunther von Hagens in Eierlikör plastiniert“. In gut zwei Stunden auf der Sumpfblumen-Bühne zuckt der Appeltsche Brummkreisel so durchgedreht, dass es jeden mal trifft. Die Merkel zwar häufiger als andere, aber das macht ja nix. Merkel, die Miesepetra, die Ewigkanzlerin, die Intrigantin, die Rautenerfinderin, die, ach weiß der Teufel noch was.

Bei alledem: Ist er eigentlich Kabarettist? Oder Comedian? Irgendetwas dazwischen wohl, aber in jedem Fall liebt er es, boshaft zu sein. Wer sich in die Comedy-Höhle des gebürtigen Ruhrpottlers Appelt begibt, der muss Ausrufe wie Drecksau, Arschloch und das früher mal böse, längst salonfähig gewordene Wort mit f aushalten können. Und als Publikum auch mal eine klare Ansage, denn er nimmt sich auch das zur Brust: „Du sollst klatschen, Du Drecksack!“

Gerne und immer wieder spießt er komödiantisch auf, was zwischen Männern und Frauen so schief läuft: „Wer hat die Sprache erfunden?“, fragt er – um zu antworten: „Die Frauen. Das war schon früher so in der Savanne, die Männer waren im Krieg, auf der Jagd oder im Puff, die Frauen zu Hause im Rudel alleingelassen, da haben die die Sprache erfunden.“ Und das sehe man heute noch: „Männer treffen sich, reden nicht viel, trinken ein paar Bier und fangen an zu grölen.“ Frauen dagegen seien viel kommunikativer: „Da machen zwölf Frauen einen Mädelsabend, die reden von Anfang an und ständig, alle zwölf gleichzeitig, jede über ein anderes Thema, nach vier Stunden gehen alle glücklich auseinander und sagen ‚schön war’s, machen wir nächste Woche wieder’.“

So bestätigt der Volksaufklärer denn auch, was Therapeuten schon lange wissen, nämlich, dass Frauen und Männer eigentlich gar nicht zusammenpassen – wenn es nicht so viel Spaß machen würde. „Männer, ihr müsst euch als Dienstleister verstehen, halb Macho, halb Weichei, also so eine Art Matschei. Auch mal Komplimente machen …“ Obwohl – und da schwenkt die Neu-Berliner Schnauze dann auch schnell wieder um: „Tja, dat wolln se dann och nicht.“

Die gefährlichste aller Frauen-Fragen übrigens die nach der Figur und dem Gewicht: „Da bist Du raus als Mann, egal was Du antwortest, es ist falsch.“ Deshalb sein Tipp: Mit exakt vier Antworten komme man gut durchs Beziehungsleben, sei nicht mehr angreifbar und habe seine Ruhe: „Mmh mmh“, „Ja“, „Du hast recht“ und „Sehe ich genauso“ schützen nach der Appeltschen Logik vor Unbill und sichern dem Mann ein ruhiges Leben. Mensch Ingo, wir haben es auch schon geahnt …

Untrem Strich bleibt: Er ist halt kein Spitzbube, der die Pointen liebevoll verpackt, nein, er haut drauf, grölt und schreit ordinär. Ist halt auch nur ein Mann.



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