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Ungewohntes Problem für Apotheken durch gestiegene Nachfrage

Engpass bei Cannabisblüten

HAMELN. Medizinische Cannabisblüten sind derzeit bundesweit eine knappe Ware in den Apotheken. Gut fünf Monate nachdem der Gesetzgeber die Abgabe von Hanfprodukten auf Rezept neu geregelt hat, können die Apotheken die Nachfrage kaum noch befriedigen. Das ist auch in Hameln so.

veröffentlicht am 15.08.2017 um 18:32 Uhr

Die Nachfrage nach Cannabisblüten ist so stark gestiegen, dass die Lieferanten nicht mehr hinterherkommen. Derzeit greifen die Apotheken noch auf Reserven zurück, doch bald könnte es eng werden. Foto: dpa
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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In der Weser-Apotheke greift man derzeit noch auf eine reservierte Charge zurück, doch Ende des Monats könnte der erste Patient betroffen sein, sagt Apothekerin Solveig Mitchell. Auch in der Basberg-Apotheke kommt es bereits zu Engpässen. Während die Stammkunden im Moment noch versorgt werden könnten, gestalte es sich bei Neukunden schwierig, sagt eine Mitarbeiterin. In beiden Apotheken ist die Zahl der Cannabiskonsumenten auf Rezept gestiegen.

„Es gibt Lieferengpässe bei so gut wie allen Cannabisblüten“, sagt Christian Splett, ein Sprecher der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, auf Anfrage. Grund sei die gestiegene Nachfrage. Seit dem 10. März dieses Jahres können Ärzte neben Fertigarzneimitteln auf Cannabisbasis auch getrocknete Cannabisblüten verschreiben.

Waren es vor der Gesetzesänderung rund 1200 Patienten, die Cannabis mit einer Ausnahmegenehmigung bekamen, soll die Zahl derjenigen, die nun ein Rezept erhalten, bis Ende Mai auf 6467 gestiegen sein. Das hat eine Analyse des Marktforschungsunternehmens QuintilesIMS ergeben.

Seit der Gesetzesänderung sind die Krankenkassen verpflichtet, die Kosten zu übernehmen, wenn alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind. Der Gesetzgeber sieht dafür monatlich im Schnitt 540 Euro vor. Zuvor mussten die Patienten, die eine Ausnahmegenehmigung besaßen, medizinisches Cannabis selbst bezahlen.

Nicht nur die neuen Rezepte für Cannabisblüten steigern die Nachfrage: Palliativpatienten zum Beispiel, die mit einer geringen Dosis starten, hätten bei medizinischem Cannabis einen Gewöhnungseffekt, erklärt Solveig Mitchell, natürlich immer abhängig davon, wofür sie es bekommen.

Mit Lieferengpässen rechnet die Weser-Apotheke mindestens bis September. Auch stellvertretende Linken-Fraktionsvorsitzende Frank Tempel wies in einem dpa-Bericht auf Berichte von Patienten hin, die von Lieferengpässen bis in den September ausgingen. Infolge der sprunghaft angestiegenen Nachfrage sollen in Apotheken momentan nur Restbestände von medizinischem Cannabis erhältlich sein.

Ganz auf dem Trockenen sitzen die Patienten allerdings nicht, wie die DAC/NRF-Kommission (Deutschen Arzneimittel-Codex/Neue Rezeptur-Formularium) erklärt. Die Patienten könnten auf medizinische Produkte wie Cannabis- und Cannabinoid-Fertigarzneimittel sowie Cannabinoid-Rezepturarzneimittel mit Dronabinol und Cannabidiol zurückgreifen. Die Kommission bezeichnet diese sogar als „bessere Alternative“ zu den Blüten. Dass bei Phytopharmaka in der Regel der Gesamtextrakt der Wirkstoff sei, erklären dagegen Experten in der Deutschen Apotheker Zeitung.

Auch in der Weser-Apotheke gibt Solveig Mitchell auf Rezept nur noch Cannabis-Blüten ab. Die Patienten wollen lieber die echte Pflanze.



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