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Was Schween bei Bauarbeiten entdeckt

Er hat den Blick für Relikte aus der Vergangenheit

Hameln (jbr). Es ist laut in der Bäckerstaße. Bagger und Presslufthammer dröhnen durch die Gassen der Innenstadt. Immer wieder bleiben Passanten stehen, um zu beobachten, wie die Bauarbeiten zur Sanierung der Einkaufsstraße vorangehen. Etwas abseits steht Joachim Schween und fotografiert eifrig, was die Arbeiter bei ihren Grabungen freigelegt haben. Schween ist Archäologe und an diesem Morgen ganz in seinem Element: Denn in der Baugrube in der Innenstadt sind für einen kurzen Moment ein Bruchsteinfundament und Pflastersteine aus dem Mittelalter zu sehen.

veröffentlicht am 15.01.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 20:21 Uhr

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Was einmal auf dem Fundament gestanden haben mag, kann Schween zwar nicht sagen. „Es ist aber auffällig, dass es genau auf Höhe des Durchgangs der Gaststätte ,Zum Rattenkrug‘ liegt“, stellt er fest. Auch zu einer Vermutung über ein mögliches Bauwerk, das einst an dieser Stelle gestanden haben könnte, will sich Schween nicht hinreißen lassen. Gleich daneben – da ist er sich aber sicher – müsse einmal ein großer Baum gestanden haben. Denn Teile seines Stammes sind noch heute zu sehen.

Es scheint ein guter Morgen für den Archäologen zu werden. An diesem Vormittag kommt nicht nur das alte Bruchsteinfundament zutage, auch Pflastersteine, die Schween auf das zwölfte Jahrhundert „oder sogar älter“ datiert, werden für einen kurzen Moment in der Bäckerstraße sichtbar. Sie sind bereits alte Bekannte des Archäologen, schließlich wurden die Flusskiesel, die einst zu einer Straßenbefestigung gehörten, im Laufe der Sanierung der Fußgängerzone schon an mehreren Stellen sichtbar. Sie verbergen sich gut 1,60 Meter tief unter der heutigen Innenstadt.

„Manchmal fallen uns bei solchen Grabungen richtige Schmuckstücke in die Hände“, erzählt der Archäologe. Bei Erdbauarbeiten am Pferdemarkt habe er beispielsweise eine Fibel, eine Anstecknadel, mit der die Menschen früher ihre Gewänder zusammengehalten haben, gefunden. Weil auf dieser Nadel ein Kreuzsymbol abgebildet ist, datiert Schween das Fundstück auf das neunte oder zehnte Jahrhundert: „Damals war das Christentum noch nicht so weit verbreitet. Die Fibel allerdings war ein Zeichen seiner ersten Anhänger“, erklärt der Archäologe. Insgesamt drei Fibeln seien bisher in der Rattenfängerstadt gefunden worden.

Archäologe Joachim Schween entdeckt gut 1,60 Meter unter der heutigen Bäckerstraße ein altes Bruchsteinfundament und Pflastersteine aus dem Mittelalter. Fotos: Dana

Um historische Funde während normaler Bauarbeiten zu entdecken, muss man nicht nur ein geschultes Auge haben, sondern auch schnell sein, weiß Schween aus langjähriger Berufserfahrung: Manchmal seien es nur ein paar Minuten, in denen die Zeugen aus längst vergangenen Zeiten frei liegen. Schween: „Wenn man die Kamera da nicht griffbereit hat, sind sie schnell wieder verbuddelt oder sogar für immer zerstört.“

Und gerade weil sie nicht selten unwiederbringlich dem Bagger oder anderen Baugeräten zum Opfer fallen, müssen die Funde genau dokumentiert werden. Den Fundamentresten und alten Pflastersteinen in der Bäckerstraße bleibt ein solches Schicksal erspart: „Sie bleiben da, wo sie sind und werden einfach wieder zugeschüttet. Vielleicht können sich irgendwann unsere Nachfahren auch noch daran erfreuen“, hofft Schween.

Wer mehr über die Funde des Archäologen wissen will – nachzulesen sind sie nicht nur in einem wissenschaftlichen Bericht, sondern in der Regel auch im Jahrbuch des Hamelner Museums.

Ein Video gibt’s unter www.dewezet.de

Was einst auf dem Bruchsteinfundament gestanden hat, kann Schween derzeit noch nicht sagen.



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