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Falsch verstandene Tierliebe bedroht Wasservögel auf der Hamel

Entenbrot ist Ententod

Hameln (CK). Eigentlich ist die Stadthamel ein wertvolles kleines Biotop. Ein Fließgewässer mitten durch die Rattenfängerstadt, in großen Teilen von grüner Böschung begrenzt – Lebensraum vor allem für Insekten und Vögel, darunter Stockenten in großer Zahl. Und ihnen gilt eine offenbar falsch verstandene Tierliebe: Sie werden – trotz Verbots – wieder und wieder gefüttert, zumeist mit altem Brot, gern aber auch mal mit Pommesresten und ähnlichem Junkfood.
 Erst in den vergangenen Tagen sorgte eine unbekannte „Entenliebhaberin“ für Empörung bei Anwohnern am 164er Ring, an dem entlang die Hamel verläuft, und auch bei Besuchern des Hamelner Wochenmarktes. Die Frau hatte an die 30 riesige Fladenbrote ins Wasser geworden, die erst langsam an der Oberfläche trieben, von jedem kleinen Stöckchen dann aufgehalten wurden und schließlich eine dichte Barriere aus Gammelbrot bildeten.
 „Unglaublich“, so die Kommentare der meisten, die Augenzeugen dieses Vorgangs wurden. Und dieser ist beileibe kein Einzelfall: Tag für Tag, und das ganzjährig, werfen Hamelner die Überreste vom Frühstückstisch von der kleinen Bachbrücke aus ins Wasser, oftmals mit Kindern oder Enkelkindern an der Hand und in dem festen Glauben, den Wasservögeln damit etwas Gutes zu tun.
 Das Gegenteil aber ist der Fall: Enten und Schwäne sind frei lebende Wildtiere; durch die regelmäßige Fütterung verlieren sie ihren natürlichen Trieb, Nahrung zu suchen. Vor allem junge Enten und Schwäne benötigen für ein gesundes Wachstum tierisches Eiweiß; das Brot hingegen führt zu Wachstumsstörungen. Es düngt als Kot das Wasser auf. Die Folgen sind verstärktes Algenwachstum, Sauerstoffentzug, „Umkippen“ des Wassers und mögliches Fischsterben. Nicht gefressenes Brot sinkt außerdem auf den Grund ab und wird dort zersetzt. Hierbei können sich Bakterien entwickeln, die bei Enten eine Muskellähmung und somit einen qualvollen Tod verursachen. Vor allem aber: Nicht gefressenes Brot zieht Ratten an, die sich sehr schnell vermehren. Sie sind natürliche Feinde der Enten und können als Krankheitsüberträger nicht nur Enten gefährlich werden. Gerade im Frühjahr, wenn die kleinen Küken geschlüpft sind, vernehmen Anwohner am 164er Ring oft verzweifeltes Quieken, wenn Ratten die hilflosen Jungen unter Wasser zerren. Entenbrot gleich Ententod?
 Auch beim Naturschutzbund sieht man die Entenfütterung äußerst kritisch. „Es spricht sicher nichts dagegen, wenn ein Opa mit seinem Enkel den Vögeln im Winter, wenn es wenig Futter gibt, mal ein paar Krumen hinwirft“, sagt Reinhard Weper vom Nabu Hameln-Pyrmont. Mengen, wie sie regelmäßig in der Hamel landen, könnten die Enten aber gar nicht verwerten, die Reste aber verseuchten das Wasser oder würden von Ratten geholt, deren Population dadurch immer weiter anwachse. „Das ist falsch verstandene Tierliebe und schadet sowohl der Umwelt als auch der Tierwelt“, bemängelt Weper.
 Aus all diesen Gründen hat übrigens auch die Stadt Hameln ein Fütterungsverbot erlassen. In der Gefahrenabwehrverordnung heißt es in Paragraf 9: „Auf und in … öffentlichen Straßen und Anlagen ist das Füttern von Tieren, insbesondere Tauben und Enten, und das Bereitstellen von Futter verboten.“ Es wird als Ordnungswidrigkeit geahndet.

veröffentlicht am 01.04.2015 um 10:30 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 23:41 Uhr

Immer noch werden Enten in Hameln gefüttert. Die Tiere quält dieses Verhalten. Foto: Bilderbox


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